Mittwoch, 25. Mai 2011

Vulkanasche ließ mir heute Zeit, noch in Berlin ein paar Gedanken zur vergangenen 13. Pastoralkonferenz niederzuschreiben

Im Konferenzsaal
Zu sagen, dass sie etwas ganz besonders gewesen wäre, klingt unverständlich auf dem Hintergrund, dass wir jedes Jahr mit ähnlicher Freude und Dankbarkeit in unsere Gemeinden zurückkehren. Es waren frohe, interessanten, lehrreiche und ermutigende Tage.
Alle „Intentionen“ fanden eine gelungene Umsetzung: Mit großem Interesse nahmen die Priester und Ordensleute auf, was sie über die katholische Kirche Litauens und deren Bedeutung in den Jahrzehnten der Christenverfolgung in der Sowjetunion des 20. Jahrhunderts, aus erster Hand erfuhren. Das persönliche Zeugnis von Erzbischof Tamkeviczius und das der Ordensschwester Nijole Sadunajte, die die Hölle sowjetischer Gulags durchschritten hatten, bewegte tief. Beide sind – Gott sei Dank - ungebrochene, frohe Christen geblieben. Der geschliffene Vortrag unseres ehemaligen Moskauer Erzbischofs Kondrusiewicz über die Rolle der Laien im postsowjetischen Umfeld, beeindruckte auf seine Art. Speziell aus Rom angereist, sprach Jesuitenpater Milan Zust vom Päpstlichen Rat der Sorge um die Einheit der Christen zu uns. Frau Dr. Schmähling von Renovabis (Freising) nahm einen Tag an unserer Versammlung teil. So bekam die „Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen Mittel- und  Osteuropas“ für viele ein Gesicht. Einer unserer jungen Kapläne hatte sich gewissenhaft auf einen eingehenden Vortrag zu liturgischen Praktiken vorbereitet und hielt ihn auf eine exzellente Weise. Den ersten Tag hatte ich mir reserviert, um Gedanken der Konferenz vom vergangenen Jahr aufzugreifen und fortzuführen. Ich knüpfte am hoffentlich nicht vergessenen „Priesterjahr“ an und bemühte mich, die Verbindung zwischen persönlichem Alltag und einer gezielten pastoralen Arbeit im Bistum zu unterstreichen.
Küchendienst
Einen Gottesdienst feierten wir in der Kathedrale von Vilnius, zu dem uns Herr Kardinal Backis eingeladen hatte. Anschließend gab es spontan eine Tasse Kaffee bei ihm zu Hause, für jeden von uns 100 Teilnehmern! Dass sakrale Orte eine besondere geistliche Atmosphäre und beinahe übernatürliche Tiefe haben, erlebten wir während der heiligen Messen in „Ostra Brama“ und in der „Kapelle der göttlichen Barmherzigkeit“. Architektonische und natürliche Landschaft vermittelten Erholung auf eigene Weise. Die Abende waren gewöhnlich frei. Nur am Donnerstag beten wir alle gemeinsam eine Stunde in Erinnerung an das Gebet Jesu im Garten Getsemani. Auch morgens und tagsüber beteten wir nicht selten gemeinsam, auch dann, wenn es vom Programm her nicht vorgesehen war. Wer mit seinem Glauben in der Diaspora wohnt, erlebt solche und ähnliche Begegnungen doch wohl besonders intensiv. Der Küchendienst, von Kartoffelschälen bis Abwaschen und Tische Decken, war jeden Tag einem anderen Dekanat zugeteilt. Das war viel Arbeit! Manche fand ich jeden Tag in der Küche, wo sie freiwillig den anderen halfen. An einem Abend war ich zum Erzählen bei den litauischen Seminaristen eingeladen, in deren Seminar wir Priester wohnten. Die Schwestern hingegen übernachteten dort, wo wir uns auch zum Beten, Essen, zu den Vorträgen und zur Gruppenarbeit trafen, in einem Exerzitienzentrum, das einst Sommerresidenz der Bischöfe von Vilnius war, einen halbstündigen Fußweg vom Priesterseminar entfernt.
P. Ignatius malt, statt zu fotografieren ...
Der Abschlussabend im Freien war schon eine Art Einstimmung auf die dreimonatigen Sommerferien, die dieser Tage bei uns in Russland beginnen und – wie immer – besonders der Kinder- und Jugendseelsorge gewidmet sein werden.
Möge der erneuerte Enthusiasmus alle für ein weiteres Jahr im Wunsch beflügeln, Christus bis in die Herzen der Menschen zu tragen.