Freitag, 28. August 2009

25 Jahre Ordensschwestern in Marx




Am 30. August wollen wir für 25 Jahre unermüdlicher Tätigkeit der „Dienerinnen Jesu in der Eucharistie“ in der Stadt Marx danken. Damals, im Sommer 1984, waren sie von Karaganda in Kasachstan nach Marx an die Wolga gekommen, weil immer mehr Russlanddeutsche in ihre Heimat, bzw. die ihrer Vorfahren zurückkehrten, aus der sie durch Stalins Erlass vom 28.August 1941 deportiert worden waren. Es gab 1984 keinen katholischen Priester im gesamten Süden des europäischen Russlands. Zur Beichte und zur hl. Messe fuhren die Schwestern einige Male im Jahr ins kasachische Aktjubinsk, 920 km mit der Eisenbahn. Der dortige Pfarrer, P. Joseph Werth SJ, besuchte Marx dreimal im Jahr, bekam aber von den Behörden oft keine Genehmigung, in der Stadt zu übernachten.

Die Schwestern lernten Menschen das Beten, bereiteten sie auf Taufe, Beichte, Kommunion und Trauung vor. Und wenn dann eines Tages der Priester kam, waren die Gläubigen bereit.
Die Schwestern in Marx lebten 17 Jahre lang in einem kleinen wackligen Häuschen, das sich äußerlich in nichts von den anderen im Straßenzug unterschied. Innerlich war aber alles anders: sauber, still, fröhlich. Es war ein „Kloster“, in dem Menschen mit Gott umgingen wie mit ihrem besten Freund. Sie arbeiteten in Zivilberufen oder lernten noch in der Schule. Die jährlichen Ausbesserungsarbeiten am Haus nahmen viel Zeit in Anspruch. Die Wände der kleinen Küche waren schwarz vom vielen Kochen für manchmal über 100 Personen am Tag, nämlich während der drei Sommermonate, die auch heute noch von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geprägt sind. Dieses Häuschen begann aus den Nähten zu platzen. Auch ein aus Balken und Spanplatten aufgesetztes Obergeschoß konnte nicht auf Dauer Abhilfe schaffen. Es kamen „zu viele“ neue Schwestern. Jedes Jahr traten junge Mädchen ein, meist angesteckt durch das natürliche und frohe Beispiel der Schwestern in ihren Gemeinden.

Am 20. November 2001 durfte ich in Anwesenheit des Apostolischen Nuntius aus Moskau und des ehemaligen Pfarrers von Marx (1987-1991), dem heutigen Vorsitzenden unserer Bischofskonferenz, Bischof Joseph Werth, ein neues Haus für die Schwestern einweihen. Es steht direkt neben der Kirche. Beim Bau wurde uns damals sehr viel aus Deutschland geholfen.
Heute leben 14 Ordensschwestern in Marx. Ihr Hauptanliegen ist die Sorge um die Erziehung von Kindern und Jugendlichen, im Grunde helfen sie aber auch in allen anderen alltäglichen Nöten der Pfarrei tatkräftig mit. Täglich verbringen sie an die vier Stunden in ihrer Kapelle vor dem Herrn, den sie im Herzen von dort mitnehmen zu uns, die wir ihnen alle viel zu verdanken haben.