Sonntag, 12. Dezember 2010

3. Advent mit ausländischen Studenten

(Bild anklicken. - Gaudete!)
Der 3. Adventssonntag stand für mich ganz im Zeichen eines Einkehrtages für 12 ausländische Studenten. Am Morgen nahmen wir an der Gemeindemesse in der Kathedrale teil. An der großen Zahl von Gottesdienstbesuchern konnte man das nahende Fest ablesen. Wie immer, hatten sich viele nach der Messe noch etwas zu erzählen. Das erinnert mich jedes Mal an die Zeit vor 1990 in der DDR. Da „wollte“ auch keiner gleich nach der Messe nach Hause gehen. Als es dann leerer wurde, bot ich den Studenten einen ausführlichen Impuls über Schwierigkeiten beim Beten an. Als sie sich im Anschluss daran mucksmäuschenstill für 20 Minuten je ein Plätzchen zum Beten suchten, wunderte ich mich fast, wie einfach das alles vor sich ging. Und mir wurde wieder einmal klar, wie steinig der geistliche Boden hier in Russland nach 70 Jahren Kommunismus immer noch ist. Wieviel Mühe stecken unsere Seelsorger seit bis zu 20 Jahren in die nichtausländischen Gemeinden, und wie wenig passt das Wort Erfolg für das, was dabei herauskommt. Anschließend lud ich alle 12 zu mir zum Mittagessen ein. Die halbe Stunde Fußweg und das sonst gewohnte Essen im Studentenwohnheim, hatten für guten Appetit gesorgt. Nun war auch Zeit zum besseren Kennenlernen. Eine Ordensschwester bastelte dann mit den auch darin eifrigen Studenten etwas für Weihnachten. Von halb vier bis halb fünf wollten wir dann wieder zur Anbetung in der Kirche sein. Aus der Stunde vor dem Allerheiligsten wurden fast zwei, weil ich gleichzeitig das Bußsakrament angeboten hatte und nicht eher aus dem Beichtstuhl herauskam. Ich hörte die jungen Leute draußen in der Kirche singen, oft Solo, jeden in der Art seiner Heimat. Zum Schluss bedankten sich die Studenten – alle hatten gewartet – mit zwei großen Reden. Ich war der Erste, der aufbrach, weil ich um 18.00 Uhr noch eine Abendmesse hatte. Unsere insgesamt drei Saratower Priester waren heute alle unterwegs: einer in Penza, einer in Orenburg und einer in Kamyschin. Hauptgrund dafür, dass gerade ich diesen Einkehrtag hatte, war noch ein anderer: durch die Schule und meinen ehemaligen Generalvikar aus Irland kann ich ein bisschen besser englisch sprechen, als meine Mitbrüder vor Ort. (Die sprechen es fast gar nicht.)
P.S. Gaudete ist ein lateinisches Wort und heißt: Freut euch! Mit diesem Wort beginnt die Liturgie des 3. Adventssonntags. Es war wirklich ein froher Tag.