Sonntag, 17. Juni 2018

Mexikaner spielen mit Segen aus Saratow

Keine Angst! Wir sind nicht abergläubisch, und keiner weiß, wie das Spiel gegen Deutschland heute ausgeht. Es geht mehr ums Teilen der Freude über das Bild. Heute ist Sonntag. Die mexikanische Mannschaft ging am Morgen zur Messe. Zelebrant war unser Pater Alfredo (Mexikaner, im grünen Messgewand, mitten drin) aus Kazan/Saratow.
Am Abend: So, nun haben wir das Spielergebnis. Kommt vor... 👍

Samstag, 16. Juni 2018

Nebensachen

Sieht nach Urlaub oder Landleben aus. Ist aber nichts weiter als ein Bild von unterwegs zwischen Kirche und Haus der Schwestern in Krasnodar. Da gibt es ein bißchen Wasser zwischen den Hochhäusern, Schilf und unerwartet viele Vogelarten. Jeden Morgen gebe ich ein ganzes Paket voller Impulse, aus denen die Exerzitienteilnehmerinnen dann im Laufe des Tages aussuchen können. Beim zweiten Besuch besteht die Möglichkeit zu Einzelgesprächen, so wie es der heilige Ignatius für Geistliche Übungen empfiehlt. Und am Abend beten wir gemeinsam in Stille. 
Gestern hatten wir hier im Stadtviertel von ca. 14.00 bis 21.30 Uhr keinen Strom. Trotz enorm südländischer Temperaturen, mußte ich am Abend eine Kerze in meinem Zimmer anzünden. So konnte ich nicht einmal auf die Idee kommen, eins der WM-Spiele, besonders Spanien gegen Portugal, mit P. Sergej, dem Pfarrer, anzuschauen. Die Spanier werden nachts zurückgekommen sein und ganz sicher Licht in ihren Zimmern gehabt haben.

Freitag, 15. Juni 2018

Am Vorabend von Sankt Benno

Heute Abend kommt ein Priester auf der Durchreise zum Übernachten nach Krasnodar. Hauptgrund ist ein Gespräch, um das ich ihn gebeten habe. Zur gleichen Zeit wird die spanische Fußball-WM-Mannschaft von nebenan in Sotschi (30 Flugminuten südlicher) gegen Portugal spielen. 
Von den Exerzitien gibt es nichts (öffentlich) zu erzählen. Alles geht ruhig und gut. 
Morgen wird man in Dresden-Meissen den Tag des Bistumspatrons feiern, des heiligen Benno, dessen "Schlüssel und Fisch" auch in mein Bischofswappen eingegangen sind. Auch wenn es kein rundes Jubiläum ist, will ich darin erinnern, dass an jenem Tag (16. Juni) im Jahre 1991 Pater Joseph Werth SJ in der Moskauer Sankt Ludwigskirche zum Bischof geweiht wurde. Ich war damals dabei, natürlich ohne zu ahnen, dass wir ein paar Jahre später am Tisch einer gemeinsamen Bischofskonferenz sitzen werden, wie auf dem Foto vom letzten Jahr.

Donnerstag, 14. Juni 2018

In der Unrast schenkst Du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu ...

Während im Moskauer Luzhniki-Stadion die Stimmung vor dem ersten WM-Spiel zum Kochen kommt, schwitzen wir in Krasnodar unter der Sonne Südrusslands. Der Stille bei unseren Exerzitien tut das keinen Abbruch. Die Schwestern wohnen in einer Straße der 900.000-Einwohner-Stadt, welche sich einen schattigen, dörflichen Charakter bewahrt hat, während am nahen Horizont eine endlose Hochhaussiedlung in den Himmel ragt. Am Morgen krähen hier die Hähne, abends hört man ungewollt die Gespräche der draußen vorbei Gehenden, nachts bellen die Hunde. Und doch herrscht eine wunderbare Ruhe bei diesem Kurs geistlicher Übungen, die auch mir selbst guttut. Gott in der Stille begegnen, ist längst keine Überschrift mehr, sondern eine tiefe Glaubenserfahrung, mitten in der Realität menschlichen Lebens, hier und heute. Eine Gnade, eine Freude, die Quelle christlichen Lebens.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Ein Hauch von Bilokation

Sieben Tage Schweigen mögen nun der Wanderstock für meine Exerzitien-teilnehmerinnen auf ihrem Weg zur Begegnung mit Gott sein. Ich habe den Eindruck: Die kleine Gruppe von Schwestern hat sich schon den südländischen Temperaturen unter permanenter Sonne in Krasnodar angepasst. Schwerer könnte der noch andauernde Schritt, raus aus dem Alltag - rein in die Stille, sein. Besonders Menschen, die im Alltag von vielerlei Verpflichtungen und Nöten gefordert sind, brauchen Zeit dafür.


Mein täglicher Fußweg vom Pfarrhaus zu den Schwestern führt nicht gerade durch beschauliches Gelände, und trotzdem kann man ihn "in Ruhe" gehen. Die Anonymität der Großstadt macht's möglich.

Ich erinnere mich an einen ähnlichen Kurs, den ich im vergangenen Jahr in Lourdes begleiten durfte. Warum ich jetzt nicht unbedingt dort sein möchte, erklärt das vor ein paar Minuten aufgenommene Bild einer Webcamera gegenüber der Grotte.  
"Leider" habe ich hier in Krasnodar, dem Zentrum der Süddekanate des Bistums, ausgezeichneten WLAN-Anschluß. Somit kann ich die "Amtsgeschäfte" auch in diesen Tagen am Laufen erhalten. Generalvikar und Sekretärin arbeiten gut, auch ohne mich. Und doch gibt es täglich Rückfragen und Neuigkeiten. 

Dienstag, 12. Juni 2018

Sanfter Einstieg in die Exerzitien

Meiner Erfahrung nach ist es sinnvoll, Exerzitien nicht wie einen Sprung ins Wasser zu beginnen. Ein Mensch aus dem Getriebe seiner Aufgaben kann nicht mit Knopfdruck umschalten von Alltag auf Stille. Darum beließen wir es gestern Abend bei der Klärung organisatorischer Fragen und einer ganz kleinen thematischen Einführung in die kommende Woche. Zudem war zwei Schwestern anzusehen, wie sie mit der Zeitumstellung (3 bzw. 4 Stunden Unterschied mit zu Hause) kämpfen mussten. Der heutige Tag soll dem Loslassen dienen, dem frei Werden "von" und "für", ohne die Möglichkeit des Gesprächs untereinander auszuschließen. Wenn "Schwestern" wirklich Schwestern sein wollen, müssen Sie voneinander wissen und am gegenseitigen Wohl interessiert sein. Aber morgen früh "gehen" wir dann ins Schweigen. Dass Gott sich gern in der Stille suchen und finden läßt, wissen wir nicht nur aus der Bibel. 

Montag, 11. Juni 2018

Eine Woche Krasnodar

Eine Exerzitienteilnehmerin ist noch in der Luft, irgendwo zwischen Karaganda und Krasnodar. Heute Abend beginnt der 8-tägige Kurs Geistlicher Übungen, bei dem sich besonders die Schwestern aus Sibirien und Kasachstan auf hochsommerliche Temperaturen umstellen müssen. Das hiesige Haus der Schwestern hat alles, was für die Exerzitien gut und nötig ist: Ruhe, eine Kapelle, Einzelzimmer, einen, wenn auch kleinen, Garten und eine gute Küche. Ich selbst wohne beim Pfarrer und werde dreimal täglich die 20 Minuten zu den Schwestern laufen. - Zwei Stunden spazieren gehen, jeden Tag. Luxus! 
Das Büro habe ich in Form meines Tablets dabei. In der Regel nehmen mich Exerzitienkurse sehr in Anspruch, weil ich "vorher" wenig vorbereite und statt dessen individuell und konkret auf die Verfasstheit der Teilnehmer(innen) reagieren will. Eine entsprechende Routine dafür habe ich trotz der Jahre noch nicht entwickelt, scheint mir. Dennoch werde ich versuchen, die Büroarbeit nicht schleifen zu lassen. Gut schon mal, dass in Russland heute und morgen arbeitsfrei sind.
Übrigens wohnt und trainiert ein paar Schritte von hier die spanische Nationalmannschaft, die zur Fussball-WM angereist ist. 

Sonntag, 10. Juni 2018

Ungewöhnlicher Sonntag


Heute geht in Marx die Kinderwoche (Foto) für die Kleinen (bis 11 Jahre) zu Ende. Meine Gäste aus Eisleben fliegen heim, und ich fahre - schon am Vormittag - mit der Bahn nach Krasnodar. (Ankunft morgen früh kurz vor 6.) Darum wird es nun erst einmal 24 Stunden nichts Neues hier geben. Die Tasche ist gepackt. Sonntagsmesse feiere ich zu Hause, damit ich nicht zu spät zum Zug komme. Viele wissen, dass ich in Russland nicht gern mit der Bahn fahre. Im Widerspruch dazu, freue ich mich jetzt auf 19 Stunden Ruhe.

Samstag, 9. Juni 2018

Danke

Nun rutscht das "Jubiläum" langsam in die Erinnerung. Nach dem kleinen Fest am 7. Juni in Saratow (Foto), gedachten wir gestern in Marx der ersten heiligen Messe, die ich als Bischof im Süden des europäischen Teils Russlands vor 20 Jahren (8.6.98) dort feierte. Sogar Verwandte und Freunde aus Deutschland waren (sind teilweise noch) hier. Trotzdem war es eher ein Fest im kleinen Rahmen. Hatten wir es doch eigentlich schon auf den letzten Sonntag im April vorgezogen, als wir - 100 Priester und Ordensleute, plus Caritasdirektoren - an der Sonntagsmesse in der Dresdner Hofkirche teilnahmen. 
Ich bin in dieser Woche kaum zum Lesen meiner Post gekommen. Dass ich heute seit dem frühen Morgen versuche aufzuholen, bedeutet noch lange nicht, dass ich alles gesehen oder gar gelesen hätte. Morgen früh geht es aber bereits wieder auf Reisen. Ich fahre - ausnahmesweise mit der Bahn - nach Krasnodar, wo ich einen Exerzitienkurs begleiten darf. In der Post (ganz zu schweigen von SMS) findet sich u.a. eine große Zahl von Gratulationen zum 20. Jahrestag der Bischofsweihe. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich wegen der zeitlichen Beschränkung nicht allen antworten kann. Das Lesen macht mir jedenfalls Freude und erfüllt mich mit Dank. Man darf zwar nicht die "Hand an den Pflug legen und (gleichzeitig) zurückschauen", vgl. Lk 9,62, aber wenn man die "Hände faltet", darf man es doch manchmal: Es gibt so viel zu danken!