Sonntag, 1. Januar 2012

Neujahrsfreude

Ohne weiter auf die liturgischen Feierlichkeiten des heutigen Tages einzugehen, auf das Neujahrsmittagessen im Kloster oder die Besichtigung des neuen Pfarrhauses in Marx, möchte ich nur kurz von einer Nebensache erzählen, die sich so ergab: Einige Kinder quetschten mich nach der Messe vor Freude im wahrsten Sinne des Wortes mit der Frage aus, wann ich sie nach Saratow einladen würde. In früheren Jahren gehörte das zu den Neujahrsferien dazu. Ich hatte es nicht vergessen. Dass ich aus Zeitnot nicht selbst darauf zu sprechen kam, tat mir schon einige Tage lang leid. Ich konnte nicht gleich „nein“ sagen und verschob die Antwort auf den Nachmittag. Vier Kinder kamen wieder. Zwei Mädchen brachten ihre riesige Hauskatze mit. Sie hing über der Schulter einer der beiden und machte den Eindruck, als würde sie jeden Moment mit einem kräftigen Sprung fliehen. „Wahrscheinlich am Siebenten“, konnte ich nun nach Rücksprache mit den Schwestern antworten. Und die Kinder waren betreffs Saratow-Ausflug fürs Erste beruhigt. Nun waren sie aber schon mal da, und ich freute mich ja auch darüber. Aber was konnte man bei schmuddeligem Tauwetter schon groß anstellen?! „Fahren sie uns ein bisschen durch die Stadt“, baten die vier, „nur bis zum Platz (so nennt man hier in jeder Kleinstadt den zentralen Platz für Paraden und Kundgebungen). Dort gehen wir ein wenig auf den Berg (ein künstlicher Schneeberg mit Rutschbahn), nur 5 Minuten, und dann fahren wir zurück!“ – „Die Katze wird sich im Auto benehmen?“ fragte ich. Die Antwort kam in Sekundenschnelle und beruhigte mich. Auf dem Platz gab es ausserdem eine künstliche Eisfläche, auf der Kinder um einen großen Tannenbaum herum Schlittschuh liefen. Ein paar zuschauende Großeltern standen im Hintergrund unter dem Lenindenkmal, was ebenso zum zentralen Platz jeder Stadt der Region gehört. Anschließend fuhren wir nicht nach Hause, sondern begannen eine Spazierfahrt durch Marx und Umgebung. Ich legte die CD mit den elf Weihnachtsliedern der Marxer Kinder ein. Meine vier Passagiere kannten jedes Lied auswendig und sangen kräftig mit. Das war wunderschön. Als wir an der Brauerei vorbei fuhren, sahen zwei Mädchen zum ersten Mal, wo ihr Vater arbeitet. „So weit muss er jeden Tag gehen!“ bedauerten sie ihn. Später erweckte ein Fichtenwald das Interesse der Insassen. Und als sie auf der Rückfahrt durch die Stadt durch Zufall herausfanden, wie man die Fenster öffnet und schliesst, wurde kräftig „gelüftet“. Bei der Gelegenheit meinte meine elfjährige Beifahrerin: „Oh, hier riecht es gut!“ Ich hatte nichts bemerkt. Sie fuhr fort: „Es riecht nach gerösteten Brotwürfeln.“ – Ich wusste, wen ich im Auto hatte: Diese Kinder träumen nicht von Kaugummis oder Schokolade, sondern von kleinen gerösteten Brotwürfeln.