Montag, 9. Mai 2011

Samara - in 18 Stunden hin und zurück

Bis nach Samara sind es von der Nachbargemeinde in Marx nur noch 359 Kilometer. Ich borgte mir den Kleinbus bei P. Tomasz aus und nahm die Novizinnen aus dem Kloster mit. Es wurde eine kleine Wallfahrt in die große, neugotische Herz-Jesu-Kirche. Einige der Schwestern hatten noch nie im Leben eine Kirche gesehen, die noch vor 1917 gebaut wurde. Damit wir pünktlich um 10.00 Uhr zur Sonntagesmesse ankommen würden, brachen wir 3.30 Uhr auf. Und es erwies sich als nicht zu früh. Die Straßen waren in einem so schlechten Zustand, dass ich streckenweise nur 20 km/h fahren konnte. Auf langen Geraden sah ich LKWs auf mich zukommen, als ob sie an einem Slalom-Cross-Rennen teilnehmen würden: rechts-links-rechts, Gegenlicht, Staub, … Trotz aller Mühe, überforderte ich die Stoßdämpfer zweimal "ein wenig". 
Grund für den Besuch war die Pfarreinführung von P. Dariusz, der gleichzeitig mein Generalvikar in Saratow ist. Die liturgischen Worte der Pfarreinführungen gingen manchen Gottesdienstbesuchern unter die Haut, als da nämlich von ihren unsterblichen Seelen die Rede war, die ich dem neuen Pfarrer anvertraute. So sagte mir jedenfalls jemand nach der Messe. Am gleichen Tag feierte Schwester Edita, eine der in Samara tätigen Ordensschwestern, ihren Geburtstag. Und zufällig fiel der Termin auch noch mit der Visitation durch die Provinzoberin der Schwestern zusammen.
Nach dem Gottesdienst führte die Pfarrjugend ein Theaterstück über Johannes Paul II. auf. Die jüngste Darstellerin war 5 Jahre alt und beherrschte ihre Rolle perfekt. Das Stück war interessant und einfühlsam gestaltet. Es stammt aus der Feder von Schwester Marzenna, die schon viele Jahre in Russland lebt. Anschließend gab es Mittagessen. Und dann nutzte ich die Gelegenheit für eine Vorbesprechung letzter Details unserer Pastoralkonferenz, über die bald auch hier die Rede sein wird.
Auch der Rückweg nahm etwas mehr als 5 Stunden in Anspruch. Wir suchten mehr als eine Stunde aktiv nach einem Platz zum kurz Anhalten unterwegs. Obwohl ich inzwischen einiges gewöhnt bin, erschraken mich die Müllmengen am Straßenrand. Im Dunkeln waren wir aufgebrochen, im Dunkeln kehrten wir heim. Dass Fahrzeuge für unsere Pfarreien, die wir dankenswerter Weise seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe von „Renovabis“ und „Kirche in Not“ erwerben, früher als in Deutschland üblich, ersetzt werden müssen, bedurfte nach einer solchen Fahrt keiner weiteren Argumente. (Der Marxer Kleinbus wurde vor sechseinhalb Jahren gekauft, damals sogar mit Hilfe einer Sonder-Aktion des MDR. Er hat jetzt 170.000 km russischer Diaspora-Straßen hinter sich, klappert und quietscht in allen Ecken, …)