Dienstag, 21. Mai 2019

Übermorgen sind alle wieder zu Hause

Als auch der lerzte Arbeitstag beendet war und wir den gemeinsamen Abschlussgottesdienst der 21. Pastoralkonferenz unseres Bistums in der Marxer Pfarrkirche gefeiert hatten, stand nur noch der Abend auf dem Programm. Jedes Dekanat hatte einen Theaterauftritt von 10-15 Minuten vorzubereiten. Unausgesprochen, aber klar war, dass es lustig sein sollte. Und das war es ohne Zweifel. "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, ..." hätte man das Programm überschreiben können. Es zeugte davon, dass unser Bistum eine Familie ist, in der man es ungezwungen versteht, den anderen eine Freude zu machen, ohne Angst, sich dabei zu blamieren. 
Ein Blick auf die Fotos der vergangenen Tage, läßt etwas von der Atmosphäre erahnen, die - Gott sei Dank - typisch für solche Treffen in unserem Bistum bleibt: Arbeit und Weiterbildung, Gebet und Stille, Erholung und Austausch, Gemeinschaft und Freude. Dass jeweils ein Sonntag mitten in die Konferenztage fällt, ist nicht zufällig. Eine österliche Eucharistiefeier und ein Ausflug am Nachmittag hoben den Tag in besonderer Weise heraus. 
Morgen früh werde ich mit einer ersten Gruppe um 6.00 Uhr eine heilige Messe feiern, bevor sie nach Hause aufbrechen. Die anderen kommen dann um 8.00 zur Messe mit dem Generalvikar. Dann fahren auch sie. 

Montag, 20. Mai 2019

Schweres Thema

Heute begann der zweite thematische Block unserer diesjährigen Pastoralkonferenz: Sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen. Ein schweres Thema, nicht nur, weil ein tiefer Schatten dessen, was in den letzten Jahren innerhalb der Kirche zum Vorschein kommt, darüber liegt. Sinn der heutigen Vorträge eines eigens angereisten Teams war es, aufmerksam und, mehr noch, empfindsam für die Thematik zu machen. Innerhalb des Jahres wird dieser Kurs auch in den anderen drei russischen Diözesen angeboten werden. 

Samstag, 18. Mai 2019

Konzert

Vom Ablauf her, unterschied sich der zweite Arbeitstag unserer Pastoralkonferenz kaum vom ersten. Thema war weiterhin die Gemeinde. Pater Diogenes lieferte einen geschichtlichen Abriß dessen, was man seit den ersten Jahrhunderten unter Kirche und Gemeinde verstand, bevor dann das Zweite Vatikanische Konzil formulierte, was wir bis heute damit meinen. Wichtiger noch waren die wiederum anschließenden Treffen der neun Arbeitsgruppen. Erst gegen Abend unterschied sich der Ablaufplan vom gestrigen: Zwischen Eucharistiefeier und Abendessen lauschten wir einem Orgelkonzert in der Marxer Pfarrkirche, zu dem auch eine ganze Reihe nichtkatholische Einwohner aus der Stadt kamen. Nach dem Abendessen führte ich in den morgigen Ausflug ein, der uns hautnah mit der Geschichte der Wolgadeutschen in Kontakt führen wird. 
Wenn man die Teilnehmer der Konferenz fragen würde, was heute wohl das Eindrücklichste war, würden möglicherweise viele antworten: die Information über die Versetzungen in den kommenden Wochen und Monaten. Es sind ungewöhnlich viele. Und häufig hing die eine von einer anderen ab. Darum hatten ich und der Generalvikar in der letzten Zeit, und in den vergangenen drei Tagen besonders intensiv, mit vielen zu sprechen, bevor ich das Ergebnis im Ganzen öffentlich mitteilen konnte. Bei all dem geht es um den Bereich der Seelsorge im Bistum, für den ich als Bischof verantwortlich bin. Elista, Nalchik, Orenburg, Orsk, Samara, Saratow, Taganrog, Togliatti und Vladikavkaz sind die Orte, die es betrifft. 

Freitag, 17. Mai 2019

Was ist eigentlich eine Gemeinde?

In einer leicht zugänglichen Sprache führte uns der Moskauer Generalvikar Kyrill Gorbunov heute ins Thema "Gemeinde" (Pfarrgemeinde) ein. Systematisch und trotzdem locker, geistlich-praktisch, aktuell, konkret, ... Kurz: Mir hat der Vortrag sehr gefallen. Und ich bin Erzbischof Pezzi dankbar, dass er eben diesen Priester ausgewählt hatte, um uns vom Thema des laufenden Pastoraljahres in der Erzdiözese Moskau zu berichten. Wie dann konkrete Fragestellungen in den neun Arbeitsgruppen ankamen, weiß ich leider nicht, weil ich - wie immer während der Pastoralkonferenzen - die Zeit für Einzelgespräche brauche, die bei 100 Teilnehmern nie "Mangelware" sind. 
Seinen Rückflug hatte unser Moskauer Gast für 22.50 Uhr gebucht. Weil ich ihn zum Flughafen brachte und somit sowieso in der Stadt war, konnte ich noch ein wenig Obst und Schokolade für unseren Ausflug am Sonntagnachmittag einkaufen. Außer solcher Kleinigkeiten zwischendurch, ist alles gut vorbereitet und läuft wie am Schnürchen. Was nur auffällt ist, dass das Bistumstreffen nicht mehr so emotional-fröhlich ist, wie z.B. vor 10 Jahren oder mehr. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden steigt. Sie scheinen bewußter mit ihrem Energiehaushalt umzugehen, mit 40, 50 ... Freude ist dennoch eine ständige Begleiterin der Tage, wie schon vor 21 Jahren und alle Jahre wieder. 

Donnerstag, 16. Mai 2019

Start in die Konferenztage an der Wolga


Zum Eröffnungsgottesdienst der Pastoralkonferenz in Marx hatten es nicht alle geschafft. Nicht wenige mußten heute mehr als 1.000 km fahren. Trotzdem wollten wir gern ein Erinnerungsfoto machen, denn Bischof Heinrich Timmerevers aus Dresden hatte am Ende der Messe ein von Herzen kommendes Grusswort an alle gerichtert, indem er die Begegnung vor einem Jahr in Dresden aufgriff. Schon morgen fliegt er nach Moskau, und bald wird er wieder in seinem Bistum sein. Es war also die erste und letzte Gelegenheit, ein Foto mit ihm aufzunehmen. Schon vorgestern Abend hatte er in der Marxer Christkönigskirche mit der Pfarrgemeinde eine heilige Messe gefeiert. Man hörte die Steine von den Herzen fallen, als er den Leuten im Anschluss versicherte: "Ich bin nicht gekommen, um Pater Bosco nach Hause zu holen". 
Heute also begann die 21. Pastoralkonferenz unseres Bistums. Die Wiedersehensfreude war unübersehbar. Unüberhörbar! Nur einmal im Jahr haben wir die Möglichkeit, uns alle gemeinsam zu treffen: etwa 100 Priester und Ordensleute, die mit dem Dienst im Bistum Sankt Clemens versuchen, auf ihre Berufung zu antworten. Am Abend bezogen dann alle ihr Quartier: Nicht zum ersten Mal werden wir nun knapp eine Woche lang in einem Kinderferienlager wohnen, in Vier-Bett-Zimmern ohne Stühle, ohne Tische, ohne Steckdosen, ... mit Mücken, (worauf alle gut vorbereitet sein dürften).

Mittwoch, 15. Mai 2019

Regenbogen

Morgen abend beginnt unsere 21. Pastoralkonferenz. Die ersten Teilnehmer sind schon unterwegs. Knapp 100 Priester und Ordensleute der Diözese Sankt Clemens in Saratow versammeln sich in Marx, um über wichtige Themen der uns anvertrauten Seelsorge zu beraten. Der Regenbogen wird seit biblischen Zeiten als wohlwollendes Zeichen des Himmels gedeutet. Darum hat "er" uns heute eine besondere Freude bereitet.

Elbe-Wolga-"Kanal"

Seit vorgestern abend besucht Bischof Heinrich aus Dresden das Bistum Sankt Clemens. Ein Ausflug in die Geschichte der Wolgadeutschen gehörte bisher ebenso dazu wie eine Begegnung mit fünf Handwerkern aus seinem Bistum, die einen ehrenamtlichen Einsatz in der Marxer Pfarrei leisteten. Wichtigster Grund der Reise des Dresdner Bischofs ist ein Besuch bei zwei Priestern seiner Diözese, nämlich bei Pfarrer Bosco Marschner in Marx und bei Pfarrer Lothar Vierhock in Moskau. Ausgemacht hatten wir sein Kommen vor etwa einem Jahr, während der Pastoralkonferenz des Bistums Sankt Clemens, die damals in Naundorf (Sächsische Schweiz) und Dresden stattfand. Auch für mich persönlich ist es sehr angenehm, mit einem Mitbruder über dies und jenes sprechen zu können, der - trotz aller Unterschiede zwischen der Seelsorge an Elbe und Wolga - das gleiche (Bischofs-)Kreuz zu tragen hat. Er bleibt noch bis Freitag Mittag hier bei uns. Das bedeutet, Bischof Heinrich wird an der Eröffnung unserer diesjährigen Pastoralkonferenz teilnehmen können und viele bekannte Gesichter wieder sehen.

Montag, 13. Mai 2019

Wie schafft der das?

Post ist nichts Ungewöhnliches in unserem Büro, ein Brief heute aber schon... Vorn stand die vollständige Adresse meines Generalvikars, Pater Diogenes, drauf. Ich erkannte die Handschrift sofort. Und als ich den Brief wendete und nach dem Absender schaute, fand ich die Bestätigung: "F." 

Nun nochmal für alle, die nicht so schnell mitgekommen sind. In Spanisch, von unten nach oben gelesen, lautete der Absender: 00120 Vatikanstadt, Haus Santa Martha, F. (für. Franziskus). 
Ich habe nicht nach dem Inhalt gefragt. "Einen Gruß von ihm", richtete mir Pater Diogenes aus. Der Papst hatte ihm auf einen persönlichen Brief vom Februar geantwortet und bat um Verzeihung, dass er nicht früher dazu gekommen war. Mit Freude und Bewunderung schaue ich auf die Buchstaben, die aus einer Feder kommen, ... die aus einer Hand kommt, ... die aus einem Herzen kommt, ... 

Sonntag, 12. Mai 2019

Der vierte von 8 Ostersonntagen*

Sonntag - das heißt in erster Linie: Eucharistie und Gemeinde. Heute kam das Gebet um "gute Hirten" dazu, bzw. um geistliche Berufungen allgemein. Nicht nur die Gesichter unserer 5 deutschen Gäste fand ich während der Sonntagsmesse in Marx. Da war noch ein Ehepaar, das bei jemandem zu Besuch sein mußte. Richtig getippt! Draußen vor der Kirche machten wir uns bekannt: Die Eltern eines jungen Ehepaares waren "aus der Nähe von Surgut" gekommen. "350 km nördlicher", beschrieben sie ihren Wohnort im Norden Sibiriens. Äpfel würden dort nicht wachsen, dafür sei es zu kalt. Stattdessen gibt es aber zum Beispiel Nordlichter, auf die wir nur neidisch sein können. 
Der Erkundungsausflug am Nachmittag gestaltete sich zu einer kleinen Expedition. Die Wege waren befahrbar (Foto), womit der nächste Sonntagnachmittag, dann mit 10 oder mehr Autos, in trockenen Tüchern ist, vorausgesetzt, das Wetter bleibt gut. 
Zweimal war ich heute Betrunkenen begegnet, die auf aggressive Weise Geld für weitere Getränke forderten. Ich kenne dieses Leid vieler Menschen hier. Warum es mich heute so betroffen und müde gemacht hat, mit den beiden zu sprechen, weiß ich selber nicht. Vielleicht, weil bei beiden der 9. Mai anklang, der Tag des Sieges, seitdem sie trinken? Oder einfach, weil viele unkontrollierte Emotionen im Spiel waren. Außer kein Geld zu geben, konnte ich nichts helfen. 
(* einschließlich Pfingsten)