Donnerstag, 15. September 2011

Zwölf Uhr mittags

... habe ich meine drei Gäste aus Deutschland am Bahnhof in Saratow verabschiedet. Samstag, kurz nach 8:00 Uhr am Morgen kommt ihr Zug in Berlin an. Wir hatten in den letzten Tagen noch schnell drei Transitvisa für Weißrussland beantragt. Beim Reisebüro in Deutschland hatte ihnen niemand gesagt, dass sie ohne ein solches Visum in Brest aus dem Zug gesetzt würden, und zwar diskussionslos. Eine junge Frau aus der Pfarrgemeinde war dafür zweimal 16 Stunden mit dem Zug gefahren, Moskau und zurück, und hatte dort an einem Tag alles Nötige erledigt.
Mit einem der Drei hatte ich 1978 mein Studium im Norbertinum in Magdeburg begonnen. Natürlich war Nostalgie in den Erinnerungen. Sie machten aber auch erneut wachsam und dankbar für die Gegenwart. Als ich vom Bahnhof zurück ins Büro kamen, meinten meine Mitarbeiterinnen ganz im Ernst: "Und der will wirklich nicht nach Russland kommen? Er passt sehr gut hier her." Der andere, ebenfalls ein guter und erfahrener Priester, arbeitet beim kirchlichen Gericht. Eine nicht leichte Arbeitsstelle. Er half uns, eine Ehesache hier im Bistum zu klären, in der wir juristischen Rat benötigten. Sein Dienst hat ihm eine große Menschenkenntnis eingebracht.