Dienstag, 17. Oktober 2017

Mitternacht in Moskau

Umsteigen nach Novosibirsk. Früh um 9.00 Uhr bin ich dort. Morgen (Mittwoch) beginnt eine Sitzung unserer Bischofskonferenz in der Hauptstadt Sibiriens.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Kein leichter Abschied

Während ich von Feiertag zu Feiertag springe, erlebt "Marx" eine große Veränderung. Heute wurden dort im Gottesdienst drei Ordensschwestern verabschiedet, (nachdem unlängst schon zwei an andere Einsatzorte übergewechselt waren). Das Gravierende am heutigen Tag: Unter den scheidenden Schwestern ist die dienstälteste Ordensschwester im Bistum. Niemand, kein Priester und kein Mitglied einer Ordensgemeinschaft ist hier schon so lange (und ununterbrochen) in der Seelsorge tätig gewesen, wie sie: 32 Jahre. Schwester Helena kam, als Seelsorge noch verboten war. Sie arbeitete als Näherin in einer Fabrik und nutzte die Abende, um Familien zu besuchen, über den Glauben zu erzählen und ganzen Generationen beten zu lernen. Als gelernte Krankenschwester verstand sie oft mehr und schneller, als so mancher Arzt. Aber auch anderer Nöte, besonders armer Menschen, nahm sie sich pausenlos an, mit Herz und Händen. Sie ist sozusagen die "Mutter" der Marxer Pfarrgemeinde, und sie ist Schwester. Wer sie kennt, weiß wovon ich rede. Auch ich persönlich habe viel von ihr gelernt. Als Pfarrer (seit 1991) und später als Bischof, konnte ich immer mit ihrem Rat und ihrer Unterstützung rechnen. Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit, für die ich viel zu danken habe. 
Schwester Helena verläßt das Bistum Sankt Clemens in Richtung Sibirien. Morgen geht ihr Zug nach Novosibirsk. 52 Stunden. Dort wird sie in einer kleinen Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft leben. 

25 Jahre Pfarrgemeinde in Rostow-am-Don

Vermutlich ist Rostow derzeit die zahlenmäßig größte Pfarrgemeinde im Bistum Sankt Clemens. Natürlich, zur heutigen Feier waren auch Gäste gekommen, besonders aus dem Dekanat. Eine große, gut gefüllte Kirche, Sonne, schöner Gesang, festlichster Blumenschmuck, ein anspruchsvolles Orgelkonzert nach der Messe und so manches mehr trug dazu bei, dass viele mit frohem Herzen nach Hause zurückkehrte. Für ein elfjähriges Mädchen war es zudem der Tag ihrer ersten heiligen Kommunion. Gestern nach der Abendmesse war sie mit ihren beiden Eltern zur Beichte gekommen. Die ganze Familie hatte sich auf den Tag vorbereitet. Ein schönes Zeugnis des Glaubens.
Durch ein Gespräch über die Anwesenheit und die Pläne der Salesianer in unserem Bistum, lernte ich deren Inspektor heute noch ein wenig besser kennen. Eine Freude war es, auch Schwester Augustina aus Taganrog unter den Gästen zu sehen. Das heutige Fest einer großen Heiligen ihres Ordens wird vom Sonntag verdeckt, (Teresa von Avila). 
Für mich heißt es jetzt wieder einmal Tasche packen. Über Moskau geht es für eine Nacht nach Saratow.

Samstag, 14. Oktober 2017

Sprech-Tag

Mein erster Tag in Rostow-am-Don ist persönlichen Gesprächen mit den Priestern gewidmet, nicht nur dem Ortspfarrer und den Salesianern. Auch andere im Dekanat nutzten die Gelegenheit. Einer brauchte am Morgen 5 Stunden im Auto, um bis nach Rostow zu kommen. Dennoch weit günstiger, als bis zu mir nach Saratow zu fahren! Ein anderer: Pater Raul aus Taganrog (links im Bild), der nur 60 km zu fahren hatte.
Schwerpunkt unserer Gespräche sind häufig "Projekte", das heißt, Ideen für die Bewältigung pastoraler Herausforderungen, die der materiellen Unterstützung bedürfen.
Ein nicht mehr im Dekanat tätiger Ordensmann, der nun Seelsorger in einer von sieben mit einem Priester besetzten Pfarreien auf der Krim ist, bereitet die Rostower Pfarrgemeinde auf die morgige 25-Jahr-Feier ihrer Wiedergründung vor. Er ist mit dem Auto gekommen. Außerdem ist der Kustos der Franziskaner (Conventualen) aus Moskau zur Feier angereist. Er stammt aus der Pfarrgemeinde.
Am Abend kamen weitere Festgäste hinzu: der (sogenannte) Inspektor unserer Salesianer, also der höhere Ordensobere für die in Russland tätigen Priester seiner Gemeinschaft, und ein weiterer Priester. Ein anderer legte 300 km zurück, weil er etwas Wichtiges besprechen wollte.
Schließlich, schon im mir zur Verfügung gestellten Zimmer, bemerkte ich, dass Gottes Sprechzeiten für heute noch nicht beendet sind. Es ist ein Unterschied zwischen dem, was ich tagsüber "im Gehen" mit ihm spreche, und dem, was ich in Ruhe mit ihm bespreche. Ich hab da noch Einiges für heute... 

Freitag, 13. Oktober 2017

Weiter geht's

Dass ich in Südrussland lebe, hat höchstens ganz indirekt mit meiner Mutter zu tun, dass ich katholisch bin, doch wohl sehr. Gestern haben wir im kleinen Verwandtenkreis ihren Geburtstag gefeiert. Unter anderem waren auch ihre beiden (jüngeren) Brüder aus Erfurt und Döbeln nach Heiligenstadt gekommen. (Foto)

Mein nächstes Ziel, noch vor der Heimkehr nach Saratow, ist Rostow-am-Don. Das Wochenende verbringe ich mit der Pfarrgemeinde. Zwei Priester aus dem Süden des Bistums Sankt Clemens wollen die Gelegenheit nutzen und morgen zu einem Gespräch mit mir dort hin kommen.

Heute ist übrigens der 100-ste Jahrestag der letzten Marienerscheinung in Fatima, der Tag des sogenannten Sonnenwunders, welches 70.000 Menschen bezeugen konnten. 

Dienstag, 10. Oktober 2017

Beinahe von unterwegs

Ich hoffe, die Züge in Deutschland fahren heute wieder planmäßig. Diesmal war es das Günstigste, Flug- und Fahrkarten über Moskau, Frankfurt, Göttingen nach Heiligenstadt zu kaufen. Ich werde von früh bis abend unterwegs sein. Darum greife ich noch einmal bildhaft auf den vergangenen Sonntag zurück: Nach dem Festgottesdienst zur 170-Jahrfeier der Orenburger Pfarrkirche, führten die Schützlinge des dortigen Kinderzentrums ein Stück auf. (Diesen kurzen Eintrag habe ich schon Montagabend geschrieben. Durch einen kleinen Trick erscheint er aber erst Dienstag gegen Mittag, wenn ich gar keinen Internetzugang habe, weil ich da gerade "im Himmel" irgendwo über Russland oder Weißrussland sein werde.)

Montag, 9. Oktober 2017

Schneller Montag

Ab Orenburg: 5.55 Uhr, an Moskau: 6.00 Uhr. Zwei Stunden Zeitverschiebung machten das möglich. Dennoch kam ich erst 12.30 Uhr in Saratow an, womit der halbe Montag so gut wie gelaufen war. Dies ist kein Grund zum Klagen. Ich staune vielmehr, wie die Bischöfe früher hier in Russland zurecht gekommen sind, als es keine Flugzeuge gab. 

Weil es morgen früh wieder weiter geht, habe ich heute nicht mit (oder gegen) Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Sogar nach Marx möchte ich es für ein paar Stunden schaffen, um meine wöchentlichen Verpflichtungen nicht zu vernachlässigen. 

Wohin es morgen geht? Meine Mutter in Heiligenstadt wird am Donnerstag 88 ... Dafür habe ich heute Vormittag ein Treffen mit dem Gouverneur in Orenburg sausen lassen. Der Nuntius wird's mir hoffentlich nicht übel nehmen. (-:

Sonntag, 8. Oktober 2017

Brüderliche Ökumene

Am späten Nachmittag waren unser Nuntius und ich zu Gast beim hiesigen orthodoxen Erzbischof. Der katholische Ortspfarrer begleitete uns.  Metropolit Benjamin  von Orenburg und Saraktasch (64) empfing uns sehr brüderlich und unkompliziert. Innerhalb zweier Stunden lernten wir uns kennen und verstehen. Für mich persönlich war es interessant, über einige pastorale Praktiken zu hören, die Metropolit Benjamin für unumgänglich in der gegenwärtigen Zeit hält, z.B. die Vorbereitung auf Taufe und Trauung durch Gespräche mit dem Priester. (Häufig wurden Sakramente bisher ohne Vorbereitung gespendet.) 
Unser Gespräch fand an einem reich gedeckten Tisch statt, der, als wir zugriffen, immer nur noch voller statt leerer wurde. Wegen seiner Erweiterungen, erkannte ich das Haus anfangs nicht wieder. Hier hatte ich mich 1998 mit dem damaligen Bischof Leontij getroffen, einem heiligmäßigen Mann.

Sonntag in der zweitältesten Kirche des Bistums


170 Jahre seit dem Tag der Kirchweihe, 20 Jahre seit der Wiedereröffnung - ein historischer Tag für die Orenburger Pfarrgemeinde, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Nuntius mit uns feiert. Es ist zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt, dass ein Apostolischer Nuntius Orenburg besucht. Seine Predigt zeigte, dass er sich im Voraus intensiv mit der Geschichte der Pfarrei beschäftigt hatte. Den geistlichen Akzent seiner Verkündigung legte er, ausgehend von einem Ereignis im Leben des heiligen Franziskus, auf den Ruf Jesu: Bau' meine Kirche wieder auf.