Mittwoch, 13. Juni 2012

Ungeplante Zugabe: Elista

Elista, Mittwoch, 6.30 Uhr. Von meinen Reisen in die Pfarrgemeinden des Bistums kehre ich im Normalfall montagabends nach Hause zurück. Heute ist nun schon Mittwoch, und es sind immer noch 700 km bis Saratow. Das liegt u.a. daran, dass ich Passagiere im Auto habe: In Krasnodar sind die drei Schwestern aus Marx wieder zugestiegen, Schwester Helena und ihre beiden Novizinnen,  die das Bistum Sankt Clemens natürlich nicht in all seinen geographischen Facetten kennen, aber mehr noch liegt die „Verzögerung“ daran, dass 150 km Umweg bei 1.200 km Heimweg auch keine Rolle mehr spielten. Am Wochenende bei den großen Gottesdiensten gingen meine Gedanken auch in eine unserer kleinsten Gemeinden: zu Pater Wladimir in Elista, zu Alberta und ihrer Gemeinschaft. Schon lange war ich nicht dort. Ich suchte auf der Karte, ob es eine durchgehende Straße von Krasnodar nach Elista in Kalmykien gäbe, fand sie, prüfte nochmals den Terminkalender vom Büro und entschied mich für einen Tag mehr auf der Straße. Aller zwei Stunden stieg das Thermometer um ein Grad an. Wir erreichten die kleine Hauptstadt der buddhistischen Republik am Abend bei 38,5 Grad Celsius. Zum Abendessen tischten Alberta (Assoziation Johannes‘ XXIII.) und ihre neun Familienmitglieder im Garten hinter ihrem Haus auf. Pater Wladimir kam dazu, bei dem ich dann auch im Pfarrhäuschen übernachtete. Der Morgen ist still und nicht mehr so heiß. Zum Morgengebet schien die Sonne durch das Weinlaub vor dem Fenster. Hier im Haus hat sich nichts verändert. Die knarrenden Fliesen im Bad, die bei jedem Schritt zu zerbrechen drohen, die alten Heizungsrohre, ein Riss in der Wand. Zwischen zwei Jalousie-Blättern in der Küche muss vor längerem eine Heuschrecke stecken geblieben sein und steht seitdem versteinert da. Eine sehr flüchtige Parallele von Pater Wladimir zu Johannes dem Täufer kam mir in den Kopf. Hinter dem Haus kräht zurzeit mindestens ein Hahn. Um 8.00 Uhr werden die Leute zur Messe kommen, … wenn schon der Bischof mal da ist, … Danach ist Frühstück für alle geplant. Während sich bestimmt jemand findet, der die Schwestern in die Churul (größter buddhistischer Tempel Europas) auf der Straßenseite gegenüber begleitet, bleibt mir Zeit für Gespräche. Und dann folgte die letzte Etappe, über Wolgograd nach Hause.