Sonntag, 28. Februar 2010

2. Fastensonntag in Saratow

Den 2. Fastensonntag feierte ich mit unserer Pfarrgemeinde in Saratow. Das Evangelium von der Verklärung des Herrn ist ein schöner Text zum Erklären, was es heißt, mehr (nicht weniger) herauszuhören als die historische Wahrheit. Nach den Vermeldungen für die kommende Woche, dankte der Pfarrer für die Kollekten vom vergangenen Sonntag. Wie in vielen anderen Gemeinden, hatten wir auch in Saratow für die vom Erdbeben Betroffenen in Haiti gesammelt. Außerdem hatte sich die Pfarrgemeinde spontan entschlossen, für eine Frau aus der Gemeinde zu sammeln, die plötzlich in Not geraten war. Nach den Gottesdiensten ist es üblich, dass sich viele draußen vor der Kirche stehend unterhalten, bevor sie nach Hause oder in ihre Gruppe (Jugend, Lectio Divina, Katechese) gehen. Ein älterer, alleinstehender Mann kam auf mich zu, um für die „Silberperlen“ zu danken, die ich ihm aus einer Apotheke in Deutschland besorgt hatte. Die Mutter eines Ministranten machte mich auf die neuen Webkameras der Stadt aufmerksam, von denen eine auf die Kreuzung gerichtet ist, an der unsere kleine Kathedrale steht. (Trotz schwacher Farbqualität, kann man dort im Hintergrund die zugefrorene Wolga sehen.) Ein russischer Professor, der vor einigen Jahren hier bei uns getauft wurde, nachdem er sich mit viel Mühe daran gewöhnt hatte, im Unterricht zuzuhören, statt zu erklären, machte mich auf einen Text über Dostojewski aufmerksam, in dem es um die ungläubige, statt – wie häufig bemerkt – gläubige, russische Seele geht…