Sonntag, 24. März 2019

Kurzgedanken am Fastensonntag

Weil der Pfarrer von Marx (rechts im Bild) zurzeit auf dem Jakobsweg pilgert, durfte ich ihn heute vertreten. Es waren wieder ein paar Leute mehr in der Kirche, hörte ich von verschiedenen Seiten. Obwohl draußen noch sehr winterlich, scheint die Zeit der langwierigen und schweren Erkältungen vorbei. Auch die Fastenzeit mit ihrer ernsthaften Vorbereitung auf Ostern und dem Wunsch nach geistlichem Wachstum spielt eine Rolle dabei. Ausgehend von der Tatsache, dass es häufig nicht so einfach ist mit dem Zuhören im Gottesdienst, empfahl ich, sich jetzt in der Fastenzeit bewußt im Stillsein zu üben. Nur so wird Gebet zu dem, was es sein kann: Begegnung mit Gott.
Morgen ist ein Hochfest in der katholischen Kirche, 9 Monate vor Weihnachten: Verkündigung des Herrn. Inhalt und Grund des Festes finden sich im Gebet des "Engel des Herrn" wieder, bzw. im ersten Kapitel des Lukasevangeliums (1,26-38). Man kann es "die Wende" nennen, nicht in der jüngeren deutsch-deutschen, sondern in der Menschheitsgeschichte insgesamt.

Samstag, 23. März 2019

Schnee von heute


Es schneit, und es taut... still vor sich hin. Samstag in Saratow. Eine Menge Hausaufgaben habe ich in meinem Handgepäck mit ins Büro gebracht. Hier aber ist zuerst einmal die Frage zu klären: Erst Hausaufgaben machen, oder erst Post beantworten? Die liegt ja zum großen Teil auch seit Montag. Was sich unentdeckt übers Wochenende rettet, hat großen Chancen vergessen zu werden. "Das Tischtuch an einem Zipfel hochheben", nannte Rektor Wolfgang Quack einst im Magedburger Norbertinum die richtige Vorgehensweise. Das hatte etwas mit Beharrlichkeit zu tun. Also dann, ...

Freitag, 22. März 2019

Nächste Woche

Als ehemaliger DDR-Bürger erinnere ich mich an die Zeiten, in denen der Blick auf ein solches Abflug-Tablo einen Schub von Fernweh nach dem Unerreichbaren ausgelöst hätte. Die Unerreichbarkeit wird wiederkommen, aus Alters- oder anderen Gründen. Mögen uns bis dahin andere Ziele wichtiger geworden sein, nicht Himmelsrichtungen, sondern Richtung Himmel.
Mitten drin im Abflugplan von Moskau-Sheremetjevo: mein Flug nach Saratow, nachdem mich Pater Nikolai bei Nacht und (dickem) Nebel nach Ufa zum Flughafen gebracht hatte und zwei weitere Stunden im Fluge vergangen sind.
Während ich nun also hier in Moskau auf meinen Anschluss warte, werfe ich einen Blick in den Kalender, der mir heute viel Freizeit (besser gesagt: freie Zeit) verspricht. Am Wochenende helfe ich in Marx aus, weil Pater Bosco auf Wallfahrt ist. ("...fahrt" ist gut. Die laufen!) Montag kommen mich Kapuziner besuchen. Dienstag - geistlicher Einkehrtag in Marx. Ab Mittwoch gastiert ein Priester von der Krim bei uns in Saratow, bevor ich Ende der Woche (und des Monats) in die deutsche katholische Gemeinde nach Moskau eingeladen bin, zur Firmung.
"Alexejewka" klingt innerlich nach. Ich hatte gestern noch Gelegenheit, einigen aus der Pfarrgemeinde zu begegnen. Schulkinder sitzen mir vor Augen, die während der Messe am 20. März von Anfang an im Arm ihrer Mütter (oder Großmütter) schliefen.  Die unbefestigte, tauende Dorfstraße im Kontrast zu tip top sauberen Fußböden in Kirche und Haus. Und nicht zuletzt: Ernsthaftigkeit und Freude der fünf jungen Menschen aus den USA, der Schweiz, der Slowakei und Österreich, die ihr Leben Gott geweiht haben, der es Tag für Tag, Stück für Stück, dort am Ende der Welt aus ihren Händen entgegennimmt. 

Donnerstag, 21. März 2019

Wenn der Weg auch nicht immer einfach ist ....

... wir gehen weiter.

Und wir sind bis ans Ende der Tagesordnung gelangt. Schon beim gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns das erste Mal von unseren Gastgebern, der Familie Mariens in Alexejewka, denn direkt im Anschluß daran reiste der Nuntius ab. Es war die letzte Gelegenheit, mit allen gemeinsam Danke zu sagen. Für Pater Nikolai, die Schwestern und die Brüder war das der Moment, in dem auch sie sich bei den Bischöfen bedankten, dass Alexejewka Tagungsort sein durfte. Am Abend brachen dann die beiden sibirischen Bischöfe auf. Der Nächste bin ich: Abfahrt 3.30 Uhr. Und zum Schluss kehren die verbliebenen Moskauer heim, morgen Mittag. 


Mittwoch, 20. März 2019

Ungewöhnlich - historisch - einmalig

Wir sind gut vorangekommen in der Besprechung unserer Programmpunkte. Schon in der Mittagspause war ein wenig Zeit, um die - sagen wir - Infrastruktur der ungewöhnlichen Pfarrei ein wenig kennenzulernen: Stall, Scheune, Banja, ... Am Abend hatte sich die Gemeinde versammmelt, um das historische Ereignis in einer Eucharistiefeier mitzuerleben: fünf Bischöfe in Alexejewka! An die 20% Kleinkinder fielen mir auf. Viele bekannte Gesichter, Gesang von Herzen, Sonnenschein durch die offene Tür nach draußen... Und anschließend? "Tee", was heute soviel bedeutete wie ein Becher Limonade und ein Stück Pizza 4 x 5 cm.  Am späteren Abend versammeln wir uns im Haus der Schwestern. Die Sitzung der Bischofskonferenz geht morgen weiter. 

Sitzung an der Peripherie

Später mehr ...

Dienstag, 19. März 2019

Frühjahrsvollversammlung der Russischen Bischofskonferenz

Das Bild scheint nicht zur Überschrift zu passen, gehört aber genau da hin. Am Abend bin ich mit den Letzten eingetroffen. "Alexejewka" gehört zu den Legenden des Bistums. Wer es nicht gesehen hat, kennt das Bistum noch nicht. (Daher kam mir die Idee, hierher einzuladen.) Von Marx waren es 850 km, als wir das Dorf vor 27 Jahren als Außenstation betreuten. Es scheint am Ende der Welt zu liegen. 
Die letzten 8 km ohne Asphalt, tauender Grund. Im Kleinbus wurde es still. Wir kamen durch, ohne einmal stecken zu bleiben. Und trotz des ersten Schrittes in schlammigen Boden vor dem Auto, fasste der Generalsekretär der Bischofskonferenz mit einem einzigen Wort zusammen: "Schön!" Nur die Betonung war von einem anderen Gedanken geliehen, schien mir. Drin im Haus wurde dann alles schnell wieder gutgemacht. Ein festliches Abendessen zu Ehren von Bischof Joseph, der Namenstag hat, und Bischof Kyrill, dessen Bistum Sankt Josef heißt, war genauso wenig zu überbieten, wie die Herzlichkeit von Pater Nikolai, der Schwestern und der Brüder, die hier treu ihre Berufung leben. 
Wer derzeit einen katholischen Bischof, einschließlich Nuntius, in Russland sucht, muss das nicht in Moskau, Sankt Petersburg, Kaliningrad, Wladiwostok, Novosibirsk oder Saratow etc. tun, sondern in Alexejewka: letztes Haus hinten rechts.

Thema Jugend

Am Nachmittag war Zeit für einen Ausflug in die Stadt geblieben. Das Hauptthema unserer Sitzung war diesmal das Jugendtreffen für alle 4 russischen Diözesen gewesen, das uns im August nach Polen führt. Eine Alternative zum schon stattgefundenen Weltjugendtag in Panama. Beim Spaziergang machten die Mitglieder meiner Jugendkommission eher den Eindruck einer Retro-Band, scheint mir im Blick auf das Foto. 
Inzwischen sind wir zum Flughafen gefahren, um 2 Bischöfe abzuholen, die ab morgen in Alexejewka am Treffen der Bischofskonferenz teilnehmen. Eine Sensation für das Dorf.

Montag, 18. März 2019

Vom Flugzeug an den Altar


Bevor hier morgen die Jugendseelsorger der vier katholischen Diözesen in Russland tagen, feierte ich heute mit der Pfarrgemeinde von Ufa den Vorabend von Sankt Josef. Es ist eine der östlichsten Gemeinden unseres Bistums. Es war bewegend, denn hier hat sich seit meinem letzten Besuch viel getan. In der Stadt lebende Vietnamesen sind auf die Kirche aufmerksam geworden, obwohl wir bis zum heutigen Tag gar keine Kirche in der baschkirischen Millionenmetropole haben. Mit ihren Familien machen die Vietnamesen jetzt vermutlich 50% der Gemeindemitglieder aus. Die Kinder sind fröhlich. Die Eltern beten. Die Lieder haben ihre eigene Harmonie. Obwohl ich die Sprache nicht verstand, spürte ich seit langem wieder einmal, wie das Gebet der Gemeinde trägt. 
Hier in der Hauptstadt Baschkortostans sind wir Deutschland um 4 Stunden voraus. Für die aus Sibirien angereisten Jugendseelsorger war es dennoch ein langer Tag, der mit einer Plauderrunde im Haus der Pfarrgemeinde zu Ende ging, während unsere vietnamesischen Christen all ihre Kochkünste unter Beweis stellten.