Dienstag, 27. Juli 2010

Das Besondere an der Situation

Ich hatte mir absichtlich sechs Tage Zeit für den Besuch in der Kaukasusregion um Pyatigorsk genommen, weil ich 1) schon drei Jahre lang nicht dort war, 2) mir der Zahl der dortigen Gemeinden, sowie der Entfernungen bewusst war und 3) weiß, dass die Herz-Jesu-Missionare (MSC) in letzter Zeit aus Mangel an jungen Geistlichen ihre Kräfte aus den Missionsländern in die Heimatprovinzen zurückziehen. Auch uns droht das früher oder später. Pater Tomasz (rechts im Bild) soll möglicherweise schon im nächsten Jahr in die Österreichische Provinz heimkehren, und Pater Stephen (links), einer unserer Pioniere, wird nicht lange allein bleiben, bevor man auch ihn in die Irische Provinz zurückruft. In den Gesprächen der letzten Tage spürte ich die persönliche Bereitschaft der beiden zu bleiben, ohne sich gegen mögliche anstehende Entscheidungen ihres Ordens zu stellen. Uns bewegte die Frage, ob es gut ist, wenn ein Missionsorden (MSC = Missionaries of the Sacred Heart) wegen Personalmangel seine Leute nach Hause holt? Heißt es nicht immer wieder in Dokumenten zum Ordensleben heute, dass man das Ordenscharisma bewahren muss, um seine Authentizität nicht zu verlieren? Dass Europa auch Missionsland ist, kann ich nur bestätigen. In so einem Fall, würde ich es jedoch für eine Ausrede halten. Die beiden investieren viel Kraft in die Seelsorge und tragen an den Einzelschicksalen vieler Menschen innerlich mit. Es war eine besondere Spannung, die ich – als Gast – auf Schritt und Tritt spürte: einerseits die wunderschöne Landschaft des Kaukasus und die Kurorte, einer am anderen; andererseits die Armut entwurzelter Menschen in einer politisch nicht einfachen Region. Heute hier neu einzusteigen, ist schwerer als vor 15 Jahren, vielleicht sogar unmöglich, nicht nur für ausländische katholische Priester.