Sonntag, 31. Juli 2011

Was lange währt, wird gut.

Bei der Predigtvorbereitung auf die heutige Sonntagsmesse blieb ich bei den ersten Worten der Lesung aus dem Buch vom Propheten Jesaja hängen, der die Durstigen zum Wasser ruft, auch jene, die kein Geld hätten, (Jes 55,1). Ich nahm es als Predigtanfang, indem ich an die humanitären Hilfstransporte erinnerte, die vor 20 Jahren, besonders in den Monaten um den Zusammenbruch der Sowjetunion herum, aus Deutschland kommend, bei uns eintrafen. Das soziale Verantwortungsgefühl vieler Menschen im Westen war wach, die Wirtschaft in Russland schwach. Die Zollbestimmungen erlaubten die Einfuhr von Lebensmitteln, Textilien u.v.m. beinahe problemlos, zumindest im Vergleich zu heute. Eigentlich wollten wir als Kirche ja etwas anderes bringen, und wir mühten uns darum. Heute ist es schwer geworden, etwas zu bringen, sowohl humanitäre Hilfe für immer noch Bedürftige, als auch „das Andere“. Und was das sei? –Ich antwortete mit einem Zitat aus der Dankrede, die der Pfarrgemeinderatssprecher letzten Sonntag in Tambow hielt, als wir dort die Ordensschwestern verabschiedeten. Er sagte wörtlich: „Das größte Defizit, unter dem wir heute leiden, ist die fehlende Liebe.“
Heute nach der Messe in Marx, blieben eine Menge Leute draußen vor der Kirche stehen und hatten sich viel zu erzählen. Eine Frau kam zu mir und sagte: Erinnern Sie sich, vor 20 Jahren war auch ich eigentlich nur wegen der Bananen zur Kirche gekommen, die meine Kinder mit nach Hause brachten. Sie sagten mir damals, ich solle am Donnerstag zur Katechese kommen. Ich bin am Donnerstag gekommen, … nur 20 Jahre später.“ Ich kenne die Frau gut, und ihre Kinder, und ihr Schicksal. Ein schwerer Weg zum Licht! Aber es scheint, sie hat es geschafft.