Samstag, 15. Dezember 2018

Über'm Tellerrand

Von Wladimir, der in Sibirien sein Propädeutik-Jahr (ein Jahr "Vorseminar" vor dem Studium im eigentlichen Priesterseminar) absolviert, bekam ich heute einen Adventsgruss, an den ein lustiges Bild vom Nikolaustag angehängt war, das aus seiner derzeitigen Gemeinde in Kujbyshew stammt. 
Gleichzeitig kam ein Gruss vom Besinnungswochenende für Jugendliche in Tambow, demnach afrikanische Studenten den größten Teil der Pfarrjugend ausmachen. 
Das noch als Abendgruss vor dem 3. Adventssonntag. 

Samara, Samstag, 4.00 - 12.00 Uhr (und 21.45 Uhr)

Um 4.00 Uhr morgens holte mich Pater Marcus vom Bahnsteig ab. Samara "schlief" noch. Innerhalb weniger Minuten lieferte er mich in der Pfarrwohnung ab und brach sofort wieder auf, um Besorgungen zu machen und dann zur Außenstation nach Buguruslan zu fahren.
Mein erste Programmpunkt sollte die Roratemesse um 7.00 Uhr in der großen neugotischen Herz-Jesu-Kirche (Foto) sein. Die kleine, noch nicht endgültig ausgestaltete Kapelle war bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Frühstück mit einigen, die noch bleiben wollte, schloss sich an.
Dann gehörte der Vormittag dem Kaplan und mir. Er, Pater Sergio, begleitet unsere russischen Jugendlichen (eine ganz kleine Gruppe) zum Weltjugendtag nach Panama. Und er ist es, dessen fachliche Hilfe wir brauchen, wenn es um die Fortführung unserer Bistums-Homepage und des Journals "Kliment" geht. Die Zeit verging wie im Fluge. Und schon mussten wir überlegen, wie wir es heute mit dem Mittagessen machen.

P.S. Das Foto könnte auch jetzt vom Abend sein. Mit den beiden Priestern der Pfarrei, sind wir vom Besuch bei den Schwestern zurück, die 20 Minuten von der Kirche entfernt wohnen. Ein Gesprächstag geht zu Ende. An vielen Orten habe wir eine ähnliche Situation, die ein Stück Weltkirche widerspiegelt: Pfarrer aus Deutschland, Kaplan aus Mexiko, Schwestern aus Polen. 

Freitag, 14. Dezember 2018

Mit der Russischen Eisenbahn ins Wochenende

Winterliche Landstraße zwischen Marx und Engels
Saratow - Samara, das sind 436 km Fernstraße, habe ich mich gerade vergewissert. Eigentlich nicht viel und gut mit dem Auto zu machen. Aber weil wir uns in der dunklen Jahreszeit befinden und dieser Tage viel Schnee bei uns fällt, habe ich mich für die Bahn entschieden: 10 Stunden, über Nacht. Das nimmt zumindest dei Unruhe vor Verwehungen und den Konzentrationsaufwand am Lenkrad. Die Herz-Jesu-Pfarrei in Samara ist mein letztes Reiseziel in diesem Jahr. Sonntag habe ich dort Firmung. Eigentlich soll der Advent ja nicht durch zusätzliche Feiern gestört werden, aber der 3. Adventssonntag ("Gaudete") ist - wie der 4. Fastensonntag ("Laetare") - eine Ausnahme. Statt des dunkleren, violetten Messgewands, ziehen Priester an diesen zwei Tagen im Jahr ein helleres, rosa Messgewand an, vorausgesetzt, sie haben eines im Sakristeischrank. 
Somit gehen gerade ein paar ruhige Urlaubstage zu Ende. Trotz der gewohnten Umgebung, war es möglich abzuschalten. Das verdanke ich meinen Mitarbeiter(inne)n. 

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Aus einer der entferntesten Pfarrgemeinden im Bistum

1.520 Kilometer, größtenteils bei Nebel, Eisregen oder Schnee ... Als er zu Hause abfuhr, waren dort noch 14 Grad (plus!), sagte Pater Ireneusz, der Pfarrer aus Sotschi. Er brachte mir unter anderem den Computer und ein wenig Technik unserer - momentan ehemaligen - Redaktion des Bistumsjournals "Kliment", denn die Ordensschwester, die bisher für die Herausgabe verantwortlich war, wurde von ihrer Oberin nach Polen gerufen. Nun müssen wir sehen, wie es weiter geht. Ideen haben wir schon. 
Es war ein langes Gespräch, vom Morgen bis zum Mittag, nachdem Pater Ireneusz wieder aufbrach, zumindest bis nach Rostow am Don wollte er bis Mitternacht noch kommen. Unter den Themen unseres Gesprächs war eins, das schon in nächster Zeit konkret werden könnte: eine Art Weiterbildung, speziell für die Priester im Bistum, egal, ob sie inkardiniert sind, oder für eine bestimmte Zeit für den Dienst im Bistum Sankt Clemens freigestellt wurden.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Stichwort Guadalupe

Das Fest "Unserer lieben Frau von Guadalupe" ist für Mexikaner ein "Muß". 1531 erschien die Gottesmutter dem heiligen Juan Diego, was letztendlich zur Annahme des Christentums in Mittelamerika führte. Dass sie um den Bau einer Kapelle auf einem Hügel unweit des heutigen Mexico-City bat, der bis dahin einem heidnischen Kult vorbehalten war, scheint "sachliche Zweifler" eher eine Missionierungsstrategie dahinter vermuten zu lassen, als etwas Übernatürliches. Aber dürfen denn Gott und die Heiligen keine Strategie haben? Im Impuls der Predigt schlug ich vor, auf heutige, eigene "heidnische Hügel" zu achten, die wir häufig besuchen oder an denen wir nicht so einfach vorbeikommen, und die uns praktisch wieder zu "Heiden" machen: Gewohnheiten, Idole, Ängste, Schuld, Trends, ... Es kann sehr hilfreich sein, wieder einmal eine Kapelle zu bauen, im Herzen, im Verstand. 
In Saratow haben wir wegen unserer - bis heute liebevoll so genannten - Mexikanerinnen gefeiert, Ordensschwestern, die vor über 20 Jahren aus Mexiko nach Russland gekommen waren, zu deren Gemeinschaft in Saratow heute nur noch eine Mexikanerin zählt. Die anderen stammen aus Russland und Nigeria.
Am späten Abend erwarte ich einen unserer Seelsorger von weit her. Trotz gefrierenden Regens kommt er mit dem Auto, um etwas mit mir zu besprechen. Er wußte, dass ich Urlaub habe, als er um den Termin bat. Darum konnte ich nicht sagen: später. 

Dienstag, 11. Dezember 2018

Adventsabend in Saratow

Am Abend war ich bei gefrierendem Regen mit dem Auto in Saratow unterwegs, als ich die schön beleuchtete Kathedrale meines orthodoxen Mitbruders bemerkte. Eine großartige Nachtaufnahme im Halteverbot war zwar nicht möglich, aber als Bild des Tages hat's die Kirche hinter den winterlichen Eiben trotzdem geschafft. Diese Kirche war die einzige, die in Saratow über all die Jahrzehnte der UdSSR geöffnet geblieben war. (Was nicht bedeutet, dass jeder, der gern wollte, Zugang gehabt hätte.) Hier wurden viele Ikonen aus anderen, ehemaligen Kirchen zusammengetragen. Im Turm hängt sogar eine "katholische" Glocke, gegossen in Deutschland. Soweit ich gehört habe, hatte ein Ehepaar in einem der deutschen Dörfer im Wolgagebiet die Glocke Jahrzehnte lang im Brunnen versteckt. Dieses Geheimnis wollten sie nicht mit ins Grab nehmen... Eine katholische Kirche gab es hier zu dem Zeitpunkt nicht.
Aus Rom habe ich heute eine Nachricht bekommen, über die ich mich freue. Von der Generaloberin unserer Schwestern habe ich mich verabschiedet, bevor sie morgen nach Polen heimkehrt. Zu den gestrigen 5 habe ich heute noch 3 große Stollen dazu gebacken, diesmal nach Dresdner Christstollen-Rezept. Mit dem "im Urlaub Briefe Schreiben" will es noch nicht so richtig klappen.  

Liest man meine Blogeinträge vielleicht auf dem Mars?

Von Zeit zu Zeit ist es interessant zu sehen, wo (in welchem Land) wie viele Gäste meine Einträge über das Leben der katholischen Kirche in Südrussland lesen. In den letzten Monaten ist da unter den "Top 10" eine "Unbekannte Region" aufgetaucht. Wer könnte das sein? Es müsste ja jemand sein, der auch diesen Eintrag liest. Vielleicht kann er/sie sich mal bei mir melden, damit wir dem Betreiber von blogspot die Wissenslücke schließen können. :-)  Ist natürlich nicht so wichtig.

Es kam eine Rückmeldung!  Nicht vom Mars und aus keinem Keller, sondern aus Kasachstan. 15.23.2018, 21:45 

Montag, 10. Dezember 2018

Urlaub im Advent

... das muss nicht unbedingt "einkaufen" heißen. Am ersten der fünf Tage habe ich gelesen, was ein ehemaliger Münsteraner Pfarrer schreibt, der etwa so alt ist wie ich. Und ich habe gebacken. Besser gesagt, ich bin noch dabei. Urlaub ist Urlaub. Fünf Stollen werden es heute. Als Kind hatte ich es erlebt, wie meine Eltern regelmäßig im Advent viele Stollen backten, die dann in Schachteln bis Weihnachten aufbewahrt oder mit der Post verschickt wurden, u.a. "in den Westen". Empfänger waren meist Freunde, die unsere kinderreiche Familie im Laufe der Zeit auf vielerlei Weise unterstützten. Drei der heutigen fünf Kuchen, sind dem Rezept meiner Mutter ziemlich nahe. Mal sehen, wer sie bekommt. Mit der Post verschicke ich sie jedenfalls nicht. Sonst bedanken sich die Empfänger später für die Osterbrote, statt für die Weihnachtsstollen.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Entschleunigung - Ist das Deutsch?

Na, "typisch Deutsch" ist das nicht: Gezielte Verlangsamung einer sich bisher ständig beschleunigenden Bewegung, Tätigkeit o.ä. So sagt's das Wörterbuch. Mir fällt dabei unsere alte Wäscheschleuder ein, auf die man sich mit beiden Armen pressen musste, damit sie nicht durchs Zimmer tanzte und umfiel. Es war jedes Mal eine beruhigend-erlösende Wohltat, wenn man den dicken Schalter auf "Aus" drehen durfte.

So möge nun nicht nur mir das Licht vom 2. Adventssonntag zur ruhenden Mitte werden, sondern allen, die den Advent ernst nehmen und von Gott ernst genommen werden wollen.


Allmächtiger und barmherziger Gott,
deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg.
Lass nicht zu,
dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern,
deinem Sohn entgegenzugehen.
Führe uns durch dein Wort und deine Gnade
zur Gemeinschaft mit ihm,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Und P.S. Das Saratower staatliche Fernsehen hat sich für die neue Orgel in Marx interessiert:
https://youtu.be/Nb5L_YatHX0