Montag, 2. Mai 2011

Wolgodonsk in Stichpunkten

Die Stadt ist ca. 60 Jahre jung, liegt zwischen Wolga und Don, wurde gebaut wegen des Wolga-Don-Kanals und des hier befindlichen Atomkraftwerks. 730 km von Saratow entfernt. Unterwegs dorthin nur ein Mitbruder: der Steyler Missionar in Wolgograd. In Wolgodonsk lebt seit einem Jahr der Kaplan von Nowotscherkassk. Bis zum Pfarrer sind es für ihn 250 km. Er fährt nicht selbst Auto und hat auch keins. Einziges öffentliches Verkehrsmittel ab Wolgodonsk: Linienbusse. Kleine Pfarrgemeinde, sehr selbständig im Sinne von "Pfarrbüro". Die Verantwortungen sind gut verteilt, was nicht selbstverständlich ist, nach den vielen priesterlosen Jahren in jüngster Vergangenheit. Geistliches Potential, guter Wille, freundschaftlicher Umgang miteinander.
Ich besuchte die Gemeinde von Samstag mittag bis Sonntag mittag. Jede Mahlzeit bereitete jemand anders vor. Alle wollten einmal für ihren Bischof kochen. In der Sonntagsmesse taufte ich eine vier Monate alte Maria. Sergej, ihr 14-jähriger Bruder empfing die erste heilige Kommunion. P. Alexej ist streng und gut mit den Leuten. Sie haben ihn gern. Er macht sich große Sorgen wegen seines Bruders, der seine Hilfe braucht und keine anderen Verwandten hat. In der ehemals sozialistischen Stadt (vgl. in etwa: Eisenhüttenstadt in der DDR) gab es keine einzige Kirche. Jetzt werden orthodoxe Kirchen gebaut. Das Verhältnis zu den orthodoxen Geistlichen in der Stadt ist brüderlich offen. Unsere Gemeinde versammelt sich seit 15 Jahren in einer Holzkirche vom Verein "Kirchen für den Osten", die mit Mitteln von "Renovabis" finanziert wurde. Einen Brandanschlag hatte sie vor Jahren glimpflich überstanden. Auf dem gleichen Grundstück steht ein kleines Pfarrhaus. Spuren eine Gemeindepartnerschaft mit St. Josef in Dresden-Pieschen sind zu sehen. Danke für Freundschaft und Interesse!
Leichter Termindruck ließ mich am Sonntag nachmittag um 15.00 Uhr wieder aufbrechen. Da die Strassen am 1. Mai relativ frei waren (u.a. frei von Verkehrskontrollen), reichten Kraft und Wille bis nach Hause, wo ich nachts, kurz vor eins eintraf.