Samstag, 25. Dezember 2010

Notiz incl. Weihnachtsgeschenk aus Marx an der Wolga

Auch wenn die Leute nur auf’s Neujahrsfest hin leben und Weihnachten höchtens nach ostkirchlichem Kalender, dann nämlich am 7. Januar, eine Rolle spielt, auch wenn die Medien im Voraus nicht darauf hingewiesen hatten und die Leute zur Arbeit gingen, gestern, und sogar heute, am Samstag, den 25. Dezember, … die beiden katholischen Kirchen in Saratow und Marx waren voll, gestern und heute auch. “Der Friede sei mit Euch”, grüßte ich als Bischof nach dem Kreuzzeichen am Anfang der Messe. Das erinnert jedesmal an die Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Jesus bei verschlossenen Türen am Abend des Ostersonntags. “Der FRIEDE sei mit Euch” – kann man heute, zu Weihnachten, auch als Wort des Vaters im Himmel verstehen. Er hat genau dieses Wort ausgesprochen, im Stall in Bethlehem. "Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt", und möge unter uns wohnen: Christus, der Friede sei mit Euch und allen Menschen!

Sowohl in Saratow, als auch in Marx, hat sich eine Tradition herausgebildet, der entsprechend am Heiligabend nach der Christmette die Pfarrjugend ihr Krippenspiel aufführt, und am 25. Dezember im Anschluss an die Messe dürfen die Kinder zeigen, was sie eingeübt haben. Ausnahmsweise zu beiden Gottesdiensten war ich in der Kathedrale, denn die Fahrt nach Marx, heute Morgen, hatte ich wegen Glatteis nicht riskiert. Inzwischen bin ich in Marx. Und morgen, am Fest der Heiligen Familie, werde ich sicher hier sein, denn hier darf ich eine Jugendliche (20) taufen. Warum die angehende Krankenschwester Christin werden will? Weil sie mit einer katholischen Jugendlichen zusammen wohnt, die ihren Glauben ernst nimmt. Das hat grossen Eindruck auf sie gemacht.

Wegen Glatteis hatte gestern auch das einzige Marxer Busunternehmen kurzfristig die beiden Busse gestrichen, die Gläubige aus zwei Dörfern am Abend zur Christmette bringen sollten. Auch aus anderen Orten der Umgebung konnten die Leute nicht kommen, weil es zu glatt war. In einem jener Dörfer war ich heute Nachmittag, ganz unverhofft. Ich hatte frei. Dort habe ich die Weihnachtsmesse (“vom Tage”) in einem Wohnzimmer gefeiert, wie zur Zeit, als ich hier in der Gegend Pfarrer war. Wir waren insgesamt neun Leute, vielleicht so viele wie Maria und Josef mit dem Kind und den Hirten zusammen.

Die Schuhe lässt man im Dorf im Hausflur stehen. An den Wänden hängen Familienfotos, die mehr retuschiert als fotografiert sind. Fernseher und Spiegel sind mit Tüchern verhangen. Auf den Betten stehen grosse, bestickte Kissen. Alle Heiligenbilder, die Priester je mitgebracht haben, stehen oder hängen in einem Winkel. Die Erwachsenen freuen sich wie Kinder, … Wie gut kenne ich das alles, und habe es doch schon ein bisschen vergessen!

Zum Ende des ersten Weihnachtstages – als kleines Geschenk – hier eins der Lieder, die von den Marxer Kindern auf eine CD aufgenommen wurden: “Sternchen”.