Montag, 21. Mai 2012

Wochenendnachlese - Syzran

Auf dem Weg nach Toglatti kam mir spontan der Gedanke, dass in Syzran möglicherweise jemand da sein könnte, obwohl dort auf unserem Kirchengrundstück niemand wohnt, außer einem deutschen Schäferhund, der es bewacht. Samstags kommt Pater Ariel aus Uljanowsk in die Stadt, um mit der Gemeinde den Sonntagsgottesdienst zu feiern. Am nördlichen Ortsausgang von Syzran besagt ein Wegweiser, dass es nur 135 km bis nach Uljanowsk sind. Für hiesige Verhältnisse wirklich: "nur".
Wir bogen also von der Umgehungsstraße ab und fuhren durch die langgestreckte, nicht sehr einladende Stadt an der Wolga. Syzran ist ein Eisenbahnknotenpunkt und eine Militärschule für Hubschrauberpiloten. Hier lernen und leben u.a. Soldaten aus Venezuela.
Auf unserem Grundstück steht eine Kapelle aus Backsteinen, ein Gemeindehaus mit schiefen Wänden, in dem die Küche der größte Raum ist, aus Lehm, und ein unlängst erworbenes Holzhaus.
Es gibt Rasen und eine Banja. Für Kinderferienlager kleineren Maßstabs oder auch für Wochenenden von Erwachsenengruppen ist das Grundstück gut geeignet. Die Kinder von Saratow waren zum Beispiel schon hier. Ich glaube sogar, zweimal.
Pater Ariel war ein paar Minuten vor uns angekommen. Zwei Schwestern aus Uljanowsk begleiteten ihn. Abends fahren sie immer wieder zurück. Nach der Messe geht P. Ariel oft alte und kranke Gemeindemitglieder besuchen, von denen es zurzeit nicht wenige in Syzran gibt.
Eine junge Familie aus Syzran zauberte in 15 Minuten ein Mittagessen für alle auf den Tisch. Begegnungen in der Diaspora machen immer sehr froh. (Eigentlich war für 2012 kein Besuch in Syzran in meinem Kalender vermerkt.) Inzwischen hatte sich die Gemeinde versammelt und betete den Rosenkranz. Dann erzählte ich ihnen ein wenig aus dem Bistum. Pater Reinhard sprach mit einer Wolgadeutschen in der Muttersprache. Die Messe begann wegen unseres unangemeldeten Besuchs etwas später. Und wir fuhren weiter nach Toglatti, was noch knapp zwei Autostunden von Syzran bedeutete.