Dienstag, 20. Juli 2010

"Das Schlimmste" vor jeder Reise ...

… ist das Tasche-Packen. Ich gebe ehrlich zu, dass ich das nicht gern mache und oft so weit wie möglich rausschiebe. Meistens geschieht das in letzter Minute, sprich: nachts, bevor 6.50 Uhr die Maschine nach Moskau abhebt. Meine Gedanken gehen beim Packen manchmal voraus in die Orte, in die ich reise. So auch heute. Das Gebiet Stawropol liegt am nördlichen Kaukasus. In Kislowodsk versammelt sich unsere Pfarrgemeinde in einem Wohnhaus, bei gastfreundlichen Leuten. In der Stadt gibt es viele Sanatorien und Heilquellen. Das Mineralwasser dort birgt 20 natürliche Minerale in sich. Das gibt es sonst nirgends auf der Welt, habe ich gehört. Der deutsche Doktor Friedrich Joseph Haass (gest. 16.08.1853 in Moskau) hatte den Heilquellen zu ihrem Ruhm verholfen. Im Namen der Gebietshauptstadt Stawropol kann man noch die griechischen Wurzeln „stauros“ (Kreuz) und „polis“ (Stadt) erkennen. Leider hatten wir in all der Zeit, in der es nun wieder möglich wäre, nie einen Seelsorger, der in dieser großen, attraktiven Stadt wohnte. Die darum kleine Gemeinde wird aus dem 200 km entfernten Pyatigorsk betreut, wie übrigens alle sechs Gemeinden im Gebiet Stawropol. Es sind zwei Herz-Jesu-Missionare (MSC) und drei Ordensschwestern, die dort leben, und die mich morgen vom Flughafen in Mineralnye Vody abholen werden. Jahrelang hatten sie um die Rückgabe ihrer katholischen Kirche regelrecht kämpfen müssen. Sie war von der Sowjetregierung zum Konzertsaal umfunktioniert worden. In den regionalen Medien und sogar vor Gericht, kämpfte das Philharmonieorchester mit groben Bandagen gegen die Rückgabe. Wie wird es den assyrischen Christen in Nowopawlowsk gehen? Die Schafe eines assyrischen Hirten, dessen Gast ich schon mehrmals war, „verstehen“ seine Sprache. Sie „hören auf seine Stimme“. Ich erinnere mich jedes Jahr am „Sonntag vom Guten Hirten“ (4. Ostersonntag) daran. Sind die russlanddeutschen aus Nevinnomyjsk ausgereist? Und wie ist es in Georgewskij weiter gegangen mit den Flüchtlingen aus dem benachbarten Tschetschenien? Eine Lehrerin hatte mir erzählt, wie sie mit Frauen und Kinder tagelang in einem Keller saß, während oben geschossen wurde, und nur überlebte, weil sie ein ehemaliger Schüler, ein junger, bewaffneter Tschetschene bei einer Durchsuchung erkannte, sich vor den anderen nichts anmerken ließ und ihr dann nachts Trinkwasser brachte. Ab morgen werde ich sehen und hören, … ja, und auch reden … müssen. Die Leute dort hören gern und lange zu, wenn man über den Glauben spricht.
Da war doch noch was!? - Ach, die Tasche ...