Dienstag, 19. April 2011

Weihe der heiligen Öle (2)

18 Priester der drei nördlichen Dekanate unseres Bistums nahmen an der Weihe der heiligen Öle in Saratow teil. Auch hier war es ein festlicher Gottesdienst, der eine Vorahnung von Ostern vermittelte, schon allein dadurch, dass es im Laufe des Jahres nur wenige Gelegenheiten gibt, die viele Seelsorger aus weit voneinander entfernten Regionen zusammenführt. Begegnung in der Diaspora ist immer eine Erfahrung von Freude und – tiefer gesehen – Gnade. Zur Liturgie gehörte auch heute die Erneuerung der Weiheversprechen unserer Priester. Darum war die Predigt eine Besinnung auf den Grund unserer Anwesenheit in Russland: Nur zwei der oben genannten 18 sind Russen, die anderen 16 - Ausländer. Viele ausländische Priester, u.a. auch ich, kamen nach Russland, weil hier katholische Christen ihre Seelsorger in der Zeit des totalitären Regimes verloren hatten und seit Jahrzehnten auf Priester warteten. Andere, besonders solche, die später gekommen sind oder gar hier zum Priester geweiht wurden, sehen unsere Präsenz in einer Art Brückenfunktion begründet: Durch die Anwesenheit der lateinischen (westlichen) Tradition hier im Osten, ist persönlicher Dialog im Alltag möglich, nicht nur stundenweise, wie es bei sogenannten Spitzentreffen geschieht. Was aber, wenn die Zweifel aus den eigenen Reihen kommen? Denn der Priestermangel in Westeuropa lässt manchmal sogar Freunde dort und Seelsorger hier in Frage stellen, ob es der richtige Platz für uns sei. Es gäbe zu wenig Arbeit, heißt es im Blick auf die kleinen Zahlen von katholischen Gläubigen und die wachsenden Ausgaben für elementarste Notwendigkeiten. Das heutige Evangelium (Messe vom Gründonnerstag, „Chrisam-Messe“) antwortet klar und ruhig: „… der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18.19). Für mich liegt in diesen Worten der Grund für meine Anwesenheit hier in Russland, und auch für die Anwesenheit der katholischen Kirche. Ohne jeden Anschein von Konkurrenz, gibt es mehr als genug zu tun, für alle. Noch kürzer gesagt, mit den 7 Worten eines Buchtitels von P. Reinhard Körner OCD über Berufung: Ich bin hier, „weil ER es so von mir will.“