Montag, 18. Juli 2011

Ein sehr schönes langes Wochenende

Ich möchte schon gern - zumindest – zusammenfassen, was ich am vergangenen Wochenende erlebt habe. Mehr als der übliche Telegrammstil wird es aber nicht werden. Bereits am Donnerstag war ich nach Nalchik geflogen. Mit dem Auto wage ich mich nicht in die kleinen Kaukasusrepubliken, nicht etwa wegen der Straßen. Die sind dort besser als bei uns…

Am Freitagmorgen besuchte ich die derzeit nur zwei Schwestern der Gemeinschaft St. Jean in Blagoveshenka. Sie sind kontemplative Schwestern und tun dennoch – ohne ihre Ordensregel zu verletzen - viel unter den Menschen. Sie haben gerade zwei orthodoxe Frauen aus Moskau zu Besuch, die mit den Kindern aus dem Dorf töpfern und ein schönes christliches Zeugnis geben. Von zwölf bis eins war eine Katechese für mich reserviert. Ich war sehr erstaunt, wie aufmerksam die ca. 20 Kinder auf den Kirchenbänken saßen und zuhörten, Fragen stellten, mitmachten. Kannte ich doch die Rasselbande vom vergangenen Jahr. Zum Mittagessen unter einer Plane im Freien, wie bei einer großen Hochzeit, waren wir dann doch wohl über 60 Personen: eine Jugendgruppe aus Litauen, eine Laienspiel- und Gesangsgruppe aus der kabardinischen Hauptstadt Nalchik, Leute vom Dorf, … Nach einem lustigen Programm: Rückfahrt nach Sankt Josef (45 km). Dort Abendmesse in der Kapelle im zweiten Stock eines Wohnhauses. Dann der besagte Gesprächsabend. Es ist eine der besonderen Gaben des Pfarrers, P. Laurent, Freundschaft mit Gläubigen anderer Konfessionen und Religionen zu halten. So wurde der Abend sehr interessant. Obwohl es sehr verschiedene Meinungen gab, vermochten es alle, den jeweils anderen zuzuhören. Eben darum blieb es friedlich. 

Samstag: Messe im Haus der Schwestern von Mutter Theresa. Auch hier derzeit nur zwei Schwestern, dazu acht Hausbewohner, denen die Schwestern aus ihrer Hoffnungslosigkeit geholfen haben. Zwei der älteren Männer baten um ein Einzelgespräch. Nie hätte ich so viel geistliche Tiefe erwartet, wie ich da erlebte! Im Hof weihte ich eine Marienstatue. Zum Mittagessen fuhren wir nach Alexandrowskaja. Dort waren wir bei Otiez Sergej eingeladen, der inzwischen 28 Jungen und 4 Mädchen adoptiert hat, praktisch Straßenkinder. Jetzt baut er neben seinem Haus und der Kirche ein orthodoxes Jugendzentrum mit Sportsaal, Übernachtungsmöglichkeiten u.v.m. „Man muss etwas tun, damit die Jugend nicht in Drogen und Gewalt gleitet“, sagt er. Später fuhren wir weiter nach Prochladny zur Firmung.

Die Sonntagsmesse feierte ich in der Hauptgemeinde, denn alle drei werden von da aus, von Nalchik, betreut. Hier wohnen Pater Laurent, Pater Dan und Bruder Karl Emanuel (Diakon). Jene, die sich in Listen eigetragen hatten, durften danach mit dem Bus zum Gemeindefest nach Prochladny mitfahren (55 km), wo es Mittagessen für alle gab und wo schließlich, in der feierlichen Vesper um 17.00 Uhr die Fresken der Kapelle geweiht wurden. Der orthodoxe Künstler hat viel meditiert, bevor er die Wände der Pfarrei „Heilige Familie“ gestaltete. (Das ist ein Kapitel für sich.)

Natürlich war das, was ich hier kurz niedergeschrieben habe, längst nicht alles. Und es war eher sachlich, als persönlich. Ich habe mich gefreut, dass ein "volles Programm" vorbereitet war und dass ich viele Gesichter gut kannte, sprich: dass die Leute seit Jahren treu zur Kirche gehören. Die politische Unruhe im Land war unter den Gläubigen nicht zu spüren. Nur nachts hörte man Schüsse, die man fast für Feuerwerk hätte halten können. Im Vorfeld hatten mir die Seelsorger einen Ausflug in die Berge vorgeschlagen. Und ich hatte zugunsten von Begegnungen darauf verzichtet. Als ich dann die schönen Fotos vom letzten Ausflug mit der Pfarrjugendgruppe sah, tat es mir fast leid, nicht selbst oben gewesen zu sein. Daher auch das Bild in der Mitte der Collage im vorhergehenden Beitrag. Beim nächsten Mal, vielleicht, …

Eins noch: Unlängst bekam ich eine Spende von der Leipziger Pfarrjugendgruppe aus Sankt Bonifatius. Sie hatten bei verschiedenen Aktionen in der letzten Zeit gesammelt. Ich sollte es einer Jugendgruppe für eine gemeinsame Unternehmung oder etwas, woran sie Freude haben, weitergeben. Zwar habe ich die Antwort auf meinen konkreten Vorschlag nicht mehr vor der Reise erhalten. Ich habe das Geld jedoch bereits in Blagoveshenka gelassen. Dort werden in den nächsten Wochen 3-4 Fahrräder für das Geld gekauft. (Ich hoffe, dass das in Blagoveshenka noch keiner liest. Es soll eine Überraschung werden.)