Montag, 11. April 2011

Pastoralbesuch in Orenburg - 9./10. April 2011

Kreuzwegbeten in der Marienkirche in Orenburg
Mein nicht allzu langer Besuch der Pfarrgemeinde in Orenburg hatte keinen „besonderen“ Grund. Samstag früh halb zwei kam ich nach einem stürmischen Flug in einer ausgedienten Boeing pünktlich an. Der Tag diente dem Austausch mit dem jungen Pfarrer, Pater Waldemar, und dem ebenfalls hier wohnenden Regionaloberen der Redemptoristenpatres, Pater Dariusz. Zur Abendmesse kam eine beachtliche Zahl Gläubiger. Im Anschluss versammelten wir uns im sogenannten „Cafe“, einem Gemeindesaal mit Küche. Wie vorhergesagt, begann am Abend ein kräftiger Frühlingsregen, was bei den eifrigen Seelsorgern mit der Befürchtung einer sonntags halb leeren Kirche einherging. Früh schien die Sonne.
Am Beginn der feierlichen Liturgie wurde ich von einem Dozenten des in der Pfarrei seit vielen Jahren organisierten Theologiestudiums begrüßt. Nach ihm traten zwei Kinder ans Mikrofon, die ihre auswendig gelernten Verse spontan und ungewollt ein wenig umdichteten. Eine Oma war im Zweifel, ob es gut sei, mir den selbstgebastelten Esel der Kinder zu schenken. Ich ahnte, dass es mit Palmsonntag zu tun hätte, womit denn sonst. (-:
Deutlich war in Orenburg ein Phänomen zu bemerken, mit dem wir in Russland mehr oder weniger alle vertraut sind: Es fehlt zurzeit an heranwachsenden Jugendlichen, also z.B. an Ministranten. Aber das ist nicht so tragisch, wie es im ersten Moment klingt. Einst waren es Kinder und Jugendliche, die den Weg zur Kirche fanden, noch bevor deren Eltern einen Schritt über die Glaubens-Schwelle wagten. Heute sind diese ehemaligen Jugendlichen junge Eltern. Sie kommen mit ihren Kindern, teilweise auf dem Arm, zur Kirche. Es normalisiert sich also das Bild unserer Sonntagsgemeinden, im guten Sinne. In ein paar Jahren werden diese schon in christlichen Ehen geborenen Kinder Jugendliche sein, …
Nach der Sonntagsmesse beteten wir mit denen, die blieben, den Kreuzweg. (Foto: Der Blick in die Kirche lässt nicht mehr vermuten, dass hier Jahrzehnte lang eine Schuhfabrik untergebracht war. Nur darum blieb das Gebäude erhalten.) Dann war ich Briefbote. Das Bistum ist groß. Meine Reise nach Orenburg war für manche ein Grund, etwas mitzugeben. Beim Mittagessen war Zeit, mit den Schwestern der beiden Ordensgemeinschaften zu sprechen, die in Orenburg leben. Anschließend reichte es für einen Spaziergang durch die Stadt, sogar bis über den Fluss Ural, an dessen östlichem Ufer man ja bereits auf asiatischem Boden steht.
Jeden Sonntagabend beten Seelsorger und Schwestern in der Orenburger Pfarrkirche eine ganze Stunde vor dem in einer Monstranz ausgesetzten Allerheiligsten für ihre Gemeinde, besonders für die, die schon lange nicht mehr zur Kirche kommen. Ein Ehepaar hatte gestern zum ersten Mal im Leben die offene Kirche betreten und war die ganze Stunde über geblieben.
Am Montagmorgen ging mein Flug nach Moskau um 8.00 Uhr. (Ankunft, wegen der zwei Stunden Zeitverschiebung: 7.55 Uhr.) Dann dauerte es lange, bis das Flugzeug einen Stellplatz gefunden hatte. Den Weiterflug nach Saratow, 9.20 Uhr, schaffte ich dennoch problemlos.