Mittwoch, 28. Oktober 2020

Marienberg a.d. Wolga

Regen, Nebel, Kälte und das Coronavirus könnten ja einen Ausflug in Natur und Geschichte schon bald wieder einmal unmöglich machen. Dass der Winter vor der Tür steht, wird mir alljährlich am (heutigen) Fest der Apostel Simon und Judas Thaddäus bewusst, weil mir ungewollt die Worte von Oma Richter einfallen. Die hatte ich 1989 an eben diesem Tag als Kaplan in Kamenz mit der Krankenkommunion besucht. Danach gab's heißen Tee. Und sie lehrte mich den alten Bauernspruch: "Zu Simon und Jude, da schneit's uf de Bude."

Weil mich der Wunsch, eine 120-jährige katholische Kirchenruine in der Steppe zu finden, schon seit Wochen nicht loslässt, nutzte ich den Morgen und machte mich erstmals auf den Weg in das 136 km entfernte, nicht mehr existierende Dorf. "Nur die Kirche steht noch", hieß es. 

Der Rest in Bildern ...

Bei minus 5 Grad Lufttemperatur ist die Wolga derzeit noch wärmer.
Daher der Nebel am Morgen. Etwa 100 km ging es Wolga abwärts, am sog. "linken Ufer" entlang.


Nach zwei Stunden, schon fern von Asphalt und Zivilisation:
Der Friedhof des ehemaligen Dorfes, das Marienberg hieß.

Und dann ... die Kirche, bzw. das, was von ihr übriggeblieben ist.
Vom Steppengrans ringsherum sind die Rest der ehemaligen Häuser bedeckt.
3229 Menschen lebten hier in glücklichen Zeiten Marienbergs, fast alle katholisch.

Zurück Wolga aufwärts.
Natürlich habe ich nicht immer die dem Ufer am nächsten liegende Straße genommen. 

Dienstag, 27. Oktober 2020

Drei Minuten vor Dienstschluss


Ich schreibe nicht gern über Covid, aber es beschäftigt auch uns hier, sehr. 192 offiziell Neuinfizierte, heute im Gebiet Saratow. Im Radio wird diskutiert, warum die notwendigen Medikamente in den Apotheken nicht ausreichen. Eine junge Frau, Katechetin, mit Verdacht auf die Viruserkrankung, stand 7 Stunden in der Poliklinik an, von 8.00 bis 15.00 Uhr. "Wer nicht krank ist, wird's dort", war ihr Fazit. Von hier und da kommen Nachrichten über Erkrankte aus den Pfarrgemeinden. "Der Ring wird enger", sagte jetzt jemand, mit Mühe lächelnd. Es ist schon ein ernstes Thema, auch und besonders, wenn man versucht, ein wenig vorauszuschauen. In den kommenden Tagen wird ein Brief in die Pfarrgemeinden fällig, zur Erinnerung an Vorschriften und als Motivation zum Vertrauen. "Wer glaubt, ist nie allein." Reisen innerhalb des Bistums in den kommenden Wochen werde ich doch wohl (weiterhin) streichen müssen. 

Aus Moskau gibt es gute Nachrichten. Dem Erzbischof und seinen Mitarbeitern geht es schon langsam besser. Unser neuer Nuntius d'Aniello hat mich angerufen. Scheinbar wird Englisch die Sprache, in der wir miteinander kommunizieren werden. Heute vor 7 Jahren haben wir in Marx das "Haus der Stille - Getsemani" eingeweiht. Und heute Abend nach der Messe gehe ich endlich mal wieder zum Friseur. 😀

Montag, 26. Oktober 2020

Bald ist wieder "Woche der Barmherzigkeit"

Heute habe ich den ganzen Tag Briefe geschrieben und verlasse nun meinen Schreibtisch, müde, als ob ich die ganze Zeit lang gesprochen hätte. (In Deutschland ist es erst 13.30 Uhr. Die Umstellung auf Normalzeit schafft nun wieder 3 Stunden Unterschied zwischen uns.) Eins der heutigen Schriftstücke war die Einladung zur "Woche der Barmherzigkeit", die Tradition in unserem Bistum hat und seit drei Jahren an den von Papst Franziskus eingeführten "Tag der Armen", eine Woche vor Christkönig, geknüpft ist. Diese Woche soll Christen helfen, "Caritas" nicht zu delegieren, sondern zu sein. Wir werden in Saratow eine Online-Konferenz über die vor 15 Jahren erschienene, großartig einfache Enzyklika "Deus Caritas est" (Gott ist Liebe) anbieten, erneut bewusst 1 kg Lebensmittel oder Textilien für Arme zur Kirche mitbringen, warme Mittagessen verteilen, einen Gemeindebasar organisieren usw. Ein "Tag der offenen Tür" wird wegen des Coronavirus online stattfinden. Innerhalb der 8 Tage werden wir täglich in den Kirchen, bzw. Einrichtungen in einer je bestimmten Intention gemeinsam beten. Die sieben (leiblichen) Werke der Barmherzigkeit wollen wir in jener Woche vom 8.-15. November bewusst tun, insofern das möglich sein wird. Vielleicht wird es ein Wohltätigkeitskonzert (Orgel) geben. Und wer möchte, kann ein persönliches Tagebuch über seine eigene "Woche der Barmherzigkeit" führen, bevor er/sie sich mit anderen über gemachte Erfahrungen austauscht. 

Sonntag, 25. Oktober 2020

Taxifahrer in der "Nebenberufung"


Ende der Neunziger, als ich noch gleichzeitig Pfarrer in Marx und Bischof in Saratow war, schrieb ein hoher Gast nach seinem Besuch an der Wolga, dass der Bischof hier viele Aufgaben habe, die ihn von seinen Kollegen in Deutschland unterscheiden, u.a. dass er Taxifahrer sei. Gemeint war das nach Hause Bringen von älteren Leuten, die sonst nicht hätten zur Kirche kommen können. Dennoch verstand ich die Anspielung und nahm mir vor, noch mehr auf notwendige Prioritäten zu achten. 

Heute wiederholte sich die Situation, nur ohne Gast aus Deutschland. Nach der Sonntagsmesse regnete es unerwartet und heftig. Drei Frauen standen unter dem kleinen Dach vor der Kirche, als ich heraus kam. Ich bekam gerade mit, wieviel Zeit noch bis zur Abfahrt der Stadtbusse sei: bei der einen eine halbe Stunde, bei der anderen eine ganze ... Allein vom Weg zur Bushaltestelle, wären sie schon durch nass gewesen. Eine gehbehindert, die andere herzkrank, die dritte aus dem Nachbardorf. Wir setzten uns also in mein Auto und hielten jeweils vor den Haustüren. So wurde der Sonntag noch ein wenig fröhlicher. - Jetzt, am späten Nachmittag, treibt ein starker Westwind die Wolken vor sich her, bringt Sonne und trocknet die Wege ab. 

Samstag, 24. Oktober 2020

Der heilige Doktor von Moskau

Schwester Emilia war vor vier Tagen aus ihrem Kurzurlaub im Nordkaukasus zurückgekommen. Sie hatte unter anderem die Stadt Zheleznovodsk besucht, deren Gründung auf den aus Deutschland stammenden Arzt Friedrich Joseph Haas (+1853 in Moskau) zurückgeht. Ein Denkmal für den "heiligen Doktor Moskaus" erinnert dort in zwei Sprachen an den "Sohn des deutschen Volkes und treuen Diener Russlands". Es lohnt sich, über ihn zu lesen, z.B. im Ärzteblatt

Der Seligsprechungsprozess für Friedrich Joseph Haas wurde in Moskau auf Bistumsebene abgeschlossen. Die Dokumentation wurde nach Rom übergeben. Wir hoffen auf den Abschluss des Prozesses in naher Zukunft. 

Freitag, 23. Oktober 2020

Herbst - Covid - Nuntius


Ah, doch! Ich bin heute früh aus Marx nach Saratow gekommen. Wollte schon sagen: Ich sitze den ganzen Tag im Büro. Vom Eindruck her, stimmt es schon. 

Es hat heute zum ersten Mal bei uns geregnet. Damit scheint der sonnige Herbst zu Ende zu sein. Die Zahl der Corona-Neu-Infizierten innerhalb der letzten 24 Stunden ist extrem hoch im Gebiet Saratow (198), vermutlich wie fast überall. Aus Nalchik kam die Nachricht, dass der Pfarrer die Pfarrei vorsichtshalber für 10 Tage geschlossen hat, weil mindestens eine, vermutlich aber zwei der Ordensschwestern dort, an Covid-19 erkrankt sind. 

Übrigens traf gestern Abend unser neuer Nuntius, Erzbischof Giovanni d'Aniello (2.v.r.), den Papst Franziskus im Juni ernannt hatte, in Moskau ein. Noch am Flughafen grüßte er alle, mit denen er in kommender Zeit zu tun haben wird, mit einer kleinen, spontanen, herzlichen Ansprache.  (Foto: Erzbistum Moskau)




Donnerstag, 22. Oktober 2020

Einkehr, Besinnung, Stille

Einmal im Monat: 24 Stunden ohne Nachrichten u. dgl. - Eine mutige Wohltat, die man mit größter Wahrscheinlichkeit schadlos überlebt, ja, die möglicherweise sogar ein wenig heilt. 

 

Johannes Paul II.

Natürlich hat das Bild keinen hohen fotografischen Wert. Aber einen ideellen, geistigen! Im liturgischen Kalender finden wir heute den Namen des heiligen Johannes Pauls II. Ich durfte ihm begegnen, mehrmals: Im Juli 1990, kurz bevor ich für die Seelsorge in der Sowjetunion freigestellt wurde, als Pilger während einer Generalaudienz in Rom, dann erstmals als (von ihm ernannter) Bischof am 7. Oktober 1998 bei ihm zu Hause, mehrmals am Rande von Versammlungen und Events, unvergessen beim "Ad limina" Besuch 2001, wo dieses Foto nach dem Abschiedsmittagessen entstand, (eins der wenigen ohne fremdes Copyright.)

Am Tag seiner Amtseinführung, dem 22.10.1978 (daher das heutige Datum im Kalender), zählte ich bereits zu den Norbertinern im Vorseminar in Magdeburg. Der Unterricht wurde für ein paar Stunden unterbrochen, damit wir - 60 junge Leute - die Inthronisation auf dem Bildschirm eines kleinen Schwarz-Weiß-Fernsehers mitverfolgen konnten. "Westfernsehen"... 

Sein "Fürchtet euch nicht!" wurde zum geflügelten und "beflügelnden" Wort für viele. Ich erinnere mich, wie er es 1980 Tausenden Jugendlichen in München auf Deutsch zurief. Die Menschen in Russland waren ihm wichtig. Er prägte den Ausspruch vom Atmen der Kirche mit zwei Lungenflügeln, (gemeint waren ost- und westkirchliche Traditionen). Es heißt, er las jeden Tag eine Seite in der Bibel auf Russisch. 


Mittwoch, 21. Oktober 2020

Eine Million Kinder beteten den Rosenkranz

Am vergangene Sonntag war zu einer weltweiten Aktion aufgerufen, von der nicht unbedingt alle wussten. Klempner würden sagen: Manchmal aber ist auch einfach ein (verstopfter) Filter daran schuld, wenn nicht mehr alles durchkommt. 

Also, da ging es, nicht zum ersten Mal, um Folgendes: "Eine Million Kinder beten den Rosenkranz um Frieden in der Welt", sozusagen an der Hand der Muttergottes, durch deren Leben mit Jesus wir uns im Rosenkranzgebet "blättern". Aus Taganrog kamen anschließend ein paar Fotos, auf denen man das gut nachvollziehen kann. Bilder von der Geburt Jesu in Betlehem und von seiner Auferstehung waren da gerade "aufgeschlagen", um "anhand" von 10 Perlen darüber nachzudenken, sich darüber zu freuen, dafür zu danken, Motivation daraus zu schöpfen, Bitten daran zu hängen, ...