Freitag, 18. März 2011

Pater Con: Missionar - Einsiedler - Vater - Bruder - Freund

Zu zweit,  fast 24 Stunden unterwegs im Zug, besuchten mich gestern Pater Con (Cornelius) und ein Helfer aus dem Krasnodarer Gebiet, um mir die 100 kg schweren Ausstellungsmaterialien über das Turiner Grabtuch nach Saratow zu bringen. Wir wollen die Ausstellung in der Fastenzeit in der Kathedrale für Predigt und Katechese benutzen, und nach Möglichkeit auch die Öffentlichkeit (Schulklassen, orthodoxe Christen, …) einladen.
Es gab viel zu besprechen mit dem irischen Herz-Jesu-Missionar. Dass es gerade der Sankt-Patricks-Tag war, ein Fest in seiner ursprünglichen Heimat, hatte der Pater ganz vergessen. So sehr lebt er (im) hier. Er lebt allein, wie ein Einsiedler, und gleichzeitig unter den Leute, so sehr, dass sie ihn oft mehr lieben, als ihre eigenen Eltern. Er betet viel, und ist viel unterwegs. Leider ist er nicht sehr gesund. Aber er lässt es sich nicht anmerken, (so gut er kann). Seit Jahren bittet er mich um einen zweiten Priester, Ordensschwestern oder eine Familie, die ihm helfen könnten. Seine Kräfte gehen zu Ende. Am Rande des Gesprächs äußerte er eine ungewöhnliche Bitte. Wegen seiner vielen Ortschaften, die P. Con betreut, hatte ich seine Bitte um einen Kleinbus an die großen Hilfswerke unterstützt. Mit großer Freude konnten wir das Auto im vergangenen Jahr kaufen. Gestern bat Pater Con:  „Nehmen Sie den Kleinbus weg in eine andere Pfarrei. Meine Leute sind zu arm. Die verstehen das nicht. Seit ich das ‚gute Auto‘ habe, hat sich das Verhältnis der Menschen zu mir geändert. Ich bin jetzt ein Reicher für sie…“ Auch korrupte Polizisten an den Straßen würden ihn nun öfters anhalten und mit fadenscheinigen Begründungen gleich mal (und nicht weniger als) 500 Rubel verlangen, einfach so. „Ich habe das Geld nicht“, sagt Pater Con, und bittet: „Nehmen Sie das Auto so schnell wie möglich!“ (Ich schreibe das nicht, weil wir keine Kleinbusse brauchen, in unserer weitläufigen Diaspora, im Gegenteil! Ich schreibe, weil ich betroffen war, und weil P. Con ein sehr guter Priester ist.)
Und beinahe schon "P.S.": Zum ersten Mal war ich P. Con begegnet, als er im Winter 1992/93 unangemeldet mit einem neuen Lada aus dem Fiatwerk im russischen Togliatti auf dem 2.500 km langen Heimweg in den Kaukasus nachts bei mir in Marx vor der Tür stand, weil ihn Straßenräuber verfolgten, die es auf neugekaufte Autos abgesehen hatten. (Uff! Jetzt habe ich mal einen fast so langen Satz geschrieben, wie es eigentlich nur Deutsche in Deutschland zustande bringen.)
Am Wochenende (Abfahrt Freitag mittag, Rückkehr Montag abend) bin ich im Gebiet Rostow-am-Don, nämlich in unseren Pfarrgemeinden in Schachty und Nowotscherkassk.