Mittwoch, 15. Dezember 2010

Nachklang zum Marienfest

Ein großes Fest für unsere Schwestern aus Mexiko ist das Unserer Lieben Frau von Guadalupe. Es fiel in diesem Jahr auf den 3. Adventssonntag. Das war der Anlass für eine Einladung zum Mittagessen, der ich heute, "zwischen Schreibtisch und Schreibtisch" gern nachkam. Im Büro gab es heute zwei Ernennungen: die des neuen Dekans für das Dekanat Rostow-am-Don und die des neuen Kaplans für Orenburg. Es ging um eine junge Frau, die ins Kloster eintreten möchte, um jemanden, der einen Hilfstransport aus Deutschland anbietet, aber möglicherweise noch nie mit dem russischen Zoll zu tun hatte, um eine alleinerziehende armenische Mutter, die mit ihrem siebenjährigen Sohn hungert und der die Obdachlosigkeit droht, um einen Fehler in den polizeilichen Einladungspapieren für einen ausländischen Priester (was Verzögerung der Reiseplanung bedeutet), um zwei teure Autoreparaturen im Bistum, um den ablaufenden Vertrag mit einer Ordensgemeinschaft etc. - Nicht unbedingt interessant, nicht wahr? Am Abend kam noch eine Sorge hinzu: eine Jugendliche, die dringend einer Operation bedarf, liegt seit drei Tagen wieder hier in Saratow im Krankenhaus, weil ihr die behandelnde Ärztin vor einem Monat versprochen hatte, die OP kostenlos vorzunehmen, nur eben nicht sofort, sondern nach dem 13. Dezember. Die Operation würde 20.000 Rubel (ca. 494 Euro) kosten. Das bekommt die Studentin im Laufe eines ganzen Jahres nicht zusammen. Heute schien die Ärztin ihr Versprechen schon vergessen zu haben. "Ich operiere dich überhaupt nicht", sagte sie, und plant, die Jugendliche trotz zunehmender Schmerzen und Behinderungen zu entlassen. Statt zu operieren, was nach Meinung zweier anderer Ärzte eindeutig notwendig ist, will sie erneut Medikamente verschreiben, zum sechsten Mal das Gleiche.