Montag, 22. Januar 2018

Ein Tag für den Heimweg ist (leider) normal

Krasnodar, Blick aus dem Kirchenfenster
Natürlich, mit dem Auto hätte es noch viel länger gedauert, aber die Flugverbindung ist heute auch nicht die schnellste. 6.20 Uhr flogen Pater Diogenes und ich ab Krasnodar. Nun sitzen wir bis Mittag in Moskau. Kurz vor drei (14.50) ist die Landung in Saratow vorgesehen. Gestern saßen wir noch bis in die Nacht hinein, nicht nur weil der Pfarrer von Sotschi mit seinen Anliegen dazugestoßen war. Ich glaube, dass es auch für Pater Tomasz selbst ein schwerer Tag war, der Abschied aus einer Diözese, in die er am 1. August 2002 als Seelsorger gekommen war. Damals war er 33 Jahre alt gewesen. Seine Heimatdiözese ist Kattowiz. Heute oder morgen möchte ich dem dortigen Erzbischof Skworc einen Brief schreiben und mich für den guten Priester bedanken, dem er demnächst wieder eine Anstellung in der Heimat geben wird.
In Saratow herrscht heute Morgen Aufbruchstimmung. Außer einer Schwester im Büro, wollen alle zum Dekanatstreffen der Priester und Ordensleute nach Tambow. Knapp 500 km, winterliche Straßen. Diese Begegnungen sind wichtig, besonders in unseren Verhältnissen, wo es Hunderte Kilometer vom einen zum anderen sind. 

Sonntag, 21. Januar 2018

Verabschiedung in Krasnodar

Nicht die Traurigkeit über den Abschied, sondern der Dank für seinen fünfzehnjährigen Dienst in Russland, sollte im Vordergrund stehen. Und so gelang es auch. Pater Tomasz hatte seine Gemeinde gut auf den letzten Sonntagsgottesdienst mit ihm vorbereitet. Nachts war auch noch Pater Diogenes, der Generalvikar, gekommen. Ein schönes Zeichen der Freundschaft. Pater Sergej, der bisherige Kaplan (Foto links oben), übernimmt die Pfarrei. Viele gute Worte gaben die Einzelnen ihrem bisherigen Pfarrer nach der Messe mit auf den Weg, Tränen natürlich auch. Tee, Erinnerungsfotos, eine Menge Kuchen,...  Gegen 14.00 Uhr wurde es dann still im Pfarrhaus. 
Nach dem Mittagessen blieb mir Zeit zum Besuch bei den Schwestern. Seit kurzem lebt ja Schwester Rosa hier in Krasnodar. Viele Jahre hatte sie mir in Saratow geholfen. Für den Abend hat sich der Pfarrer von Sotschi angesagt. Er ist seit Mittag im Auto unterwegs hier her. Sind es für ihn doch 1.200 km weniger als bis zu mir nach Saratow.

Kirche mitten drin


Papst Franziskus betont oft, dass die Kirche an die Peripherie gehen solle. Als der Kirchbau in der südrussischen Großstadt Krasnodar vor knapp 20 Jahren begann, hatten wir keine Wahl und nahmen ein Grundstück am Stadtrand in sumpfigem Gebiet. Der damalige Pfarrer wollte mir einreden, dass hier rundherum einmal Wohnblocks stehen werden, ein ganzer Stadtbezirk. Träumereien - dachte ich. Heute ist es längst wahr geworden. Die Peripherie ist zur Mitte geworden.

Samstag, 20. Januar 2018

Ein Heimkehrer

Frühlingshafte +8 Grad hier in Krasnodar, stehen Schneefall bei -12 in Saratow gegenüber. Ganz zu schweigen von Novosibirsk, wo das Thermometer nicht aus dem Keller von unter -30 heraus kommt. 
Ich bin zum Abschiedsbesuch ins südliche Zentrum des Bistums Sankt Clemens gekommen. Pater Tomasz, der Pfarrer, kehrt nach 15 Jahren Seelsorge in Novoczerkassk und Krasnodar in seine polnische Heimat zurück. Lange Zeit war er mein Bischofsvikar mit vielen Vollmachten für die drei Süddekanate. Polen hat sich innerhalb dieser 15 Jahre gewandelt. Es wird nicht leicht für ihn sein, dort wieder Fuß zu fassen. Ihm, wie allen anderen ausländischen Seelsorger bin ich dankbar für das unwiderrufliche Stück ihres Lebens, dass sie uns in Südrussland geschenkt haben.

Freitag, 19. Januar 2018

Sitzungstag - und trotzdem angenehm

Das Treffen unserer Jugendkommission begann mit der Eucharistiefeier in der Moskauer Kathedrale. Für den runden Tisch hatten wir uns dann drei Themen vorgenommen: einen (sehr interessanten) Rückblick auf die Jugendseelsorge in den vier russischen Diözesen 2017, die Vorbereitung auf den Gesamtrussischen Jugendtag im Juli am Baikalsee und die Vorbereitung auf den Weltjugendtag im Januar 2019, also schon in einem Jahr, in Panama. An letzterem werden nicht allzu viele Jugendliche aus Russland teilnehmen können, aber eine symbolische Gruppe, die uns in Mittelamerika vertritt, wird es schon geben.
Die geschwisterliche Gastfreundschaft in der Moskauer Kurie und bei den hier tätigen Salesianern, machten uns das Arbeiten leicht.
Auf dem Foto mit den Jugendseelsorgern der vier Diözesen, v.l.: P. Tomasz, Ufa (Diözese St. Clemens), P. Wladimir, Irkutsk (Diözese St. Josef). Mich haben sie in die Mitte gestellt. P. Daniele, Moskau (Erzdiözese der Gottesmutter), P. Alexander, Slawgorod (Diözese der Verklärung des Herrn). 
Für mich ist es Zeit, zum Flughafen zu fahren. Das wird zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen. Am Abend geht mein Flug nach Krasnodar.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Telegramm

unterwegs nach moskau + heute nuntiatur + morgen jugendkommission

Mittwoch, 17. Januar 2018

Anstrengend

Sitzungen wie die heutige, sind ein eigenartig ungewöhnlicher Energieaufwand. Ob es mit der Wortfülle solcher Tage und - trotz der 27 Jahre in dieser Umgebung - mit der Fremdsprache zu tun hat? Meine Vermutungen gehen zumindest in dieser Richtung. Schwerpunkt der ersten Dekanekonferenz im neuen Jahr war ein pastoraler Akzent, der zwar allgemeine Zustimmung fand, den wir aber dennoch nicht als offizielles Jahresthema verbreiten wollen. - Klingt geheimnisvoll, aber hat seinen Grund. Ich kann ja sagen: Es geht um die Freude im alltäglichen Dienst.
Wir waren schon gegen halb drei mit der Aufgabenliste durch. Ein persönliches Gespräch nahm dann noch eine Stunde in Anspruch, bevor ich am Abend einigen Verpflichtungen in Marx nachkommen konnte.

Dienstag, 16. Januar 2018

Dekanekonferenz

Das, s.o., ist das offizielle Wort für das Treffen, das morgen hier in Saratow stattfindet. Angereist sind die Vertreter der Regionen schon heute. Und wer es schaffte, hat heute die Gelegenheit zu einem Gespräch unter vier Augen genutzt, seit mittag halb zwei. 

Montag, 15. Januar 2018

Zurück in Saratow für dreieinhalb Tage

Nur sechs Stunden dauert die Bahnfahrt von Tambow nach Saratow, aber die Abfahrt mitten in der Nacht macht das Unternehmen doch nicht so erstrebenswert. Im grauen Morgen erreichte ich den Stadtrand von Saratow (Foto), 40 Minuten vor Ankunft am Bahnhof. Die wichtigste Post habe ich inzwischen erledigt. Mehr ist auch nicht drin, denn am Abend habe ich ein Treffen mit Jugendlichen in Marx, während schon der erste von sechs Dekanen anreist. Morgen, zum Abend hin, beginnt unsere gemeinsame Sitzung. Ich möchte mit den Vertretern der verschiedenen Regionen des Bistums über ein Thema nachdenken, das uns das Jahr über in der Seelsorge begleiten könnte, und über die Ende April geplante Pastoralkonferenz, auf die wir uns alle schon freuen.

Das war ein sehr schöner Abend. Wir haben mit Jugendlichen zusammen versucht, in der Heiligen Schrift zu lesen und hinzuhören "auf die Stille". Eine dreiviertel Stunde verging wie im Fluge. Und wir werden uns wieder treffen und weiter lesen. Die anschließende Haussegnung und das späte Abendessen wirkten wie der Nach- oder Ausklang der Begegnung mit Gott, der in den Worten des Evangeliums näher ist, als die Hand dem Herzen sein kann, und der in jenen Worten aktueller ist, als die letzten Nachrichten. Weil die letzte Nacht kurz war und es weit später geworden ist als geplant, bleibe ich über Nacht in Marx. Gut, dass das immer unkompliziert möglich ist.