Mittwoch, 22. Juni 2011

Judas Thaddäus und ein Kloster an der Wolga

Am frühen Morgen des vorletzten Studientages für die Dienerinnen Jesu in der Eucharistie in Marx, feierten wir eine Votivmesse zu Ehren des heiligen Apostels Judas Thaddäus. Die Schwestern beten gern zu ihm. Er ist in frommen Kreisen bekannt als Helfer in ausweglosen Nöten. Derzeit beten die Schwestern zum Beispiel eine Novene für Schwerstkranke zu ihm, d.h. mit der Bitte um seine Fürsprache. Reliquien von Heiligen werden in Russland besonders verehrt. Die Schwestern hatten jahrelang gesucht und gefragt, ob es nicht irgendwo eine Reliquie ihres besonderen Nothelfers gäbe. Bis zu Kardinal Meisner nach Köln war die Bitte schließlich gedrungen. Er nahm sich ihrer an. So konnte ich heute eine kleine Reliquie vom heiligen Judas Thaddäus im Kloster in Marx übergeben. Trotz der frühen Morgenstunde, war es ein Fest. – Ich weiß, mit scharfem deutschen Verstand geht man skeptisch an die Sache: Alles, was aus den ersten drei christlichen Jahrhunderten stammt, unterliegt dem Gesetz der (Un)wahrscheinlichkeit. Das wissen auch die Schwestern. Reliquien sind nicht das Allerheiligste. Interessant und schön ist das Vertrauen, mit dem die Schwestern ins Gebet gehen. Erstens kann ja auch nicht gleich jemand die Unechtheit der Reliquien beweisen, und zweitens kann es doch durchaus auch Wunder geben, die – ähnlich wie bei Heiligsprechungsprozessen – als Bestätigung gewertet werden dürfen.