Freitag, 28. August 2009

Heute vor 68 Jahren: Deportation der Wolgadeutschen begann am 28. August 1941

Der zynische Erlass im Wortlaut:
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Aufgrund verläßlicher Angaben, die der Militärregierung zugeführt wurden, befinden sich unter der deutschen Bevölkerung im Wolgagebiet Tausende und Zehntausende Diversanten und Spione, die auf ein Signal aus Deutschland hin, Explosionen in den von den Deutschen bewohnten Wolgagebieten durchführen sollen.
Über die Anwesenheit dieser großen Zahl von Diversanten und Spionen unter den in den Wolgagebieten lebenden Deutschen, hat der Sowjetmacht niemand etwas gemeldet. Demzufolge versteckt die deutsche Bevölkerung in den Wolgagebieten Feinde des Sowjetvolkes und der Sowjetmacht.
Falls Sabotageakte von den Agenten und Spionen in der Wolgadeutschen Republik oder den angrenzenden Gebieten auf Befehl aus Deutschland ausgeführt werden sollten, käme es zum Blutvergießen, und die sowjetische Regierung wäre laut Kriegsgesetz gezwungen, Strafmaßnahmen an der gesamten deutschen Bevölkerung an der Wolga zu vollziehen.
Um solchen unerwünschte Erscheinungen auszuweichen und zur Abwendung ernsthaften Blutvergießens, hielt es das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR für notwendig, die gesamte deutsche Bevölkerung, die an der Wolga und in anderen Gebieten lebt, umzusiedeln, wobei den Umsiedlern Land zugeteilt werden soll und staatliche Hilfe beim Einrichten in den neuen Gebieten.
Für die Ansiedlung wurden die ertragreichen Ackerländer in den Gebieten Novosibirsk, Omsk und Altai bereitgestellt, in Kasachstan und Nachbarländern.
In diesem Zusammenhang wird dem staatlichen Verteidigungskomitee die unverzügliche Umsiedlung aller Wolgadeutschen befohlen, sowie deren Ausstattung mit Ländern und Grundstücken in den neuen Gebieten.

Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, M. Kalinin
Sekretär des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, A. Gorkin
Nr. 21—160
28. August 1941
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(Bild nur für den Privatgebrauch bestimmt.)