Dienstag, 13. Juli 2010

Ein paar spontane Gedanken zur Mission - nach Feierabend

„Mission“ darf man heute nicht sagen. Das klingt nach Abwerbung und Menschenfang. Die Welt ist aufgeteilt in Welt-Religionen. Sie sind wieder im Kommen, wenn auch manchmal sehr weltlich.

„Neuevangelisierung“ trifft die Sache oft besser, um die es uns geht. Menschen, Völker, Kulturen, die einst Zugang zum Evangelium hatten, haben ihn verloren, im Labyrinth unguter Nachrichten.

Kain und Abel sind nur ein Brüderpaar in der Heiligen Schrift. Es gibt auch andere, wie Petrus und Andreas, die zeigen, dass es gut gehen kann, gemeinsam den Willen des Herrn zu erfüllen.

Woher nehmen wir das Recht auf katholische Seelsorge in Russland? Aus der Geschichte? Aus der Gegenwart. Denn der Wille Gottes ist immer aktuell und konkret. Der Dialog gehört dazu, vor allem, mit Ihm, dann - mit allen.

„Die katholische Kirche steht mit dem Rücken an der Wand“, hat mir ein deutscher Diplomat gesagt. Lohnt es sich noch, Neues anzufangen? Priestermangel, Finanzkrise, „Wende“ der Werte, …

„Hope is our business“, hörte ich einen amerikanischen Kardinal scherzen. Er war tatsächlich fröhlich und hat es gut gemeint. Aber zur Melancholie der russischen Seele passt das nicht ganz.

Beispiel: Noworossijsk. Größter russischer Hafen am Schwarzen Meer. Vor 1917 gab es hier zwei katholische Kirchen. Sie stehen noch und werden missbraucht. Es gibt auch katholische Christen dort, mit vertrockneten Wurzeln. Sie bitten um Seel-Sorge. Was soll ich antworten?

Seit fast drei Jahren besucht sie der Kaplan von Anapa, möglichst einmal die Woche, für zwei Stunden. Was sind schon 60 Kilometer! Gute Straße...! Sie treffen sich in einem „Kulturhaus“: der staubige Fußboden – gefärbter Beton, die Wände – Spiegel, von oben bis unten, die Bilder – alles andere als heilig.

Laut geht es da zu. Sie waren nie in einer Kirche. Und keiner hat ihnen etwas gelernt. Aber sie wollen lernen, wollen wissen, möchten zur Kirche gehen und gehören. (Ich war selber schon dort.)

Putin hat am 5. Januar 2010 gesagt, dass man die Kirchen zurückgeben müsse, „im reparierten Zustand“, hat er gesagt. Sollen wir den Spießrutenlauf anfangen? Wer soll ihn gehen? Wer hält ihn aus?

Der Kaplan hat ein missionarisches Herz. Wir haben heute über Noworossijsk gesprochen. 31 Stunden hat er dafür im Zug gesessen. Und jetzt fährt er 31 Stunden zurück, ohne Klimaanlage, natürlich. – „Nach den Ausfällen von Klimaanlagen in mindestens drei ICE ermittelt nun die Bundespolizei wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die Bahn…“ (Zitat aus einer anderen Welt.)

Was konnte ich dem Kaplan antworten? Nicht alles hängt von mir ab. Guter Wille reicht nicht aus. Mein administrativer Verstand sagt: „Vorsicht!“ Mein Herz sagt: „Hast Du nicht gehört?“ Der Wille Gottes ist immer aktuell und konkret.

Herr, gib uns hörende Herzen, und einen gehorsamen, unermüdlichen Verstand!