Freitag, 19. August 2011

Letzte Katechese und Geschenke für den Papst

Im Laufe der Zeit, ich meine die vergangenen Jahre, war bei mir der Eindruck entstanden, dass wir in Russland zu oft über geistliche Berufungen, Berufungen zum gottgeweihten Leben, predigen und der Katechese über die Berufung zur Ehe zu wenig Raum geben. Gestern beklagten sich Jugendliche am Ende der Katechese über das Gegenteil. Darum hatte ich für heute das Thema Priester- und Ordensberufung versprochen. Die Jugendlichen waren sehr aufmerksam. Und ich brauchte keinen Zettel, denn das Thema liegt mir sehr am Herzen. Nachdem ich die Katechese abgeschlossen hatte, die im Grunde ein Impuls zum Gespräch sein sollte, ging es unaufhörlich mit „Frage-Antwort“ weiter. Ich brach dann ab, um noch eine kleine Pause vor der Messe zu ermöglichen. Waren es doch wieder viele hundert junge russischsprachige Christen, die am dritten Katechesetag zur Kirche gekommen waren. Es fehlte eine große Gruppe orthodoxer Jugendlicher, die heute das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel feiern. Zum Treffen junger Ordensschwestern mit dem Papst hatten wir einige Schwestern unserer Gruppe angemeldet. Leider war nie eine Antwort gekommen. Das Organisationsbüro ist überfordert und konnte auch nach unserer Ankunft in Madrid keinerlei Information über die Akkreditierung unserer Schwestern geben. Auch manche andere Unklarheiten sprechen von einem Mangel an Organisation, was aber die Freude an den Tagen nicht wesentlich hemmt. Einbrüche und Diebstähle zähle ich nicht in der Mängelliste.
Unsere Jugendlichen hatten drei Geschenke für den Papst vorbereitet und nicht erwartet, dass es so schwierig sein könnte, sie ihm zu übergeben: ein Paar russische Filzstiefel – für seinen ersten Besuch in Sibirien, eine von einer Jugendlichen gemalte (richtig muss es heißen: geschriebene) Marienikone und eine bestickte Palla für einen Kelch während der heiligen Messe. Unerwartet für mich, bat Pater Fernando, unser Hauptorganisator, nach der heiligen Messe am Mittag, ob wir nicht zur Nuntiatur fahren und dem Papst unsere Geschenke übergeben könnten. Ich hielt es für aussichtslos. Er gab nicht nach. Der Pfarrer brachte ihn, zwei Jugendliche und mich direkt vor die Haustür. Natürlich stürzten sofort Sicherheitsbeamte auf uns und erklärten freundlich, aber eindeutig, dass wir uns aus dem Staub machen sollten, wenn wir niemanden in der Nuntiatur kennen. – „Gut. Ich habe getan, was ich konnte“, beruhigte ich mein Gewissen, als wir wieder im Auto saßen. Die drei aber gaben noch nicht auf. Sie saßen hinten im Auto und beteten. Worum wohl? Mir fiel ein Freud ein, der vielleicht jemanden kennt, … Dass er den persönlichen Sekretär des Heiligen Vaters kennen würde, hatte ich nicht erwartet. Doch schon hatte ich dessen Handynummer. Natürlich hatte er keine Zeit, persönlich an die Pforte zu kommen, aber er meinte, ich sollte es nochmal versuchen und mich auf ihn berufen. So öffnete sich die Tür. Wir durften noch schnell einen kleinen Brief an Papst Benedikt schreiben und übergaben alles dem spanischen Beamten, der uns geöffnet hatte. In Ruhe machten wir noch ein Foto, zum Beweis für die anderen. Dann spazierten wir an den Polizisten vorbei zum Auto. „Yes!“ riefen die drei und sprangen vor Freude.