Montag, 19. Februar 2018

Gäste machen's möglich

Wer kennt das nicht: Es wäre längst wieder einmal fällig, aber erst, wenn Gäste kommen, macht man sich auf. So zum Beispiel zu einem Abendspaziergang an Saratows tiefsten und an seinen höchsten Punkt: an die Wolga und in den "Park des Sieges". Die beiden Ordensschwestern Rita und Veronica aus Moskau statten mir zurzeit einen spontanen Besuch ab. Ich hatte seit Jahren eingeladen. Nun plötzlich fanden sie ein Zeitfenster und kamen heute Mittag mit dem Zug Moskau - Machaczkala in Saratow an... (Machaczkala ist die Hauptstadt von Dagestan, das gestern durch die Ermordung orthodoxer Gottesdienstbesucher in traurige Schlagzeilen kam. Dagestan ist eine von zwei Republiken im Bistum Sankt Clemens, die ich nie besucht habe. Wir haben dort keine Gemeinden und keine Adressen katholischer Christen.). Eine der beiden Schwestern lebt schon über 20 Jahre in Moskau, die andere über 10. Sie scheinen es ernst gemeint zu haben, als sie bei der abendlichen Fahrt durch die Stadt mit beinahe staunend angetaner Stimme mehrmals wiederholten: "Wie im Dorf!" Natürlich, der Fluß hat sie schon beeindruckt, und die Tatsache, dass er zugefroren ist. 

Sonntag, 18. Februar 2018

Winterlicher 1. Fastensonntag

Marxer Außenstation Stepnoje
Mit drei Stunden Verspätung, trat der vorhergesagte Schneefall ein. Heute am 1. Fastensonntag war es eine Freude für mich, mit der Pfarrgemeinde in Marx die Eucharistie feiern zu können. Und weil ich ja morgen früh nicht nach Polen fliege, was eigentlich geplant war, habe ich auch gern noch die Außenstation am Nachmittag übernommen: Stepnoje. Bei der Abfahrt zweifelte ich noch, ob wir bis hin kommen würden, bzw. ob es Sinn hat zu fahren, wenn doch der Heimweg verweht sein wird. (Ich bin da ein "gebranntes Kind", auch wenn es 20 Jahre her ist.) Schließlich fuhren sich die knapp 50 km heimwärts auf Schnee besser als hinzu auf Eis. Zwei Schwestern und eine Jugendliche waren mit. Schön war zu sehen, dass mehr Erwachsene und Kinder zur Messe kamen, als in den vergangenen Jahren. Auch der Gesang im Gottesdienst machte wieder Mut in Richtung Zukunft dieser kleinen, abgelegenen Gemeinde. Selbst der Rauch, den der Wind von draußen in den kleinen Kachelofen zurückdrückte, störte da kaum. Für zwei Familien übernahmen wir "Botengänge". Einer jungen Mutter und einem Kind auf einer anderen Station, sollten wir Essen ins Kreiskrankenhaus nach Marx mitnehmen. (Das spricht Bände.)

Samstag, 17. Februar 2018

Änderungen

Gestern Abend das war kein Scherz, von wegen "Woche, die zu schnell vergangen ist". Im Blick auf die Pflichten im Büro und die kommende Sitzung der Bischofskonferenz in Irkutsk, Ende des Monats, habe ich die - für mich - traurige Konsequenz gezogen, übermorgen, am Montag nicht zum Seminar, speziell für Bischöfe, nach Warschau zu fliegen, dessen Thema die Mitarbeiterverwaltung sein wird. Ich hoffe, das gleiche Thema wird später noch einmal angeboten. Verlockend war allein schon der Blick auf die Teilnehmerliste: Bischöfe aus allen osteuropäischen Ländern. Ich wäre erst am Samstagnachmittag zurück gekommen und muß dann am Montag wieder für fast eine Woche los nach Sibirien, wo ich nach der Sitzung der Bischofskonferenz auch unseren jungen Kandidaten für das Priesterseminar besuchen will.
Ich hoffe, viele erleben zurzeit einen bewußten Neuanfang durch die Fastenzeit. Sie ist ein Geschenk. Und wer sich noch weit entfernt davon hält, soll bedenken: Es ist nicht zu spät, aber es wird Zeit. Dass die Tage länger werden, "sah" ich früh in meiner Kapelle, in der ein Sonnenstrahl auf die Heilig-Kreuz-Reliquie fiel, die mir der Pfarrer vom Simplon-Pass in der Schweiz geschenkt hatte, nachdem er sie neu hatte einfassen lassen. (Bild.) 

Freitag, 16. Februar 2018

Was soll das wohl werden?

Eine ältere, treue Katholiken aus der Saratower Pfarrgemeinde äußerste ihren Mißmut im Blick auf die begonnene Altarraumgestaltung. Nach den Schafen erscheinen dort nun auch noch Hirsche an der Wand... "Wir sollen doch Gott anbeten, und keine Tiere", sagt sie. "Und wo sind die Heiligen Petrus und Paulus!?"
Recht hat sie. Nur weiß sie wenig von biblischer Symbolik, von der Basilika San Clemente in Rom und von dem, was noch kommt: Dominierend im Altarraum wird das Kreuz sein, der "Baum des Lebens". Und auch Petrus und Paulus, die Kirchenpatrone, bekommen noch reichlich Platz.

Gerade habe ich mich nach 21.00 Uhr am Computer erwischt. Das sollte doch in der Fastenzeit nicht unbedingt sein! Die Woche war einfach zu schnell um. Und die Vorbereitungen auf unsere Pastoralkonferenz dulden schon keinen Aufschub mehr. Tagsüber hatte mich u.a. der Pfarrer aus Novoczerkassk besucht. 11 Stunden für 6 Unterschriften, (und 11 Stunden zurück), ist er im Auto gefahren, jetzt, im Winter!

Zum Tagesabschluss werde ich noch ein wenig lesen. Auch so ein Vorsatz ... Ich habe da ein Buch von Tomáš Halík liegen. Er liest sich etwas schwer. Aber immer, wenn ich das Buch schon zuklappen will, scheint mir, dass er dran ist, am Wesentlichen.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Einmal im Heiligen Land

Unsere Pilger aus dem Heiligen Land sind (schon) zurück. Es muss sehr schön gewesen sein, die Wallfahrt an sich, und die Freundschaft untereinander. 27 Priester und Ordensleute hatten sich vor ein paar Tagen auf die Spuren Jesu begeben, 18 aus dem Bistum Sankt Clemens, 9 aus den anderen drei Bistümern in Russland. Fast alle zum ersten, und vermutlich einzigen Mal im Leben. Besonders die Schwestern wären nie dort hin gekommen, wenn wir es Ihnen nicht geschenkt hätten. Ich freue mich sehr und möchte danken, dass ich von Zeit zu Zeit so etwas initiieren kann. Pater Diogenes hat die Gruppe ausgezeichnet begleitet. Ich halte es für sehr hilfreich, sowohl für das eigene Leben in der Nachfolge Christi, als auch für Predigt und Katechese. 

Mittwoch, 14. Februar 2018

Aschermittwoch - Neuanfang

Am Morgen waren nicht wenige in die Kathedrale gekommen, um die Fastenzeit bewußt mit Gott und der Kirche zu beginnen. Der Gedanke daran, dass es heute auch noch eine Abendmesse gibt, freute mich um so mehr, denn der Gottesdienstbesuch am Aschermittwoch ist bei uns ein Anzeiger für die Lebendigkeit der Gemeinde. Statt, wie sonst beinahe üblich am Aschermittwoch mit seinem alljährlichen Evangelium über Barmherzigkeit, Gebet und Fasten, zum Thema Fastenvorsatz zu predigen, bat ich heute, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen: Erst muß da eine klare christliche Motivation stehen, sonst geht's schief. Fasten - warum? In dem Zusammenhang empfahl ich die Frage, ob ich ehrlich sagen kann: "Gott, ich brauche dich."
Mein erstes "Fastenopfer" war dann ein unfreiwilliges: Da der Tag dem Büro gewidmet war, kam ich um die Wiederbelebung des defekten Computers nicht herum. Stunde um Stunde wurde mir deutlicher, was da alles verlorengegangen ist. Das Adressbuch werde ich zum Beispiel nur langsam erneuern können, nämlich, wenn mir jemand von denen schreibt, die noch vor kurzem dort notiert waren. 
Unter der heute erledigten Post war die Zusage, am Katholikentag in Münster teilzunehmen, der dort vom 9.-13. Mai stattfinden wird. 

Dienstag, 13. Februar 2018

Nichts weiter als ein Tagesrückblick

Im Autoradio hatte ich heute speziell nach Lokalnachrichten gesucht. Statt der von mir erwarteten Meldungen, erfuhr ich auf diesem Wege, dass in Saratow knapp zwei Tonnen polnischer Birnen vernichtet wurden, die trotz Anti-Sanktionen, illegal eingeführt wurden, und dass alle Saratower Schulen vom 14.-24. Februar geschlossen bleiben, wegen einer Grippe-Epidemie. 
Meinen abgestürzten Computer konnte ich ein wenig wiederbeleben. Er "arbeitet" wieder, jedoch nur wie Wasserkochen auf Sparflamme. 
Zum letzten Mal vor der Fastenzeit segnete ich heute nach der Abendmesse eine Wohnung mit dem bekannten Kreide-Schriftzug an der Tür. (Dieser Brauch zieht sich bei uns jeweils von Dreikönige bis Aschermittwoch hin. Die Priester kommen selbst in die Familien, was ein großer pastoraler Gewinn ist.) Das Ehepaar in meinem Alter, das für heute Abend eingeladen hatte, wohnt erst seit 20 Tagen in einer neuen Wohnung. Die alte wurde, mit vielen anderen, von der Stadt abgerissen, am gegenüberliegenden Ende der 800.000-Einwohner-Stadt. Die beiden haben sich wohnraummäßig verbessert, auch wenn es um die neuen Sozialwohnungen herum noch keinerlei Infrastruktur gibt. 
Nach über drei Monaten in Deutschland, ist Pater Reinhard (Pfarrer Doleschal) heute wieder zu uns gekommen. "Endlich!" - freuten sich viele.

Montag, 12. Februar 2018

Die gestrige Flugzeugkatastrophe

... hat mich natürlich nicht gleichgültig gelassen. Die 71 Toten, die vielen Verwandten und Freunde, ... Aber eben auch die Tatsache, dass es "unsere" Saratower Fluggesellschaft war, der ich mich in den vergangenen 26 Jahren Hunderte Mal anvertraut habe; dass ich auf dem Weg zum Ad-limina-Besuch nach Rom, aller Wahrscheinlichkeit nach, genau mit dieser Maschine von Saratow nach Moskau geflogen bin (und beunruhigt über die linke Turbine war), ... Alles zusammen bedrückt emotional. Ich war einer von vielen, die gestern abend in unsere Pfarrei nach Orsk anriefen, um mich zu versichern, dass es allen gut geht. Heute wurde vielerorts für die Verunglückten gebetet. So auch in unserer Kathedrale. Als ich am Abend nach einer Wohnungssegnung nach Hause kam, fuhr ich noch kurz zum Flughafen. Dort, wo Saratower Einwohner am Nachmittag Nelken niedergelegt und Kerzen aufgestellt hatten, als Zeichen der Verbundenheit, Trauer, Hilflosigkeit und des Schmerzes, wollte ich für die Saratower Besatzung und die 65 Passagiere, hauptsächlich aus Orsk und Umgebung, um Gottes Barmherzigkeit beten. Die letzte Maschine war um 20.00 Uhr gelandet. Drei weitere (aus Moskau, Sankt Petersburg und Surgut) werden kurz vor Mitternacht erwartet. Es wäre still gewesen, dort vor dem Flughafengebäude, wenn nicht immer wieder Autos mit lauter Musik, trotz geschlossener Scheiben vorbeigefahren wären. Was ist der Mensch, ... (Fortsetzung im Psalm 8 Vers 5: dass du an ihn denkst!?)

Info

Mein Computer hat unerwartet "den Geist aufgegeben". Ein großer Teil meiner Programme, z.B. Post- und Textbearbeitungsprogramme, aber auch mein Fotoprogramm u.v.m., sind dabei verloren gegangen. Ich bitte besonders jene, die auf Antwort warten, das zu berücksichtigen.