Sonntag, 23. Mai 2010

Frohe Pfingsten in Wolgograd (ehem. Stalingrad)

Es waren zwei interessante Tage in Wolgograd. Freitag gegen 22.00 Uhr erwartete mich bei meiner Ankunft ein vom Pfarrer selbst zubereitetes Abendbrot. Am Samstagvormittag war ein ausführliches Treffen mit der Caritas angesetzt. (Foto) Alle erzählten, womit sie sich beschäftigen, z.B. mit Hauskrankenpflege, Kinderzentrum, Veteranenbesuchen u.v.m. Ich spürte Bedauern darüber, dass das Obdachlosenprojekt kein Interesse mehr bei den Sponsoren findet. Etwa zwei Stunden saßen wir im Katecheseraum der Pfarrgemeinde zusammen. Mittagessen gab es bei den Prämonstratenserinnen. Zu den slowakischen Ordensschwestern im 8. Stock eines Hochhauses der Hiroshimastrasse begleitete mich ein Jugendlicher aus Deutschland, der zurzeit in Wolgograd ein Freiwilliges soziales Jahr absolviert. Und am Nachmittag besuchte ich eins der beiden Häuser der Assoziation Johannes XXIII. In beinahe unübertrefflicher Selbstlosigkeit bemühen sich diese jungen Leute hier um sozial gescheiterte Menschen. Abends feierten wir die Vigil von Pfingsten in der Pfarrkirche St. Nikolaus.

Am Sonntagmorgen fuhren wir zum ersten Gottesdienst nach Novy Rogaczik, ein 40 km entferntes Dorf am Wolga-Don-Kanal. In einem Häuschen versammelte sich eine stattliche Gemeinde. Sogar aus Kalatsch am Don waren Gläubige gekommen. Der starke Regen der letzten Tage hatte die Wege in Novy Rogaczik ausgespült und fast unbefahrbar gemacht. Die Katholiken hier stammen meist aus der Ukraine. In der Diaspora im Dorf katholisch zu sein, ist sehr schwer. Der erste Hirtenbrief, an den ich mich erinnern kann - ich war Schulkind - war von den Bischöfen der Berliner Bischofskonferenz zu diesem Thema geschrieben. Sie rieten damals, wenn nur möglich, in die Städte umzuziehen. In unseren Verhältnissen hier ist das unrealistisch, weil eine Stadtwohnung fünfmal mehr als ein Haus im Dorf kostet.

Firmung und Glockenweihe waren natürlich im Hauptgottesdienst vorgesehen. Der begann um 11.00 Uhr in Wolgograd. Die 17 Erwachsenen Firmlinge waren ein Beweis dafür, dass die Gemeinde wächst. Aufgeschlossene, freundliche Menschen. In Wolgograd gibt es einen richtigen Kirchenchor. Das Halleluja von Händel sangen sie mir zum Schluss auf Deutsch. 8, bzw. 12 Männer (für größte Glocke) trugen die neuen Glocken vor den Altar. Nachdem ich sie gesegnet hatte, gab mir der Pfarrer einen riesigen Holzhammer, um die Glocken erstmals anzuschlagen. Hoffen wir, dass sie nun bald ihren endgültigen Platz im Turm finden. Eine heißt, dem Wunsch der Spender entsprechend, „Bonifatius“, eine „Stalingrader Madonna“ und eine – die größte - „Heilige Familie“.