Samstag, 3. Oktober 2009

Kinderaugen


Als ich im vergangenen Winter ein dreizehnjähriges Mädchen im Tuberkulose-Sanatorium in Saratow besuchte, stellte sich heraus, dass dort auch ein siebenjähriger Junge eingeliefert war, der uns durch die Katechesestunden der Schwestern in Raskatowo, einem der sehr armen Dörfer in der Nähe von Marx, bekannt war. Hier im Sanatorium wurde festgestellt, dass er, Artjom, „am Erblinden sei“, wie uns gesagt wurde. Wir setzten uns mit den Eltern in Verbindung, und es wurde klar, dass die beiden einfach keine Möglichkeit hatten, eine Untersuchung und Behandlung ihres Sohnes zu bezahlen. Beim genaueren Nachforschen in den beiden Unterrichtsgruppen, die seit ein paar Monaten bestehen, entdeckten wir eine Jugendliche, die bei den Großeltern aufwuchs und ebenfalls einer Augenbehandlung bedarf. Während eine Auge mit einem Brillenglas von -1 dpt auskäme, braucht das andere zurzeit schon –13 dpt. Marina, 15 Jahre jung, trägt keine Brille, weil die Großmutter die Untersuchung, eine mögliche Behandlung und die Brille nicht bezahlen kann. Ich fragte Marina bei meinem heutigen Besuch im Dorf nach Kopfschmerzen. „Ja, immer“, war die Antwort...
Für mich sind solche Begegnungen ein Zeichen, wie (ungewollt) weit weg ich als Bischof manchmal von den einfachen Leuten lebe. Ich werde schon morgen in einem weiteren Dorf nach ähnlichen Fällen Ausschau halten, denn morgen bin ich die Urlaubsvertretung in Marx, einschließlich Gottesdienst auf einer Außenstation. Ich hoffe, wir können helfen.