Freitag, 1. Oktober 2010

Grosser Gott wir loben dich

Was wäre die Kirche ohne Frauen! Dankbar verbrachte ich heute Nachmittag noch ein paar Minuten in der stillen Klosterkapelle in Marx, bevor ich - nach einer innerlich bewegenden Exerzitienwoche mit 15 jungen Ordensschwestern - nach Saratow zurückkehrte. Am Morgen waren hier in der Kapelle drei Popstulantinnen ins Noviziat aufgenommen worden. Im feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche legte danach eine bisherige Novizin ihre ersten Gelübde ab. Weitere elf Schwestern erneuerten ihre Versprechen der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams für das kommende Jahr. Wie so etwas möglich ist, in unserer Zeit, in der viele eine klare Orientierung in ihrem Leben verloren oder nicht gefunden haben; in Russland, wo Menschen 70 Jahre lang für den Glauben verfolgt, eingesperrt und getötet wurden! Wie sich so gesunde, lebensfrohe, unbefangene junge Frauen Christus aussuchen können und die vielen Schwierigkeiten auf ihrem Weg zu meistern versuchen, das ist unglaublich. Unglaublich schön. 

Unsere letzten Betrachtungstexte der Exerzitien waren Lesung und Evangelium in der hl. Messe: Gott, der zu Abram sagt, geh‘ fort aus deiner Bequemlichkeit, deinem Freundeskreis, deinem Besitz, … in ein Land, das ich dir zeigen werden. So oder ähnlich haben sich die Schwestern von Gott ansprechen lassen und sind gegangen. Von Zeit zu Zeit wird es neu heißen: „Geh in eine andere Stadt, wo dich die Kirche braucht.“ Und auch innerlich gibt es die Stimme des Herrn, der zum Aufbrechen ruft, aus Gewohnheiten, Angst, Schuld, … Gut zu wissen, dass Gottes „Geh!“ im Grunde immer „Komm!“ heißt. Im Johannesevangelium ging es dann um den Weinstock, mit dem Jesus sich vergleicht, während er seine Freunde die Rebzweige nennt. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, sagt er, und „bleibt in mir!“ – In diesem „bleibt“ dürfen seine Freunde Trost und Freude erspüren, denn „bleib‘ in mir“ kann Jesus ja nur zu jemandem sagen, der in ihm ist.