Samstag, 20. November 2010

Kirche sein ohne eine Kirche zu haben, ist nicht ganz einfach.

Foto: Stefan Winkler
Daß es mit der Ökumene nicht immer und überall gut vorwärts geht, belegt dieser Tage das Beispiel der Kirche zur Heiligen Familie im russischen Kaliningrad (ehem. Königsberg). Die sowjetischen Machthaber hatten einen Konzertsaal aus der katholischen Kirche gemacht. Ein einziges Mal durfte seitdem in dieser Kirche wieder katholischer Gottesdienst gefeiert werden. Das war am 14. Januar 2001. Ich war damals dabei. Nun hat die Stadt entschieden, die ehemalige katholische Kirche der orthodoxen Diözese in Kaliningrad, statt der katholischen Gemeinde zu übergeben. Wenn die katholische Kirche der Stadt einen neuen Konzertsaal baue, könnte man beginnen, über eine Übergabe der Kirche zu sprechen, heißt es in einem Schreiben der orthodoxen Diözese an den katholischen Erzbischof.

Ein schöneres Beispiel für Ökumene erlebte ich heute Nachmittag hier in Saratow. Ich war zu Gast beim evangelisch-lutherischen Propst, der vor ein paar Jahren ein gutgelegenes Grundstück erwerben konnte und mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche begonnen hat. Die ehemalige evangelische Kirche stand – wie unsere katholische auch – an der Deutschen Straße im Stadtzentrum, wurde aber von den Behörden gesprengt. Der Bau geht sehr mühsam voran. Die Kirchengemeinde steckt in tiefen Schulden. Dennoch sind dem russlanddeutschen Geistlichen Gottvertrauen und Geduld anzumerken. Wie die ehemalige - , so wird auch die neue Kirche eine Sankt-Marien-Kirche sein, erfuhr ich vom Propst. Es war ein herzliches, freundschaftliches Treffen. Propst Scheiermann ist ein frommer und mutiger Seelsorger. Aus dem Gebiet Omsk stammend, war er mit seinen Eltern nach Deutschland ausgewandert und ist deutscher Staatsbürger geworden. Anschließend kam er, schon mit eigener Familie, nach Russland zurück. Sie hätten es „besser“ haben können.