Samstag, 11. Dezember 2010

Hilferuf nach 55 Tagen

Foto: tuapse.ru
Pater Marek, schon viel Jahre Pfarrer in Tuapse am Schwarzen Meer, bat mich heute um Unterstützung für sechs von 30 Familien, die er in den letzten zwei Monaten kennengelernt hatte, nachdem sie am 16. Oktober ihre Häuser verloren hatten. Wasser und Schlamm waren über Nacht im wahrsten Sinne des Wortes über sie hergefallen. Diese sechs Familien, meist Umsiedler aus ehemaligen Sowjetrepubliken in Mittelasien, hatten sich – wie andere auch – in einer touristisch uninteressanten, eher gefährlichen und billigen Gegend des Schwarzmeerkreises angesiedelt. An gleicher Stelle hatte schon vor 20 Jahren eine Schlammlavine alles wegplaniert. Pater Marek erzählte mir von seinem Gespräch mit einer alten Frau, die vor nicht langer Zeit nach Russland gekommen war und noch nicht einmal einen russischen Pass hat. Mit ihrem Bett wurde sie im Dunkeln aus dem zusammenbrechenden Haus fortgerissen. Bekannte konnten sie trotz Dunkelheit und starker Strömung retten. Er erzählte aber auch von der Familie, die am Morgen in die Reste des Nachbarhauses stieg und acht Toten die Gesichter wusch, um sie zu erkennen. Die Familien wohnen jetzt in je einem Hotelzimmer in der Umgebung. Man hat ihnen neue Häuser versprochen. Dennoch fehlt es -, und wird an vielem fehlen. Mit seiner Gemeinde hat Pater Marek schon geholfen, was er konnte. Ich bin mir nicht sicher, ob er weiß, dass ich in solchen Situationen beim Sankt Clemens Verein anklopfe. Mir schien eher, dass ihm die Situation der Familien sehr zu Herzen geht.