Montag, 30. November 2009

Auf den Spuren Jesu


Unsere Predigten und Katechesen, mit denen wir anderen auf ihrem Lebensweg als glaubende Menschen im 21. Jahrhundert helfen wollen, setzen oft bei den Texten der Bibel an, die wir Priester und Ordensleute im täglichen persönlichen Leben auf den Willen Gottes für uns abtasten. Darum halte ich es für ausgesprochen hilfreich, wenn man die Orte einmal selbst besehen und begehen kann, wo das alles handfeste Realität geworden ist: in Nazareth und Bethlehem, am See Genezareth und am Berg der Seligpreisungen, in Kafarnaum und Jerusalem. Das letzte Ziel einer Wallfahrt ins Heilige Land ist jedoch nicht, dass man danach interessanter predigen kann, weil man nun alles mit eigenen Augen gesehen hat, sondern ein persönliches Wachstum in der Liebe. Im Laufe der letzten 10 Jahre habe ich mich mehrmals bemüht, Priestern und Ordensleuten meines Bistums die Möglichkeit für eine solche Wallfahrt zu schaffen, ihnen auf diese Weise für ihren selbstlosen Dienst in Russland zu danken und sie für kommende Jahre zu motivieren. Danke allen, die mich dabei unterstützen! Vom 23.-30. November begleitete ich 9 Priester, 2 Ordensbrüder und 18 Ordensschwestern aus dem Bistum Sankt Clemens auf den Spuren Jesu. Für alle war es die erste Reise nach Israel. Und um es vorwegzunehmen: Sie kosteten die Tage aus, als ob sie nie wieder dort hin kommen würden, besonders die Schwestern. Sie ließen sich in der Grabeskirche in Jerusalem einschließen, um auch nachts dort zu beten, oder standen früh gegen 4.00 Uhr auf, weil es da an den Heiligen Stätten noch ein paar Stunden ruhig war. Sie dankten, schon bevor wir in Moskau ins Flugzeug stiegen.
Ich habe hier nun nicht vor, einen Pilgerbericht zu schreiben, kann nur selbst danken, dass wieder alles so gut verlaufen ist. In Jerusalem buche ich jeweils in einem Pilgerhotel der Franziskaner in der Altstadt. Von dort braucht man nur 5 Minuten zu Fuß bis Golgota. Und es ist halb so teuer wie in „richtigen“ Hotels. Bei der Vorbereitung und vor Ort hilft mir jedesmal eine belgische Ordensschwester der Gemeinschaft „Das Werk“. Sie lebt schon 32 Jahre in Jerusalem. Obwohl ich die von Israel geforderte Lizenz zur Begleitung von Gruppen habe, ist Schwester Myriams Hilfe unersetzlich. Ihre detaillierten Erklärungen fußen in archäologischen Forschungen, Bibelwissenschaft und Meditation.
Zwei Begebenheiten fallen mir spontan noch einmal zu unserer Reise ein, die von ihrem Charakter her nicht unbedingt hier her passen. Es sind tatsächlich Kleinigkeiten vom Rande. Mir haben sie Freude bereitet, … Mit einer neunköpfigen Gruppe besuchte ich die Paulusschule am Damaskustor, weil eine unserer Schwestern zu den Maria-Ward-Schwestern gehört, die auch dort wohnen. Der Pförtner beobachtet uns, als wir auf die Oberin warteten. Als sie kam und ihm übersetzte, das wir alle aus verschiedenen Gemeinschaften und Diözesen kämen, antwortete er: „Und ich dachte, das ist alles eine Gemeinschaft.“ – Ein schönes Kompliment. Zweite Begebenheit: Zum Bezahlen in unserer Herberge brauchte ich einmal 50 Dollar, hatte aber nur einen Hundert-Dollar-Schein. Ich fragte die umstehenden Schwestern, wer mir den Schein wechseln könne. „Hundert Dollar!?“ Sie lächelten nur. Keine hatte soviel Geld mit. Auch das hat mich gefreut. Gott und den Wohltätern sei Dank für diese schöne Wallfahrt!