| Dserschinski-Denkmal vor dem Saratower Bahnhof Organisator der ersten sowjetischen Geheimpolizei |
Natalia aus einem so entlegenen sibirischen Dorf, dass der Kontakt zur Außenwelt an ein Wunder grenzt, hat ihre jüngere Schwester besucht, welche es wiederum mit Hilfe von Ordensschwestern geschafft hatte, nach Marx zu ziehen und eine Berufsausbildung zu machen, bevor ihr nichts als die schiefe Bahn oder der Alkohol zur Auswahl gestanden hätten. Natalia ist verheiratet. Ihr Mann hat Probleme, die im Dorf die Regel sind. Sie wollte sich umschauen nach Arbeit, Wohnung, … aber wer kauft ihr Haus in der Taiga, mit Alkoholikernachbarn rechts und links! Nein, das Haus ist gar nicht zu verkaufen. Es gehört dem Kolchos. Sie hat kein Geld … und auch fast nichts zum Anziehen. Heute wollte sie nochmal nach einer Mietwohnung suchen. Arbeiten kann sie. Und dann würde es für die Miete reichen. Dann aber war es heute so bitter kalt, dass sie in ihren kaputten Schuhen nirgends hingehen konnte. Schwester Helena gab ihr Geld zum Winterschuhe kaufen. Für etwas anders bleibe keine Zeit. Nun bringe ich sie bald zum Bahnhof, wo sie noch drei Stunden sitzen muss, bevor sie drei Tage fahren wird, und dann noch einen Tag im Autobus. Hat sie genug zu essen mit? Ich hole kurz nach 23.00 Uhr noch Gäste vom Bahnhof ab. Da nehme ich sie mit. Einen schönen, warmen Wintermantel meines Vaters, wie neu, wollte ich ihr für ihren Mann mitgeben. Sie lehnte lächelnd ab: „Bei uns im Dorf trägt niemand einen Mantel.“