Dienstag, 1. November 2011

Großes Fest aller Heiligen

Täglich finden wir in katholischen (und orthodoxen) Kalendern Namenspatrone, - Heilige, deren Namen, Leben und Sterben bekannt geworden sind durch Biographien (manchmal auch Legenden), durch Hinweise in den Geschichtsbüchern, durch Gebetserhörungen und dadurch, dass sie im Volk verehrt werden. Heute, am Fest aller Heiligen, versuchen wir uns bewusst zu machen, und freuen uns darüber, dass es noch viel mehr Heilige gibt, uns Unbekannte, aber vor Gott nicht Namenlose. Ich möchte ein paar Beispiele von Menschen meiner geographischen Umgebung bringen, deren Todestage auf den Anfang des Monats November fallen. Es steht mir fern, sie heiligzusprechen. Gott in seiner Barmherzigkeit hat sie längst in seine Hand und sein Herz geschrieben. Der „kämpferische Atheismus“ hatte es auf Gott abgesehen und vergriff sich, seiner Ohnmacht bewusst, an dessen Freunden.
Pater Michael Wolf, geb. 1890, Absolvent des katholischen Saratower Priesterseminars, Seelsorger in Dnipropetrowsks, Saratow, Odessa, verhaftet im Juni 1929, erschossen am 3. November 1937 auf den Solowki-Inseln im russischen Eismeer.
Kamilla Krushelnickaya, geb. 1892, katholische Christin in Moskau, verhaftet 1933, erschossen am 27.10.1937 in Sandormoch. Zu Sandormoch möchte ich hinzufügen: Ein Waldstück in Karelien, Nordwesten Russlands, 19 km vom nächsten Dorf entfernt. Auf einer Fläche von 10 Hektar wurden hier in den Jahren 1937/38 mehr als 9.500 Menschen erschossen. Erst im Juni 1997 fand man dort die ersten von insgesamt 236 „Erschießungsgruben“ (Massengräbern).
Pater Peter Weigel, geb. 1892, Priesterseminar Saratow, Seelsorger im Wolgagebiet, verhaftet 1930, erschossen am 3. November 1937.
Anna Brilliantova, geb. 1909, Moskau, verhaftet 1933 (d.h. mit 24 Jahren), interniert auf den Solowki-Inseln, dort am 3. November 1937 erschossen.
Pater Adam Bellendir, geb. 1889, Priesterseminar Saratow, Seelsorger an der Wolga, unter Arrest seit 1930, erschossen in Sandormoch am 3. November 1937.
Pater Piotr Baranowski, geb. 1882, Priesterseminar Sankt Petersburg, Seelsorger in Weißrussland und in der Ukraine. Verhaftet 1929, interniert auf den Solowki-Inseln, dort am 3. November 1937 erschossen.
Pater Alois Kappes, geb. 1885, Priesterseminar Saratow, Seelsorger in Kamyshin (heutige Außenstation von Saratow), verhaftet im Juli 1930, erschossen an Allerheiligen 1937 in Sandormoch.
Pater Jan Zhavrid, geb. 1885, Priesterseminar Sankt Petersburg, verhaftet im August 1928, erschossen, mit P. Kappes an Allerheiligen 1937 in Sandormoch.
Pater Josef Kowalski, geb. 1898, verhaftet 1930, von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt, erschossen am 3. November 1937 in Sandormoch.
Pater Adolf Slotwinski, geb. 1883, Seelsorger in der Ukraine, im Januar 1930 verhaftet, interniert im Lager in der Republik Komi (Norden Russlands). Am 4. November 1937 hingerichtet durch Erschießen im Gefängnis der Stadt Saratow.