Dienstag, 18. Mai 2010

Priesterjahr endet am 11. Juni 2010

Noch vor Ende des „Priesterjahres“ am Herz Jesu Fest (11.06.2010), möchten wir die Übersetzung eines Büchleins meines geistlichen Beraters herausgeben, der mir in den Jahren 1982 - 1999 viel geholfen hat. Ich denke, dass ich ohne seine Hilfe nie Priester geworden wäre. Professor Heinz Schürmann (+11.12.1999) war ein vielbeschäftigter Theologe, der jedoch nie sein Prinzip brach, dass er selbst so zusammenfasste: „Willst du einem Menschen gut sein, musst du zuallererst einmal Zeit für ihn haben.“
Fünf seiner geistlichen Vorträge wurden von verschiedenen Verlagen (Herder, Benno, Johannes) herausgegeben und neu aufgelegt. Das Büchlein erschien anfangs unter dem Titel „Geistliches Tun“, später unter „Worte an Mitbrüder“. Die Vorträge wurden bei Exerzitien für Priester gehalten, sind aber geistlich allgemeingültig, tief und so wirklichkeitsnah, dass sie jedem Christen auf der Suche nach dem Weg, der Wahrheit und dem Leben helfen können. Dem Johannes-Verlag danke ich herzlich für die Lizenz für die russische Ausgabe.

„Heinz Schürmann wurde am 18. Januar 1913 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Paderborn und Tübingen wurde er am 2. April 1938 in Paderborn zum Priester geweiht. Vor und während des Zweiten Weltkrieges wirkte er als Seelsorger in der sächsisch-anhaltinischen Diaspora seines Erzbistums (Osterwieck und Bernburg). Nach Kriegsende war er Präfekt des erzbischöflichen Theologenkonvikts in Bad Driburg. Nach Promotion (1948) und Habilitation (1952) in Münster nahm er seine Lehrtätigkeit als Privatdozent auf. Als das neu gegründete Philosophisch-Theologische Studium Erfurt dringend einen Neutestamentler brauchte, folgte er 1953 diesem Ruf. Trotz der schwierigen Bibliotheksverhältnisse und des erschwerten wissenschaftlichen Austausches blieb er der einzigen Hochschule für katholische Theologie in der damaligen DDR auch dann treu, als ihn verlockende Berufungen auf andere Lehrstühle (Münster, Bonn, Wien) erreichten. 1978 wurde er emeritiert. - Er war Consultor der Päpstlichen Bibelkommission, Peritus des Konzils und Mitglied der Internationalen Theologenkommission. Sein internationaler Ruf kam darin zum Ausdruck, dass er außer der Ehrendoktorwürde seiner Heimatstadt Bochum auch jene der Universitäten Leuven, Uppsala, Aberdeen, Wien und Strasbourg erhielt
Die neutestamentliche Exegese verdankt dem Verstorbenen entscheidende Untersuchungen zum Abendmahlsbericht, zu den Anfängen der Evangelien, zur neutestamentlichen Ethik, zu Amt und Charisma und zur Bedeutung des Todes Jesu. Er hat sich dabei nicht auf die historisch-kritische Fragestellung einengen lassen, sondern stets den theologischen Horizont mitbedacht, die Annäherung an das Geheimnis Gottes gesucht. "Heinz Schürmann verkörpert für mich und viele Priester meiner Generation den Professor, der in seinem Amt als theologischer Lehrer und Forscher immer auch ein ,Zeuge' der Wirklichkeit war, die er uns vom Katheder her zu erschließen suchte" (J. Wanke). In Vorträgen, Kursen, Exerzitien und persönlichen Begegnungen hat Heinz Schürmann zu einem "christlichen Zeugnis in säkularisierter Umwelt" angeregt. Er hat der kleinen Diasporakirche in Mitteldeutschland geholfen, die Weite der Weltkirche nicht zu vergessen und die Tiefe des Evangeliums zu verstehen.“ (Tag des Herrn, Nr. 50, 1999)

Collage: Priester des Bistums St. Clemens in Saratow