Dienstag, 11. August 2020

Mal raus

Der August scheint der Urlaubsmonat schlechthin zu sein. Interessant, was die Einzelnen aus den begrenzenden Voraussetzungen machen. Derzeit gehen viele Fotogrüße bei mir ein, von Verwandten, Freunden,... Dabei möchte ich aber nicht vergessen, dass viele das Wort "Urlaub" nur theoretisch kennen und keinesfalls eine Reise damit in Verbindung bringen (können). Abstand vom Alltag ist aber hilfreich, selbst wenn es nur für einen Spaziergang reicht. Ich bin denen in unseren Pfarreien dankbar, die auch an andere denken und etwas organisieren, mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. 

Sonntag, 9. August 2020

175 Jahre Kirchweihe in Pyatigorsk

Es war mir nicht bewußt, und hätte ich es nicht aus Kazan erfahren, wüßte ich auch jetzt am Abend noch nicht, dass in Pyatigorsk im schönen Nordkaukasus heute der 175. Weihetag der katholischen Pfarrkirche gefeiert wurde. Ganz selten haben wir im Bistum so "alte" Kirchen, denn seit der Revolution von 1917 wurde Jahrzehnte lang enteignet, zerstört, geschlossen, mißbraucht. 

Freitag, 7. August 2020

Nebenstraßen

Ob es nun häufiger ist als in den Jahren vorher, kann ich nicht sagen. Von Zeit zu Zeit sieht man jedenfalls große Reisebusse mit Touristen durch Saratow fahren, selbst durch enge Straßen. Der Inland-Tourismus... Dabei hat das ca. 430-jährige Saratow (Sara Tau = gelber Berg, tatarisch) kaum etwas Großartiges zu bieten, außer, vielleicht, der Wolgapromenade. Wenn man aber durch Nebenstraßen geht, Zeit hat und Muße, dann kann es doch noch interessant werden. An diesem Haus z.B. kam ich nur vorbei, weil ich einen Parkplatz suchte. 

Donnerstag, 6. August 2020

Alltagsnotizen

Am 15. August bekommt die Pfarrei St. Clemens in Saratow einen Praktikanten. Denis, der sein sechsjähriges Theologiestudium in Ars abgeschlossen hat und sich gerade vom Coronavirus erholt, (vorher lernte er bereits 2 Jahre im Vorseminar in Novosibirsk - heute hat die Diözese dort Patronatsfest, Verklärung des Herrn), ... Denis also, kommt für ein Jahr in ein Pastoralpraktikum nach Saratow. Danach hoffen wir auf seine Diakonenweihe. 
Gestern und heute renovierten ihm zwei junge Frauen, wie die Heinzelmännchen, das Zimmer, in dem er wohnen wird. Ob sie die komische Lampe mit dem geräuschvollen Ventilator an der Decke hängen lassen sollen, fragten sie mich. Wenn er schon gebraucht wird, dann macht auch der Lärm nichts, einigten wir uns. 

Wir beten heute für einen Jugendlichen aus der Pfarrgemeinde, der am Morgen als Beifahrer in einen extrem schweren Verkehrsunfall geraten ist. Die Mutter schrieb, dass er schon operiert wurde. Genaues weiß sie aber nicht. Eine andere Jugendliche braucht ärztliche Hilfe wegen ihrer Nierenkoliken. Die entsprechenden Krankenhäuser, an die sich sich gewandt hat, sind aber wegen der Pandemie noch geschlossen. Wir suchen ... 

Priester und Ordensleute des Bistums habe ich heute noch einmal an Exerzitien (geistliche Übungen) in diesem Jahr erinnert. Durch die geschlossenen Grenzen rutscht das möglicherweise bei manchen weg. Ich halte es für sehr wichtig, wenn man eine geistliche Berufung hat, die man nicht verlieren will, erst recht in Coronazeiten. Ich hoffe, im Herbst zwei Kurse bei uns im Bistum anbieten zu können, dann natürlich in Russisch, statt in der Muttersprache der meisten unserer Priester und Ordensleute. 

Da mein Generalvikar unterwegs ist, und die Sekretärin im Urlaub, halte ich auch heute allein die Stellung (die "Kurie"). Aber am Nachmittag habe auch ich in der Stadt zu tun. Da bleibt das Büro dann einfach geschlossen. 

Mittwoch, 5. August 2020

Das Haus gegenüber

Ja, Fotografen sagen mir gleich: "Nun wäre es noch gut gewesen, wenn da jemand aus dem Fenster schaut." Da schaut aber niemand. Mir hatte das Motiv schon wegen der Äpfel (links oben im Bild) gefallen. In diesem Haus sind unter anderem Wintersportgeräte für eine ganze Schulklasse gelagert. Das geht noch auf Pater Johannes, den langjährigen Pfarrer im Dorf, zurück. Hier ist auch Platz für Katechesen und Gruppenstunden. Gegenüber habe ich in der vergangenen Woche gewohnt. Blau ist nicht die typische Farbe für den Hausanstrich in Alexejewka. Gelb war üblich, als ich Anfang der 90-er meine ersten Reisen hierher unternahm. Das 806 km entfernte Dorf zählte damals zu den über 50 Außenstationen, die wir von Marx aus betreuten.

Saratow und der letzte Zar

Am Straßenrand in Saratow kann man derzeit ein Plakat mit dem Bild Nikolais II. und folgender Aufschrift finden: "Verzeih uns, Herrscher! 17. Juli - Tag des Märtyrertodes der Zarenfamilie". Nicht nur wegen seiner Gestaltung fällt es auf, sondern weil die öffentlich ausgedrückte Bitte um Verzeihung vielerorts etwas seltenes ist. Ich weiß, dass Johannes Paul II. um Verzeihung gebeten hat, für die dunklen Taten im Namen der Kirche im Laufe der Geschichte. Ich weiß, dass deutsche Staatsoberhäupter die Juden für den Holocaust um Vergebung gebeten haben... Schuld einzugestehen ist keine einfache Sache. Stolz, Angst, Unreife, Zeit, Umstände ... Was kann da alles hindern!
Die Zarenfamilie wurde in der Nacht vom 16. zum 17. Juli 1918 in Yekaterinburg erschossen.  

Dienstag, 4. August 2020

Ein Sommer wie noch nie

Wo steht diese Kirche? Neugotisch, der Turm wurde scheinbar nie vollendet. Palmen im Grundstück...  Das ist die katholische Marienkirche in Jalta auf der Krim. Ja, dort, wo im Februar 1945 die Welt in Ost und West geteilt wurde. Roosevelt, Churchill und Stalin, die "großen Drei", verhandelten über das schnell herbeizuführende Kriegsende, beließen aber eigene Interessen im Unausgesprochenen, so dass sie erst ein wenig später, im sogenannten "kalten Krieg" zutage traten. 
Weil im derzeitigen Sommer die Grenzen Russlands geschlossen sind, ist die Krim von Urlaubern überlaufen. Auch einer unserer Priester nutzt es momentan aus, dass es auf der Krim katholische Pfarreien gibt, unter anderem die in Jalta. Genauer gesagt, er besucht den dortigen Pfarrer, der früher bei uns im Bistum tätig war. 
Einem anderen unserer wenigen Pfarrer ist derzeit sicher nicht nach Reisen zumute. Er bekam heute das Ergebnis seines Covid-Tests mitgeteilt: positiv. Da er sich schon vor einer Woche freiwillig isoliert hatte, ist es eventuell nicht nötig, die Gottesdienste in seiner Kirche auszusetzen. Es gibt einen Vikar und Schwestern in der Gemeinde. Bei denen scheint alles in Ordnung zu sein. 

Den Liter für 30 Rubel

Natürlich gibt es jede Menge schöne, interessante und heitere Fotos der vergangenen Woche. Eins von gestern ist dieses hier. Um es zu verstehen, ist eventuell ein kleiner Kommentar nötig. Erstens: Das ist eine Tankstelle. Zweitens: Da steht mit roten Buchstaben sinngemäß geschrieben: "Ich kaufe Diesel." Statt etwas zu bekommen, kann man hier etwas geben. Wer wird das wohl in Anspruch nehmen? 

Montag, 3. August 2020

Zurück

Die Sonne war kaum untergegangen (Foto), da hatte sie auch schon wieder aufzugehen, für unsere Rückreise. Wir starteten 6.10 Uhr Ortszeit in Alexejewka, nach einem letzten Frühstück mit Pater Nicklas, Bruder Martin, Schwester Laura und Schwester Maria Hemma. Bis nach Marx waren es genau 806 km. Ich hatte diesmal die kürzere, aber vielbefahrene (und dafür zu schmale) "M-5" gewählt. Abends begann in Marx eine Dekanatskonferenz, zu der Seelsorger und Ordensleute aus Belgorod, Woronezh, Togliatti, Tambow, Samara und Saratow anreisten.