Sonntag, 19. Februar 2012

Wieder ohne Sonntagsmesse

Heute hatte ich geplant, den Pfarrer in Saratow zu entlasten, indem ich ihm den Gottesdienst in Kamyshin abnehme. In der Pfarrkirche der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, die 200 km von Saratow entfernt steht und als Außenstation betreut wird, versammeln sich die Gläubigen jeweils am Sonntagabend um 18.00 Uhr. Ich brach eher auf, weil ich ahnte, dass die Straße noch nicht ganz in Ordnung sein wird. Sie war wie leer gefegt ... von Autos, nicht von Schnee, und erst recht nicht von Eis. Dass mir kein einziges Auto mit einem Nummernschild aus dem Süden entgegen kam, wurde mir immer verdächtiger. Und nach 74 km saß die Erklärung in Form eines dick eingepackten Verkehrspolizisten in seinem kalten Lada quer auf der Straße: "Wo wollen Sie hin?" - "Nach Kamyshin." - "Fahren Sie auf den Parkplatz dort. Die Trasse ist jetzt drei Tage zu, eisern, ohne Widerrede." Ich fuhr natürlich nicht auf den Parkplatz, sondern nach Hause, rief noch vom Handy nach Kamyshin an. Die wußten schon, dass die Straße zu ist. Schade! Das ist nicht zum ersten Mal in diesem Jahr, dass die Leute in Kamyshin zur Kirche kommen und dort erfahren, dass die Sonntagsmesse ausfällt. Ich habe es da leichter als Priester. Ich werde Eucharistie heute Abend zu Hause in meiner Kapelle feiern. Auf dem Rückweg machte ich einige Bilder vom schon geräumten Teil der einzigen Fernverkehrsstraße (Autobahnen gibt es bei uns im Bistum nicht) von Sibirien in den Kaukasus und ans Schwarze Meer: