Samstag, 2. Januar 2010

Maria Hass aus Mariental


Um allen, die nicht selbst zur Kirche kommen können, ein wenig Weihnachtsfreude nach Hause zu bringen, hatten sich dieser Tage auch die Missionsklarissinnen aus Saratow auf den Weg gemacht, nämlich ans gegenüberliegende Ufer der dick zugefrorenen Wolga, nach Engels. Dort besuchten sie die Wolgadeutsche Maria Haas. Die über neunzig Jährige ist seit einigen Jahren blind. Sie stammt aus dem in ihrer Kindheit 10.000 Einwohner zählenden Dorf Mariental, in dem fast alle katholisch waren. In den ersten Januartagen 1931, also genau vor 79 Jahren, musste sie als Kind mit ansehen, wie alle Männer aus der Sonntagsmesse auf die Straße gezerrt und im nahen Fluss unter das Eis gestoßen wurden. Sie hat ihren Glauben über Jahrzehnte bewahrt, ohne Priester, ohne Sakramente, ohne Gemeinde, ohne Literatur, allein durch heimliches Gebet. Maria Hass sang den mexikanischen Ordensschwester das Lied "Stille Nacht" vor. Solche Dinge fallen mir wieder ein, wenn ich sehe, wie Katholiken in Deutschland sogar Nummer 401 aus dem Gotteslob nur mit offenem Buch mitsingen (können?) Ich meine das nicht sehr ironisch.
Heute heißt es manchmal, dass der Glaube der Alten unreflektiert und deshalb ungenügend sei. Wer von uns, die wir so viel reflektieren, würde wohl den christlichen Glauben – ohne Kirche – über viele Jahrzehnte hinweg bewahren?