Mittwoch, 19. August 2009

Zwei Liter Milch und zwei saftige Tomaten

Eigentlich war der folgende kurze Brief nicht für Unbekannte gedacht. Da diese Seite aber nichts Offizielles ist, stelle ich nun doch noch eine Kopie ein:

Saratow, den 19.08.2009

Liebe Verwandte und Freunde!

Ich habe viele Glückwünsche zum Geburtstag bekommen und möchte Euch ein klein wenig an jenem Tag Anteil nehmen lassen.

Wir waren mit drei Kleinbussen und zwei PKWs in der Nacht zuvor aus Kasan vom Jugendtag zurückgekehrt. Nach den drei Tagen mit 230 Jugendlichen und den entsprechend kurzen Nächten, waren die 700 km nach Hause eine große Entfernung. (Es sollte uns jedoch trösten, dass manche 5 Tage Bahnfahrt dafür brauchen, als bis jetzt noch nicht zu Hause sind!) Die Pfarrer von Marx und Saratow hatten gebeten, dass ich doch an meinem Geburtstag zu ihnen zur Messe käme, weil die Gemeinden gratulieren wollen. So feierte ich am Montag früh um 8.00 Uhr in Marx eine hl. Messe und abends in Saratow. Hier und da waren viele gekommen. Schon das war ein echtes Geschenk. Das Predigen fiel mir leicht. Die Leute hörten mit großen, aufmerksamen Augen zu. Erst heute, am 19.8. spüre ich die Müdigkeit nach dem Jugendtag in den Knochen.

In Marx gratulierte mir die letzte russlanddeutsche Großmutter nach der Messe im Namen der ganzen Gemeinde mit so rührenden Worten, dass manche anfingen zu weinen. Dann kamen die Geschenke: Kinder schenkten selbstgemalte Bilder, andere Blumen aus dem Garten, Pralinen usw. Unter den Geschenken waren auch 2 Liter frische Milch von der eigenen Kuh und zwei große, saftige Tomaten.

Nach der Abendmesse in Saratow blieb die Gemeinde zum Teetrinken. Auch hier durfte ich mich beschenkt fühlen, denn obwohl ich mehr unterwegs als in der Saratower Pfarrei zu Hause bin, gibt es keine formelle Distanz der Gläubigen zum Bischof. Es scheint, dass sie Anteil an meiner Arbeit nehmen und - manche - auch für mich beten. Es ist sehr schön, wenn man Gott gemeinsam danken kann.

Am Abend versuchten mich manche erfolglos anzurufen, weil "immer besetzt" war. Ich erinnere mich nicht, wann das schon einmal vorkam, denn nach Russland anrufen, die Zeitverschiebung beachten und mich auch tatsächlich zu Hause anzutreffen, ... scheint nicht so einfach zu funktionieren.

Das war's, was ich kurz schreiben wollte!
Allen einen lieben Gruß!