Sonntag, 12. August 2012

Silbernes Weihejubiläum und Wallfahrer in Saratow

Für den Heimweg aus Kamyshin hoffte ich heute früh auf freie Straßen, denn ich wollte gern um 10.00 Uhr in der Kathedrale sein, wo Pater Jacek - einst Pfarrer in Saratow - heute sein 25-jähriges Priesterweihejubiläum feierte. Er war einst Pfarrer in Saratow, ich in Marx. Das war, als wir die Kirchen bauten und eine Menge zahlenmäßig großer Außenstationen betreuten. Das waren die 90-iger Jahre. Bald nach meiner Bischofsweihe zogen die Salesianer Pater Jacek von Saratow ab und schlossen ihre Nierderlassung. Er ist jetzt ein paar Tage zu Besuch in der Stadt. Heute im Gottesdienst sah ich einige Gesichter von früher, Gemeindemitglieder, die nach der Versetzung von Pater Jacek nicht mehr zur Kirche kamen. Dieses Phänomen hatten wir häufig nach den Jahrzehnten der Verfolgung, besonders in den ersten Jahren der Wiederbelebung kirchlicher Strukturen, als ungetaufte Menschen zur Kirche kamen, weil das der einzige Platz war, wo sie sich angenommen fühlten. Sie banden sich mehr an die Priester als an Christus, trotz aller Einsicht und Mühe der Seelsorger. Pater Jacek hat heute am Ende der Messe vor allen gesagt, dass er gern wiederkommen möchte. - Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg... (Auch wenn es manchmal lange dauert.)

Und um es nicht unerwähnt zu lassen: Von Freitag bis Sonntag hatten wir eine Gruppe von 9 Wallfahrern aus Togliatti bei uns zu Gast. Zwar gibt es im Bistum keine Wallfahrtsstätten im Sinne von Erscheinungsorten der Gottesmutter oder alten Klöstern, eine Wallfahrt an sich aber ist etwas sehr Gutes in der persönlichen geistlichen Entwicklung des Christen, wenn er die Sache ernst nimmt. Darum hatte Pater Artur entschieden, sein Auto vollzuladen und ins Bistumszentrum zu pilgern. (Auch hier erwies sich ein Kleinbus wieder als ideale Lösung für den Weg.) Die Gruppe Erwachsener übernachtete im neuen Pfarrhaus in Marx und betete in den Kirchen dort und hier in Saratow. (Um zu verstehen, wie selten katholische Kirchen bei uns sind, müßte man sich ganz Deutschland mit insgesamt 7 Kirchen und Kapellen vorstellen! Klar, dass dann jede Kirche ein Pilgerort sein kann.) Ein wenig machten sich die Wallfahrer vor Ort mit der Geschichte der katholischen Kirche an der Wolga vertraut. Und schließlich hörten sie interessiert zu und stellten Fragen, als sie erstmals im Leben die Möglichkeit hatten, ein katholisches Kloster zu besuchen.