Dienstag, 14. September 2010

Einfach 14. September

Nie kann ich über alles schreiben, was so an einem Tag geschieht. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Dennoch will ich einmal stichpunktartig ein wenig mehr als sonst aufzählen, was heute u.a. passiert ist: Es war der letzte Tag meiner Gäste aus Erfurt in Saratow. Wir haben eine ganze Stunde lang gefrühstückt und erzählt, dann ließen sie mir Zeit fürs Büro und verschwanden auf den Markt. Eine Ordensgemeinschaft rief an, die bereit ist, eine Pfarrei im Bistum zu übernehmen, nur das Datum für den Anfang sei noch nicht ganz klar. Die Schwestern aus Marx kamen nach Saratow, um sechs Kinder zu besuchen, die hier im staatlichen Kinderheim untergekommen sind, weil die Eltern nicht in der Lage sind, sie zu erziehen. Die Schwestern kennen alle sechs Kinder vom Religionsunterricht in Marx und Umgebung her. Ich besuchte mit den drei Diakonen aus Deutschland das Saratower Museum, in dem seit 1992 ausgestellt ist, was in den 30-er Jahren aus der katholischen Kirche in Saratow geraubt wurde (holzgeschnitzte Figuren aus der Werkstatt Ferdinand Stuflessers in Südtirol, liturgische Kleidung bis hin zur Mitra des letzten Bischofs in der St.-Clemens-Kathedrale, Bücher, eine Monstranz u.v.m.). Danach stiegen wir mit der katholischen Glöcknerin auf den Turm der orthodoxen Kathedrale Saratows. Dort sah ich u.a. eine in Bochum/Westfalen gegossene Glocke hängen, die einst zum katholischen Gottesdienst an der Wolga rief. Den Festgottesdienst von Kreuzerhöhung feierte ich mit drei Diakonen am Altar! Eherecht, Priesterexerzitien in Russland, Urlaubsbitten von Priestern, Abrechnungen für aus Deutschland geschenkte Kühe an arme Familien u.a. gingen heute über meinen Tisch, aber auch die E-Mail eines Pfarrers, bei dem Tuberkulose festgestellt wurde und der nun in sein Heimatland fährt, um vielleicht zu hören, dass man sich in Russland getäuscht hat. Zum Abschiedsabendbrot mit den Diakonen waren auch Generalvikar und Pfarrer gekommen.
Morgen früh um 5.40 Uhr bringe ich die drei Erfurter zum Flughafen. Morgen Mittag kommt der neue Pfarrer für Elista (Kalmykien) mit dem Zug von Tscheljabinsk in Saratow an, um mit mir seinen Umzug zu besprechen. Und morgen Abend erwarten wir Frau Dr. Schmähling von „Renovabis“ zu Besuch. So viele Gäste in der südrussischen Provinz – das ist ungewöhnlich, aber auch gut.