Sonntag, 23. Oktober 2011

Vertretung am Wochenende

Vom kurzen Wochenende in den Gemeinden "Christus König" (Marx) und "Maria, Mutter der immerwährenden Hilfe" (Stepnoje), bin ich am Abend zurückgekehrt. Besuche in Marx sind stets ein "Heimspiel", nicht nur, weil es gerade mal 60 km dorthin sind, sondern weil ich in einer wichtigen Zeit (auch für mich persönlich) dort Pfarrer sein durfte. Nach der Sonntagsmesse in der einfachen, schönen Kirche, die in einem Monat ihren 18. "Geburtstag" hat, war ich vom Pfarrer gebeten, die Firmvorbereitung mit der entsprechenden Gruppe fortzuführen. Schon lange hatte ich keine Religions- bzw. Gruppenstunde mehr gehalten.
In der Mittagspause reichte die Zeit für eine Besteigung des Kirchturms, von wo aus der größte Teil der Stadt Marx sichtbar ist, im Vordergrund rechts: das neue Pfarrhaus. Links daneben das Haus, in dem unsere Jugendlichen aus armen Dörfern wohnen, denen wir dadurch zu einer Berufsausbildung in der Stadt verhelfen. Die Hügel am hinteren linken Bildrand sind das gegenüberliegende Wolgaufer, die sogenannte Bergseite, während Marx auf der Wiesenseite liegt.
In Stepnoje mußte ich feststellen, dass ich die kleine Gemeinde in diesem Jahr tatsächlich noch nicht besucht hatte. Ich kenne die Geschichte der meisten Einwohner hier von Anfang an. 1992 und 1993 waren sie als Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsgebieten der ehemaligen Sowjetunion in Mittelasien an die Wolga gekommen, besser gesagt, 50 km landeinwärts, in trockene Steppe, die - wie die Erfahrung längst deutlich zeigt - keine Chance auf Zukunft gibt. Den Menschen in Stepnoje geht es sehr schlecht. Trotzdem haben wir uns heute alle gefreut, wirklich gefreut, weil wir uns getroffen haben. Am 20. November wird die Pfarrei in Marx einen Bus bestellen, der nach Stepnoje fährt und die Gläubigen zum Patronatsfest und zum Firmgottesdienst in die Stadt abholt. Dann sehen wir uns noch einmal in diesem Jahr.