Dienstag, 6. Dezember 2016

Der Arme, Glückliche!

Im östlichsten unserer Dekanate ist es seit Jahren Brauch, dass sich die Seelsorger und Ordensleute am Nikolaustag im Dorf Alexejewka versammeln. Um diese Jahreszeit kann es sehr ungemütlich auf den Straßen sein, und das - allein in jenem Dekanat - Hunderte Kilometer weit! Aber sie scheinen sich sehr gern zu treffen. Das spürte ich, als mein Generalvikar, der lange Zeit zu jenem Dekanat gehörte und die 700 km von Kazan nach Alexejewka bei jedem Wetter kennengelernt hat, den Wunsch äußerte, dort hin fahren zu wollen. Über das, was sie dort mit ihm (besser: aus ihm) gemacht haben, informierte er mich nur "bildhaft". Es scheint, als ob er heute die Nikolausrolle übernehmen mußte, nicht nur beim Treffen jener Geistlichen, sondern - ich vermute mal - auch in der Abendmesse. Ich habe das selbst einmal miterlebt: eine mit ca. 70-80 Kindern gefüllte Dorfkirche, und am Ende kommt Sankt Nikolaus draußen im Dunkeln mit einem Pferdeschlitten und einem großen Sack voller Geschenke an. Allen wollen ihn zuerst sehen. Ich habe gerade nach dem Wetter dort geschaut: starke Schneeschauer, minus elf, Windböen. Traditionsgemäß tritt Nikolaus dann in die Kirche. - Alle hinterher... Dann Fragen, Lieder, Geschenke. Und schließlich darf er (diesmal der Generalvikar) das "Bischofs-Kreuz" wieder abgeben. 

Montag, 5. Dezember 2016

Marxer Markenzeichen


Unter den Geschenken, die ich heute im Operntheater auf meinem reservierten Platz vorfand, war auch ein Kalender mit "12 Markenzeichen des Gebiets Saratow", pro Monat eins. Auf dessen Deckblatt ist eine Landkarte in kinderfreundlichem Stil gezeichnet. Ein kleines Detail fiel mir unweigerlich auf: Die Stadt Marx, leicht zu finden; besteht da aus nur vier Gebäuden, das herausragendste davon ist unsere Kirche. 

80 Jahre Oblast Saratow

Ein "Oblast" ist - wörtlich übersetzt - ein Gebiet. In einigen Ländern (z.B. Russland, Kasachstan, Bulgarien, Ukraine, ...) werden damit politische Verwaltungsbezirke umschrieben, die einen eigenen Gouverneur o.ä. haben. Im Oblast Saratow kulminierten heute die Feiern zum 80-jährigen Bestehen in einem Festakt im Saratower Operntheater. Ich saß unter den Geladenen in der ersten Reihe. Der Gouverneur hielt eine 40-minütige stolze Rede über Bedeutung und Errungenschaften des Gebiets. Ein schönes Zitat daraus: "Das Gold der Region - sind die Menschen". Anschließend überreichte er diverse Auszeichnungen, von der Saratower Ehrenbürgerschaft bis zu Medaillen. Dann gab's Folklore, dargeboten von Gruppen aus den Rayons (Kreisen) im Oblast. 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Leben im Haus der Stille

Einer der vielen Gründe zur Freude im zu Ende gehenden Jahr, waren Nachfrage und Auslastung unseres "Hauses der Stille" in Marx. Besonders Ordensleute verbrachten hier Tage zur geistlichen Orientierung und Erneuerung, bzw. einfach: Erholung. Aber auch Laien und - seltener - Priester finden sich in den Gästelisten. Wie wichtig das Kontemplative im Leben gläubiger Christen ist, spüren wir heute mehr und mehr. Und wohin selbst der eifrigste Aktivismus führt, wenn er nicht vom Gebet getragen ist, kann sich jeder an naheliegenden Beispielen vorstellen. 
Derzeit sind zwei der drei kleinen "Klausen" im Haus belegt. Am Morgen und am Abend schaue ich nach den beiden, die sich für ihre jährlichen geistlichen Übungen dorthin zurückgezogen haben. Der Advent erweist sich als sehr passende Zeit dafür.

Samstag, 3. Dezember 2016

Bistumskalender in Arbeit

Beim Bild nebenan geht's vorläufig nur ums Aussehen in etwa. Unser diesjähriger Bistumskalender (ca. 15 x 46 cm) hat pro Monat nur ein Foto, nämlich jeweils das einer unserer Kirchen, mit der Besonderheit, dass die Bilder aus der Vogelperspektive gemacht sind. Wir haben im ganzen Bistum (1.400.000 qkm) nur 26 Kirchen und Kapellen. Eine Hand voll davon sind älter als 100 Jahre, die anderen - jünger als 24.
Wenn jemand am Kalender interessiert ist, kann er sich vermutlich am besten bei Herrn Steffan in Osnabrück melden. Ich schicke ihm Ende des Jahres einen Teil der kleinen Auflage. (Selbstkostenpreis, für die, die es interessiert: 3,20 €.)

Freitag, 2. Dezember 2016

Freitag - zum Abend hin

Freitag - Feierabend - Wochenende ... Das sind zwar Begriffe, die auch zu meinem Wortschatz gehören, aber sie klingen anders als beim Normalverbraucher. Beim Verlassen des Büros in Saratow fühlte ich mich heute fast wie vor 18 Jahren, als ich "Bischof in Saratow und Pfarrer in Marx" zugleich war: Ich setzte mich gern ins Auto, war aber auch etwas müde. 16.30 Uhr, als ich die drei Kilometer lange Wolgabrücke zwischen Saratow und Engels überquerte, war es schon stockfinster. (Aber übermorgen werden im Gebiet Saratow die Uhren eine Stunde vor gestellt, dann ist es um diese "Zeit" noch hell.) Schneetreiben hatte eingesetzt. Ein Unfall auf der Brücke, mitten im Berufsverkehr. Stau. Eine Choral-CD im Auto... Dennoch kam ich fast pünktlich in Marx an, wo ich noch bis 7. Dezember Exerzitien begleite. Gern brachte ich am Abend noch eine Großmutter nach Hause in ihr Dorf (30 km vor der Stadt). Sie war wegen eines Arztbesuches in der Stadt und wollte noch soo gern zur Messe bleiben, weil sie schon lange nicht die Möglichkeit dazu gehabt hatte, ... Ich habe mich gefreut, sie zu sehen. Wir hatten uns damals kennengelernt, vor 18 Jahren (s.o.), als ihr Mann schwer krank war.

"Traurig" ist nicht das richtige Wort

Im Herbst - Propst Scheiermann konnte sogar das genaue Datum nennen - erinnerte sich die evangelisch-lutherische Gemeinde in Saratow an das 10-jährige "Jubiläum" des Baubeginns ihrer neuen Marienkirche. (Die ehemalige war in der UdSSR gesprengt worden). Ein Ende der Bauarbeiten scheint immer noch nicht in Sicht. Es tat mir leid, das heute zu sehen, und ich bewunderte die Geduld und Gelassenheit des Propstes und seines Mitbruders, der die Gemeinde im Frühjahr 2017 übernehmen wird. Immer wieder gibt es Engpässe bei der Finanzierung. Wie gut haben wir es da doch vergleichsweise in der katholischen Kirche! Wie viele offene Ohren gibt es immer wieder! Von Herzen wünsche ich der Saratower Mariengemeinde, dass sich doch Sponsoren aller Art finden, damit die Kirche endlich fertig wird. Langes Bauen macht das Objekt doch nicht billiger! 
Grund unseres heutigen Besuches war mein Wunsch, Pater Diogenes, der sich gut in seine neuen Aufgaben als Generalvikar einarbeitet, mit der evangelischen Kirche in der Stadt bekannt zu machen. Wir wurden brüderlich-gastfreundlich empfangen und bewirtet. 

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Erster Donnerstag im Kloster

Im Gedenken an den Gründonnerstag und im Danken dafür, gibt es trotz aller anderen Aufgaben im Marxer Kloster den lebendigen Brauch, an jedem ersten Donnerstag im Monat 24 Stunden Eucharistische Anbetung zu halten. Die Schwestern tragen sich jeweils für eine Stunde in eine Liste ein, die auch nachts nicht abreißt. Besonders, wenn wenige im Haus sind, so wie heute, bedeutet das, dass jede Schwester mehrmals eine Stunde still in der Kapelle betet. Interessant ist, wie sich auch Jugendliche und Heranwachsende für diese Form von Gebet interessieren, sicher nicht zuletzt aus Freundschaft mit den Schwestern. So sind mir heute Abend mindestens sechs von ihnen über den Weg gelaufen, die eine Stunde in der Nacht übernehmen, nicht allein, und die dann bis zum Morgen, wenn es wieder in die Schule geht, im Kloster schlafen.
Vermutlich werden nicht alle mit solchen Gedanken zum Beten gehen, wie: Priesterdonnerstag oder Quatember. Das sind heute oft auch innerhalb der Kirche Fremdworte geworden, während man den Grund für den Mangel an jüngeren Priestern ausschließlich in demographischen und ähnlichen Gründen weiß. - Vielmehr werden unsere Jugendlichen in ganz persönlichen Anliegen beten, was beim Herrn ganz sicher nicht auf taube Ohren treffen wird.

Mittwoch, 30. November 2016

Zweischichtsystem

Weil ich nebenbei in einen Exerzitienkurs eingewilligt habe, - die Betonung liegt auf "nebenbei", beginnen meine Tage derzeit recht früh und enden später als sonst. Dadurch kommen die Blogeinträge vermutlich auch in den kommenden Tagen etwas zu kurz. Das Gute an der Sache ist, dass einem geistliche Exerzitien, die man begleitet, auch selbst helfen.




An die Wolga in Saratow habe ich's trotzdem geschafft, (aber eigentlich nur, weil ich mein Auto um 16.30 Uhr dort parken mußte).

Montag, 28. November 2016

"Barmherzigkeit - das geht alle an" (Marxer Zeitung über unseren Kongress)


Übersetzung folgt, (vielleicht).
Aber eine andere Sache, heute noch: Als ich gestern Abend aus dem Flugzeug stieg, sagte mir der Steward, der sich unten an der Treppe von den Fluggästen verabschiedete: "Ach, Pater, übrigens, ich habe heute einen Brief von Ihnen  bekommen."  Ich reagierte zweifelnd. Dann zog er ihn aus der Jackentasche: Ich hatte zum Anfang unseres bistumsweiten "Jahres des Gebets" einen kleinen Impuls geschrieben und in den Pfarreien gebeten, ihn weiterzureichen. Scheinbar war der Steward früh zur Messe gewesen und hat ihn dort mitgenommen.