Dienstag, 1. Juni 2010

Firmung am Dreifaltigkeitssonntag im Kaukasus

Den Brief am Abend (s.u.) habe ich nicht geschrieben. Ich blieb beim Durchsehen der Post hängen. Auf manche Anfragen und Bitten musste ich sofort antworten. Schade, aber „Dienst geht vor“. Allein über die fünf Erwachsenen, die ich am Sonntag firmen durfte, gäbe es viel zu erzählen. Einen von Ihnen haben die Schwestern von Mutter Teresa regelrecht auf der Straße aufgelesen. Er hatte sich schon die Zehen abgefroren. Nach der Amputation behielten sie ihn zur Pflege bei sich. Er fühlte sich wie im Himmel. Samstagmorgen nach der Messe bei den Schwestern erzählte er mir: Und dann sagt mir die Schwester: „Wenn Sie was auf dem Herzen haben, was sie mit mir nicht besprechen können, … besprechen sie’s mit ihm.“ Und sie zeigte auf ein Kreuz an der Wand. Er erzählte mir weiter: Ich dachte, ich spinne. Was soll ich mit der Figur an der Wand plappern. Ich hab’s doch nicht im Kopf. Dann habe ich es ausprobiert. Zweimal ging es nicht. Und dann ging’s. Und seitdem bespreche ich alles mit ihm. - Eine Frau hatte viele Jahre lang nach der Wahrheit gesucht. Sie kennt sehr viele Stellen der Bibel auswendig. Bevor sie jemanden von der katholischen Gemeinde kennenlernte, besuchte sie eine Gruppe, die sich christlich nannte, aber möglicherweise eher zu den Sekten zu zählen ist. Nun hatte sie sich ernsthaft auf die Firmung vorbereitet. Bei einem Gespräch, noch vor dem Gottesdienst, spürte ich ihre leicht sture Selbstsicherheit gegenüber dem, was ihr die Seelsorger in gebrochenem Russisch zu erklären versuchten. Nach der Messe kam sie unerwartet, um kurz allein mit mir zu sprechen. „Heute habe ich es endlich verstanden, dass ich gefunden habe, was ich immer gesucht habe“, sagte die alte Frau mit Freude und den Tränen nahe.