Samstag, 2. Juni 2012

Ein neues Projekt in Marx an der Wolga

Samstagabend auf der Baustelle
Die einen nennen es "Wüste", die anderen "Oase". Vielleicht werden wir es Getsemani nennen. Gemeint ist ein geistlicher Ort der Stille, an dem sich besonders Priester und Ordensleute des Bistums Sankt Clemens regelmäßig oder in Situationen, die es sinnvoll erscheinen lassen, für eine bestimmte Zeit aus dem Alltag zurückziehen können, um neue Kräfte zu sammeln. Nachdem uns das Grundstück neben dem Kloster in Marx geschenkt wurde, fiel die Entscheidung vor kurzem für dieses Projekt: ein Haus mit drei kleinen, separaten Wohneinheiten nach dem Vorbild der Klausen im Garten Getsemani, jeweils 6 mal 6 Meter, plus zwei Garagen. Kloster, Pfarrei, sowie unser Kinder- und Jugendzentrum nebenan, schaffen eine Atmosphäre, die man in einer extremen Diasporasituation wie hier in Südrussland mit "Geborgenheit" umschreiben kann.
Getsemani
(Foto: P. Diego ofm)
Der gerade erst geplante Bau geht schnell voran. Ich eile, weil bei uns ab 2013 neue Vorschriften für den privaten Hausbau in Kraft treten, die dem von öffentlichen Gebäuden entsprechen und das Bauen darum spürbar aufwendiger und schmerzhaft teurer machen. Natürlich hoffe ich auf Unterstützung, besonders durch die Katholiken aus Deutschland.
Beim nochmaligen Durchlesen bemerkte ich, dass es nicht richtig - weil "zu wenig" - ist, wenn ich schreibe, dass es um neue-Kräfte-Sammeln geht. Priester und Ordensleute sind keine Autos, die von Zeit zu Zeit an die Tankstelle müssen, bevor sie ausgedient haben. Das Haus und seine Umgebung sollen jedem, der dort wohnen wird helfen, im Guten zu wachsen. "Wenn wir nicht vorwärts gehen, fallen wir zurück", sagen Lehrer des geistlichen Lebens. Und: "Die Liebe ist wie der Mond: Wenn sie nicht zunimmt, nimmt sie ab."