Sonntag, 25. April 2010

"Sonntag vom Guten Hirten" in Samara

Unverhofft war ein halbes Wochenende in meinem Kalender frei geworden. Für eine weite Reise zu spät, fuhr ich kurzentschlossen in die Herz-Jesu-Gemeinde nach Samara (hin und zurück 820 km.) Dem Pfarrer gab ich Bescheid, als ich schon unterwegs war. Samstagabend kam ich mit drei Jugendlichen in der größten Stadt unseres Bistums an. Pater Vladislav, ein Salesianer, ist unser einziger Priester dort, ... und schon nicht mehr der Jüngste. Das war auch der Grund, warum ich mich für Samara entschieden hatte. Wir betraten die große, neugotische Kirche kurz vor 20.00 Uhr. Pater Vladislav stand noch vorn im Altarraum, mit ihm drei orthodoxe Seminaristen, die Arbeiten über das II. Vatikanische Konzil schreiben oder sich für die lateinische Sprache interessieren, sehr aufgeschlossene junge Männer aus dem 2., 4. bzw. 5. Studienjahr. Auch Schwester Marzenna war noch in der Kirche. Sie übernahm die drei Jugendlichen, so dass ich am Abend Zeit hatte, mit P. Vladislav zu sprechen. Die Suche nach einem Kaplan für die Großstadt war unser Thema, aber auch – und noch dringender – die Brandschutz- bzw. Feuermeldeanlage der Kirche. Wenn wir sie nicht innerhalb kürzester Zeit auf den neuster Stadt bringen, kann es sein, dass uns die Kirche geschlossen wird. Seit der Brandkatastrophe in einem Permer Nachtclub sind die Feuerwehrleute sehr kompromisslos in Bezug auf ihre nicht immer ganz logischen Forderungen geworden. Am sonnigen Sonntagmorgen beteten junge Leute eine halbe Stunde vor Beginn der Eucharistiefeier die Laudes (Stundengebet) in der Kirche, so, wie sie das schon seit Jahren tun. Zur Messe kamen ungefähr 100 Gläubige. In meiner Predigt ging es natürlich um geistliche Berufe. Die Sonntagskollekte war heute im ganzen Bistum für das Priesterseminar in Sankt Petersburg bestimmt. Mit einer Gruppe von ca. 15 Personen saßen wir dann noch bis 14.00 Uhr zusammen, bevor ich mit meinen Jugendlichen wieder nach Hause aufbrach. Für die drei war es ein Abenteuer. Sie stammen aus Familien, die ihren Kindern so gut wie nie einen Ausflug organisieren können. Eine der drei war zum ersten Mal in einer richtigen Stadt.

(Foto: P. Vladislav, heute Morgen vor seiner Herz-Jesu-Kirche)