Mittwoch, 6. Juni 2012

Rahmenordnung für Klöster und Ordensleute

Auf verschiedenen Internetseiten der russisch-orthodoxen Kirche wird derzeit das Projekt einer Rahmenordnung für Klöster und Ordensleute diskutiert, das zu diesem Zweck vom Moskauer Patriarchat veröffentlicht wurde. Ohne mich in die kirchlichen Vorschriften der russischen Orthodoxie einmischen zu wollen, über die manche ihrer Ordensleute unerwartet erschreckt reagieren, möchte ich hier wenigstens zwei interessante Gedanken aus der Diskussion wiedergeben, Zeugnisse russisch-orthodoxer Nonnen mit Internetzugang.
"In der modernen, säkularisierten Gesellschaft, einer Gesellschaft von Handel und Gebrauch, spüren wir ein starkes Defizit von Liebe. Keiner scheint den anderen wirklich zu brauchen. Die Welt erwartet von Ordensleuten nichts anderes als Liebe, Mitleid, die Fähigkeit jedem zuhören zu können, fremdes Leid zu spüren und zu trösten. Ist es nicht das, weswegen das Volk nach Saroff zum heiligen Seraphim gepilgert ist, in die Wüstenklöster zu den Starzen?
"Liebe wird in einer Atmosphäre der Liebe geboren. Die Klostergemeinschaft soll traditionsgemäß eine geistliche Familie bilden, versammelt um einen erfahrenen geistlichen Führer herum, um einen geistlichen Vater, einen Igoumen, eine Igumenija."
Jenen Nonnen fehlen geistliche Akzente im Text. Es kann gut sein, dass es der Natur des administrativen Dokuments entspricht, sachlich und trocken zu sein. "Es ersetzt ja keine Klosterstatuten", würde ich trösten. Interessant ist im Vergleich zum katholischen Ordensleben u.a. die schwierige Frage eines Austritts aus dem Kloster, der in der russischen Orthodoxie lebenslängliche disziplinare Folgen hat, bis hin zur Beerdigung, für die der Ortsbischof eine Sondergenehmigung geben muß, wenn sie christlich sein soll. Das Ordensversprechen wird demnach strenger gehandhabt als das Treueversprechen von Eheleuten, vielleicht aufgrund von Lukas 12,48 ("Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden...")? Natürlich muß man sehr vorsichtig mit solchen Worten umgehen. Sie in die öffentliche Diskussion der säkularisierten Umwelt zu werfen, ist nicht unbedingt sinnvoll.