Sonntag, 21. Juli 2019

Pfarreinführung und Erstkommunion in Orenburg

Es war ein ausgesprochen gut vorbereitetes Fest. Die Erstkommunionkinder waren aktiv in die Liturgie einbezogen. Sie schienen gut damit zurecht zu kommen, ohne übergroße Aufregung oder Ablenkung. Ein kleines Gemeindefest im Hof schloss sich an. Als ich an jedem Tisch ein wenig gesessen hatte, war es 14.30 Uhr. Kurz darauf besuchte ich die Schwestern, die unweit der Kirche wohnen. Auch bei Ihnen gibt es personelle Veränderungen, wie vielerorts in diesem Sommer. Zur Abendmesse kamen weit mehr Gläubige als erwartet, jedoch über die Hälfte davon zum zweiten Mal heute. Ich kann mir vorstellen, was das bedeutet... Zum späten Abendessen kam auch der Nachbarpfarrer aus Orsk dazu. 280 km zählen hier, an der eurasischen Grenze, als Katzensprung.

Samstag, 20. Juli 2019

Eine Pfarrei auf europäischem und asiatischem Boden

Morgen feiert die Orenburger Gemeinde Erstkommunion von 6 Kindern. Heute nachmittag empfingen sie zum ersten Mal das Sakrament der Versöhnung. Pater Andrzej, der neue Pfarrer, war erstaunt, dass nach den Kindern auch deren Eltern zur Beichte kamen. Danach lud er mich zum Spaziergang ein, so seltsam es klingen mag, nach Asien. Die Stadt liegt am Fluss Ural. Der ist die Grenze zwischen den beiden Kontinenten Europa und Asien. Nach der Abendmesse setzen wir unser begonnenes Gespräch fort. Pater Andrzej möchte schnell ins Bistum Sankt Clemens hineinwachsen. Das spürt man. 

Landung im Osten

Herzlich und unkompliziert, wie ich es aus unseren Pfarreien gewohnt bin, ging es auch in der Nuntiatur zu. Kirche in der Diaspora hat viele schöne Seiten.
Nun bin ich in Orenburg gelandet, beinahe im Ostzipfel des Bistums. Heftiger Wind aus Richtung kasachischer Steppe war schon "oben" zu spüren. Dass er aber auch noch heiß dazu ist, bekamen wir beim Aussteigen aus dem Flugzeug zu spüren. Seit einem Monat wohnt Pater Andrzej hier. Morgen führe ich ihn offiziell als Pfarrer in die Gemeinde ein. Seine beiden Vorgänger wurden vom Orden versetzt (Redemptoristen, CSsR). Pater Andrzej hat schon 14 Jahre Sibirien auf dem Buckel. Das macht es ihm leichter. Er holte mich vom Flughafen ab. (Na gut, ich bin mit einem anderen Flugzeug gekommen. Aber diese AN-2 stand da so schön. In der DDR war sie als Dünger-Flugzeug bekannt. Hier fliegt sie manchmal bis heute Passagiere auf Kurzstrecken.)

Freitag, 19. Juli 2019

Lange nicht geflogen

Am Abend gehts nach Orenburg (Foto) zur Pfarreinführung. Pater Andrzej ist neu bei uns im Bistum. Auch darum übernehme ich das selbst. Die meisten anderen Priester, die derzeit oder in Kürze eine neue Pfarrei übernehmen, werde vom dortigen Dekan eingeführt. 
Vom frühen Morgen an diktierte mir heute mein Kalender, was zu tun ist. Dienstbesprechung. Projekte. Post. Erst jetzt, kurz nach 12.00 Uhr, als der Magen zu knurren begann, fiel mir auf, dass ich das Frühstück vergessen habe. Zeit, an Urlaub zu denken! 😉
Um nicht die ganze Nacht über zu fliegen (Orenburg und der Umsteigeflughafen in Moskau liegen zwei Flugstunden plus zwei weitere Stunden Zeitverschiebung voneinander entfernt), übernachte ich in Moskau. Unser Nuntius bot nicht nur ein Zimmer an, er schrieb auch: "Schicken Sie mir eine Nachricht, wann Sie an welchem U-Bahnhof sind, dann hole ich Sie dort mit dem Auto ab." Ist natürlich nicht nötig. Aber einen guten Nuntius haben wir. Das ist wahr. 

Donnerstag, 18. Juli 2019

Die Früchte reifen langsam heran

Heute abend gehen die Exerzitien im Marxer Kloster zu Ende. Mögen sie den Teilnehmerinnen geholfen haben auf ihrer Suche nach Sinn und Glück und Gott. Interessant, dass in der Liturgie gerade in den letzten drei Tagen von Mose die Rede war. Das hat sehr gut gepasst, um Manches zu verstehen, was in und um uns herum vorgeht. 
Am späten Abend fahre ich nach Saratow. Eine der Kursteilnehmerinnen muss nachts zum Bahnhof. (Marx hat ja keinen.)
Der Sommer setzt gerade wieder an zu übertreiben. Trocken und heiß ist es draussen. Solange das Wasser zum Gießen reicht, ist es ja gut, zum Beispiel für die Weintrauben am Haus der Stille.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Exerzitienbegleitung

Exerzitien begleiten, nimmt viel Zeit in Anspruch, auch wenn es nur drei Teilnehmerinnen sind. Trotz einiger Erfahrung in diesem Bereich, ist es bei mir bisher dabei geblieben. Glüklicherweise kommt momentan vergleichsweise wenig neue Post per E-Mail an. Aber selbst das, was noch zu erledigen ist, wird nicht alles bis zur nächsten Reise, am Freitag nach Orenburg, gemacht sein. 
Für einen kleinen Besuch bei der Caitas (Hauskrankenpflege in Marx und Umgebung) hat es am Nachmittag zwischendurch dann dennoch gereicht, ebenso wie für einen Spaziergang durch den Klostergarten, in dem zurzeit jeden Tag etwas Neues zu entdecken ist. 

Dienstag, 16. Juli 2019

Gottes Willen verstehen und tun

Seit ur-ewigen Zeiten, genauer, seit vermutlich 27 Jahren, organisieren wir im Sommer einen Exerzitienkurs für junge Frauen, die an eine geistliche Berufung denken oder, zumindest, besser verstehen und tun wollen, was wir den Willen Gottes nennen, (vgl.: "Dein Wille geschehe.") In diesem Jahr sind es nur drei, die der Einladung gefolgt sind. Nach einer Einführung durch die Schwestern in Marx, begleite ich sie nun während dreitägiger geistlicher Übungen in Stille: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Aufenthalt an der frischen Luft habe ich empfohlen, möglichst aber dort, wo keiner stört, im Klostergarten und am Haus der Stille. Dabei habe ich vergessen, dass auch jene Gefilde bewohnt sind und - besonders Tierfreunde - in Versuchung kommen, sich wie der heilige Franziskus mit diesen Geschöpfen Gottes zu unterhalten. 😇
Mein Büro habe ich mitgenommen, in Form des Smartphones. Viel habe ich da heute aber nicht geschafft. Die Zeit vergeht schnell, und das Wochenende in Belgorod wirkt noch ein wenig nach. "Entschleunigung" ist angesagt, auch für mich. 

Montag, 15. Juli 2019

Kurzer Rückblick

Weil in Richtung Westen nur die Pfarreien in Woronezh und Belgorod liegen, fahre ich diese Stecke selten. Ungewohnt schnell war ich heute vormittag wieder zurück, obwohl es noch über 500 km von Woronezh bis nach Saratow waren. Gute Straßen! Und das Auto ist auch nicht schlecht. Der Pfarrer, mit dem ich mich zu einer Besprechung für heute verabredet hatte, kam später als ich hier an. (Es geht immer noch um Versetzungen im Bistum. Aber so langsam ist Land in Sicht.)
Aus Belgorod kam eine Hand voll Fotos aus der kleinen Hauskapelle, die ich mir nun im Nachhinein ansah. Ein Bild fiel mir besonders auf: Während der Messe schaue ich natürlich nicht, wer wie betet. Wenn man dann auf dem Bild sieht, dass die Leute doch wohl mit dem Herzen dabei waren, ist das eine zusätzliche Freude. Als Kirche im Bistum sind wir eine Familie. Der Vater ist Gott. Vater unser im Himmel ... Wenn Leute ihren Glauben ernst nehmen, dann tragen sie einander, selbst wenn sie das gar nicht merken.

Nun zur Abendmesse in die Kathedrale! Eigentlich soll es heute noch nach Marx gehen. Mal seh'n!

Sonntag, 14. Juli 2019

Firmung im Westen von St. Clemens

Im Gegensatz zu Astrachan, waren zwei Frauen zur Firmung natürlich wenig, heute, in der westlichsten Pfarrei unseres Bistums. Wegweiser am Stadtrand zeigen, dass es nicht mehr weit bis nach Charkow (Ukraine) ist. 
Es war eng in der Hauskapelle, einem großen, umfunktionierten Wohnzimmer. Knapp 70 Gläubige waren gekommen.  Fast alles Frauen. Ein Teil der Studenten und Schüler fehlte wegen der Ferien. Viele Männer, sagt Pater Marek, sind hier pensionierte Militärs und hatten nie im Leben was mit Kirche am Hut. Diese Gemeinde hatte etwa 15 Jahre auf einen eigenen Pfarrer gewartet. Nun bekommen sie in einem Monat sogar noch einen zweiten dazu...
Nach einem ruhigen Mittagessen mit den beiden Kapuzinern und einer Besichtigung des Mopeds von Bruder Grzegorz, einschließlich "Test-drive", verabschiedete ich mich von den beiden und fuhr gemächlich die kurze Etappe bis Woronezh. Noch vor zwei Jahren wurde Belgorod von Woronezh aus betreut: 250 km. Schöne Fotomotive von unterwegs habe ich nur im Gedächtnis festgehalten, weil Anhalten nicht überall erlaubt war, z.B. das kastanienbraun glänzende Pferd vor der blau-goldenen Dorfkirche in warmer Abendsonne oder die alte Holzbank und daneben der von keinem mehr gebrauchte Münzfernsprecher am Straßenrand. Trotz Verbots habe ich aber dann doch angehalten an dem seltenen Werbeplakat mit dem Text: "Buße rettet Russland" (links unten).