Samstag, 13. August 2011

Zaragoza, 13. August 2011

Heute stand uns zum ersten Mal auf unserer Reise eine internationale Messe bevor. Über 1.000 Jugendliche trafen sich dazu am Morgen in San Valerio, hier in Zaragoza. Italiener, Polen, Amerikaner, Franzosen, Spanier, Chinesen und Russen. Gestern Abend erfuhr ich, dass ich – als einziger Bischof – Hauptzelebrant sein werde. Nachdem ich Spanisch als Liturgiesprache ablehnen musste, blieb schon kaum etwas anderes übrig, als in den zweiten Vorschlag einzuwilligen: Eucharistisches Hochgebet in Latein, alles andere in Englisch. Gut, dass ich im Gefängnis – ich meine, bei den Besuchen der ausländischen Gefangenen in meinem Bistum – ein wenig mit den englischen Messtexten vertraut geworden bin. Es schein eine Art Bewährungsprobe für betende Jugendliche zu werden. Als der Lärm aus dersich schnell füllenden Kirche in die Sakristei drang, erinnerte mich das an eine Markthalle in Saratow, und nicht an eine Kirche. Mit Beginn der Messe trat dennoch Stille ein. Und wir haben gebetet, gesungen, zugehört, Eucharistie gefeiert. Auch die Predigt bekam ich im letzten Moment zugeschoben. Ich beschränkte mich auf Englisch und Russisch, was im Großen und Ganzen auch auszureichen schien. Ausgehend vom Berliner Mauerbau, heute vor 50 Jahren, predigte ich über die Berufung von Papst Johannes Paul II. und darüber, wie er half, nicht nur die Berliner Mauer zum Fallen zu bringen. Er rief die Weltjugendtage ins Leben, damit Jugendliche aus Ost und West, Süd und Nord Freunde werden und sich auf dem Fundament ihres Glaubens gemeinsam um die Zukunft sorgen. Tagsüber machten wir uns mit der schönen Stadt vertraut. Heute Abend sind wir auf den großen Platz vor dem Marienheiligtum El Pilar eingeladen, wo wir mit Jugendlichen der ganzen Welt den Rosenkranz beten werden. Bis tief in die Nacht wird dann weiter gebetet werden. (Morgen Abend findet am gleichen Platz ein großes Konzert statt.)