Sonntag, 12. Juli 2020

Happy birthday! Feliz cumpleaños! С днем рождения! - Herzliche Glückwünsche zum nahenden Geburtstag!

Nicht zuletzt, weil er morgen selbst nicht da ist, hat ihm die Saratower Pfarrgemeinde schon heute zum Geburtstag gratuliert. Am Ende der Messe überreichten sie ihm einen Rosenstrauss und schenkten ihm eine Angel. Letztere kann man biblisch-symbolisch verstehen. Aber auch im direkten Sinne scheint sie zu passen. Pater Diogenes isst gern Fisch. Oksana von der Caritas erklärte es so: "Wenn bei uns Leute kommen und um einen Fisch bitten, geben wir ihnen eine Angel in die Hand." Seit 25 Jahren lebt der argentinische Priester an der Wolga. 
Im Gemeindesaal war dann zum "Tee" eingeladen. Eine spezielle Torte gehörte natürlich dazu. Dass sie ein Geschenk der Medizinstudenten war, konnte man im Blick auf die Verzierungen leicht erkennen: Tabletten, ein Thermometer aus Marzipan, ein rotes Kreuz usw. 
Für heute Abend lädt Pater Diogenes nach Marx ein, wo er, wie er sagt, mit einem Abendessen im Freien besonders jenen danken möchte, die ihm beinahe täglich zur Seite stehen. 

Freitag, 10. Juli 2020

Familie, Liebe, Treue

Seit 12 Jahren gibt es im russischen Kalender den "Tag der Familie, Liebe und Treue", und zwar am 8. Juli. Aus diesem Anlass hatte unsere Diözesancaritas zu einem Fotowettbewerb aufgerufen. Teilnahmeberechtigt waren die Familien, deren Kinder unsere Kinderzentren (in Astrachan, Vladikavkaz, Orsk, Orenburg, Marx und Wolgograd) besuchen. Vorgestern, eben am genannten Fest, wurden die Sieger bekannt gegeben. 

Donnerstag, 9. Juli 2020

Urlaub im Bistum Sankt Clemens

Einer unserer russischen katholischen Priester, Pater Wladimir in Vladikavkaz, bekam dieser Tage Besuch aus seiner ehemaligen Pfarrei in Kalmykien. Den Bildern zufolge verbrachten sie alle gemeinsam ein paar schöne Urlaubstage in den Bergen des Nordkaukasus. 
Wie bewegend der Besuch in Beslan gewesen sein muss, kann ich mir vorstellen, weil ich die Ruine der bei dem Terrorakt vor 16 Jahren zerstörten Schule kurz darauf, nämlich im Winter 2004/2005, selbst besucht hatte. Am 3. September 2004 starben dort mehr als 300 Schüler, Lehrer und Eltern. Die Turnhalle, in der die meisten Opfer unter dem einstürzenden Dach starben, ist heute eine Gedenkstätte (Foto). Die Schule befindet sich nur wenige Kilometer von unserem Pfarrhaus entfernt. Beslan ist ein Vorort von Vladikavkaz. 
Das gegenseitige Besuchen innerhalb des Bistums scheint in diesem Jahr eine gute Urlaubsmethode zu sein. Auch ich muss langsam überlegen, denn eine Grenzöffnung liegt allem Anschein nach noch nicht in der Luft.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Gelesen


Am Nachmittag floh ich vor der Hitze (39 Grad) in mein Wohnzimmer. Das hat eine Klimaanlage. Dort kam ich dann auch zum zu Ende Lesen eines ungewöhnlich fesselnden Buches, das seit ein paar Wochen mal auf dem Tisch, mal am Bett liegt. Es geht um den Glanz und den Untergang der Deutschen in Sankt Petersburg anhand der Geschichten einiger Familien. Wer schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat, spürt, wie nahe das alles ist. Bedrückend ernst, interessant geschrieben, unheimlich informativ. Ein Denkmal, das nicht gleichgültig lässt. Sicher hat es der Autor nicht auf die mitschwingende Mentalitätsstudie abgesehen. Er reißt vielmehr Menschen und Schicksale aus der eigentlich schon sicheren Vergessenheit heraus, besonders den Musiker Oskar Böhme, geboren 1870 in Potschappel bei Dresden. Ich kann und möchte das Buch sehr empfehlen, auch wenn der Autor die katholische Kirche unberechtigter Weise unter den Tisch kehrt und ihr sogar einen für das Buch unerwarteten und unpassenden Seitenhieb verleiht. Das Buch ist gut: "Der Trompeter von Sankt Petersburg". Dass ich es zu lesen bekam, verdanke ich dem Dirigenten des Riesaer Bläserensembles
Und wer sich die Zeit nehmen will, kann den Trompeter von Sankt Petersburg dann hier über seine Musik "persönlich" kennenlernen: Oskar Böhme, Konzert für Trompete und Orchester f-moll.  

Dienstag, 7. Juli 2020

Sonntagserinnerungen

Erst, als ich gestern Abend aus dem Büro ging, bemerkte ich, dass ich der Letzte war, und das schon seit Mittag. Mit anderen Worten: Die anderen beiden hatten außerhalb zu tun. So ist es auch heute. Weil Pater Diogenes, mein Generalvikar, im "Nebenberuf" Pfarrer ist, saß er heute Morgen gegen halb neun schon im Auto, irgendwo auf den 200 km zwischen Saratow und Kamyshin. "Guten Morgen! Schon +30°C. Bin unterwegs zu einer Beerdigung", schrieb er kurz.  
Bevor ich ins Büro ging, nahm ich ein kleines Video auf. Derzeit arbeitet man in unseren Pfarreien viel über das Internet, besonders mit den Kindern, die ja drei Monate Ferien haben. Die Schwestern in der Pfarrei Heiligkreuz in Tambow gehen beachtlich professionell mit den modernen Medien um. Am Ende einer vierteiligen Video-Katechese wird es dort um den Sonntag gehen, was er im Leben von uns Christen bedeutet. In dem Zusammenhang wurde ich gebeten zu erzählen, wie ich den Sonntag als Kind erlebte. Dabei fiel mir ein Bild vom Sonntagsspaziergang mit Eltern, Großeltern, Onkel, Tante und Cousins im Döbelner Bürgergarten in die Hände, vermutlich 1964... 

Montag, 6. Juli 2020

Sommer an der Wolga

Sieht gut aus, auf den ersten Blick, das Wetter in Saratow. Zumindest, wenn es Urlaubswetter wäre. Klimaanlagen im Büro sollte man in diesem Jahr besonders überlegt, bzw. gar nicht nutzen. Das macht es nicht einfach am Schreibtisch. 
Eine Reihe aktueller offener Fragen führte mich am Vormittag ins Büro der Diözesancaritas, das nur 3 Minuten Fußweg von meinem entfernt ist. Es ging nicht um das Coronavirus, aber doch hatte unser Gespräch in den meisten Fällen mit ihm zu tun: Die Folgen der vergangenen Monate, unsere nahe Zukunft ... 
Bischof Joseph in Novosibirsk hat sich mit einem ernsten Brief an seine Gläubigen im Bistum gewandt, besonders an die Priester, Ordensleute und kirchlichen Mitarbeiter. Kern der Zeilen scheint ein Aufruf, nicht leichtsinnig zu werden, solange die Gefahr von Covid-19 nicht in die Schranken gewiesen ist. 
Ich habe in den letzten Tagen auch mehrmals daran gedacht, mit einem Brief etwas für den Zusammenhalt im Bistum zu tun. Vorläufig wird der Gedanke daran aber immer wieder von der Beschäftigung mit Einzelschicksalen auf Platz 2 verdrängt. 

Sonntag, 5. Juli 2020

Immer noch kaum Reisen

Noch vor ein paar Jahren hätte ich die Nase verzogen, wenn ich gehört hätte, dass sich jemand in kirchlichen Kreisen einen Hund angeschafft hat. In kleinen Städten und in Dörfern Südrusslands gehört er dazu, wenn man ein Haus hat, auch im Falle dessen, dass das ein Kloster ist. Natürlich leben solche Hunde im Freien, am Haus und sind zum Wachen, Alarmieren und Schützen gedacht. So auch "Prinz" in Marx, der inzwischen vier Monate alt ist und täglich dazulernt. 
Weil ich gestern spät von Kamyshin gekommen war, blieb ich in Marx. Mit den Pastoralreisen ist es ja immer noch nicht so einfach. So bin ich sonntags weiterhin häufig frei in der Entscheidung, ob ich in Saratow oder Marx zur Kirche gehe. 
Covid-19 wird noch viele Monate wie ein Damoklesschwert über uns hängen. Sich deshalb zu Hause und im Internet einzuschließen, scheint mir nicht der richtige Weg zu sein. Ob wir der Situation gewachsen sind, wage ich nicht zu behaupten. Wir versuchen ernsthaft, uns an die Vorschriften zu halten, aber gleichzeitig nicht überängstlich zu sein. Das ist manchmal eine Gratwanderung, u.a. zwischen gezückten Spießruten. 

Samstag, 4. Juli 2020

Außenstation auf Russisch

Das waren heute insgesamt 840 km für eine Messe mit 7 Leutchen. Vermutlich war es für manch andere zu heiß. Kamyshin liegt spürbar südlicher. Dazu noch die Sorgen der sog. Risikogruppen … Morgen soll das Thermometer dort die 40-Grad-Marke überschreiten.

Hätte ich geahnt, wie viel wieder einmal auf der Strecke gebaut wird, wäre ich eher losgefahren. Es ist die Straße, auf der Urlauber aus Sibirien in den Süden (Kaukasus und Schwarzes Meer) fahren. Meiner Meinung nach spürt man deutlich, dass in diesem Jahr kein Urlaub im Ausland möglich ist. Volle Straßen, fremde Nummernschilder…

Dass es „Kamyshin“ noch gibt, ich meine unsere priesterlose Pfarrgemeinde der heiligen Theresia, verdanken wir einer jungen Frau, die im Pfarrhaus wohnt und sich mit missionarischem Herzen um die Menschen müht, Verwaltungsaufgaben übernommen hat, sich um ökumenische Kontakte sorgt, immer einen heißen Draht zum Pfarrer im 200 km entfernten Saratow hat u.v.m.

Ich versuchte, kurz zu predigen, wegen der Hitze. Thema Evangelium: Erst lockt Jesus mit „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen.“ Aber dann kommt der Hammer: „Nehmt mein Joch auf euch …“ – Natürlich gab es auch des Rätsels Lösung.


Freitag, 3. Juli 2020

Und übrigens

Das größte Geheimnis der Christen ist (und bleibt) die Freude. 

Manchmal rutscht einem diese Wahrheit weg. Mir jedenfalls. Besonders am Schreibtisch. Beim Erinnern half mir da heute wieder mal eine Kurzmitteilung, mehr Bild als Text, in der es erneut von einem meiner Täuflinge, die eigentlich noch gar nicht sprechen können, hieß: "Guten Morgen, Bischof!"

Die Mama dieses kleinen Mädchens hat gestern Ihr Diplom gemacht. Sie ist nun "Manager für öffentliches Catering" und träumt davon, einmal eine Armenküche zu eröffnen. Dass sie studieren konnte, verdankt sie einem Ehepaar, dem sie noch nie begegnet ist. Aber auch davon träumt sie.