Mittwoch, 26. Mai 2010

Pfarrei Samara - Pfarrhaus Marx

Gestern und heute hatte ich den Inspektor (so nennt sich der Verantwortliche für eine Region) der Salesianer in den GUS-Staaten zu Besuch. Es ging um eine der beiden Pfarreien im Bistum, die von seiner Ordensgemeinschaft betreut werden. Priestermangel zwang ihn und seine Mitbrüder vor kurzem mir mitzuteilen, dass sie die Herz-Jesu-Pfarrei in Samara aufgeben wollen. Gut, dass er zwei Tage hier war. Gestern, scheint mir, hatten wir nur die Fronten geklärt. Der Kompromiss, den wir heute gefunden haben, wird für beide Seiten nicht einfach. Samara ist die größte Stadt im Bistum… In Kürze lässt es sich kaum erklären, dass wir hier in Russland Christen hatten, die Jahrzehnte lang ohne Priester und geistliche Begleitung irgendwelcher Art den Glauben bewahrt hatten, heute aber vor einer ganz anderen Situation stehen. Möglicherweise 70% unserer heutigen Katholiken sind Christen der ersten Generation, ohne Wurzeln – sprich Vorfahren - im Glauben. In einem Land, in dem die Väter in den Familien fehlen, ist der Seelsorger eine ungewollt starke Bezugsperson. Oft steht und fällt mit ihm das Gemeindeleben. Und das hat nichts mit „nicht abgeben wollen“ zu tun.
In der Regel habe ich einmal in der Woche im benachbarten Marx zu tun. Bei der Gelegenheit überzeugte ich mich heute Abend vom Baufortschritt des Pfarrhauses. Natürlich geht es bei uns nicht so schnell, wie in Deutschland, aber die Betonplatte, auf die das Haus gebaut werden soll, ist schon so gut wie fertig. Es ist zum ersten Mal, dass wir in Marx auf eine Platte, statt auf Fundamentblöcke (Kirche, Kloster, Jugendhaus) bauen. Das ist eine neue Erfahrung für die Bauarbeiter hier, nachdem sich beim letzten Bau vor einigen Jahren ein Gast aus Deutschland schon fast die Haare ausgerissen hat, als er sah, dass wir uns noch nicht an die neue Technik wagten. (Es hatte auch mit dem Preis zu tun.) Außer dem Besuch im Kloster, schaute ich heute im Haus bei „unseren“ Jugendlichen vorbei, die noch einen Monat lernen müssen, während die Schulkinder morgen ihren letzten Unterrichtstag vor den dreimonatigen Sommerferien haben.
Auf dem Rückweg nach Saratow, erreichte mich die Nachricht vom Terroranschlag vor dem Konzertsaal in Stawropol. Unsere kleine Gemeinde dort wird von Herz-Jesu-Missionaren betreut.