Sonntag, 12. August 2012

Astrachaner Gäste - 2. Tag

Der unverhoffte zweite Besuchstag meiner Gäste bestand in der Hauptsache aus dem Aufenthalt in Marx. Nach dem Frühstück brachen wir auf. Dank des Minibusses, der nachts voller Ministranten aus Alexejewka zurückgekehrt war, konnten wir alle mit einem Auto fahren. Das Kinderzentrum neben der Kirche in Marx war für die Astrachaner Gäste ein richtiger Freizeitpark. Das von Schwester Flora vorbereitete Mittagessen lobten sie ausdrücklich. Während die Kinder danach ein wenig ausruhten, suchten die Schwestern mit Vera passende Kleidungsstücke und Schuhe aus der pfarreigenen Kleiderkammer für alle heraus. Und ein Geschenk für jeden Gast gab es auch noch. Oft zeigten die Kinder ihre Dankbarkeit und Freude in ungezwungener Weise. Sie gehen miteinander wie Geschwister um, obwohl alle ihre eigene, schwere Vorgeschichte haben, die sie eines Tages in Veras Haus zusammengeführt hatte.
Am Abend fuhren wir mit 2 Autos bis Kamyshin, damit sie heute - am Sonntag - nur noch 700 km vor sich hatten. Auch dort wurden wir herzlich aufgenommen. Seit Kamyshin keinen eigenen Pfarrer mehr hat, lebt Natascha, eine ehrenamtliche Katechetin, im Pfarrhaus und kümmert sich mit Hingabe um das Weiterbestehen ihrer Gemeinde. Die alte Garage neben dem Pfarrhaus war zum Speisesaal umfunktioniert. Im Pfarrsaal wurde Matratzen für die Nacht ausgelegt. Alle haben gut geschlafen, so gut, dass niemand bemerkte, wie eines der Mädchen eine von jemandem vergessene Flasche knallroten Nagellacks fand und sich und anderen sogar die Ohren bemalte. Aber diese "Familie" erschrickt nicht über solche Sachen, kann darüber lachen und in Ruhe überlegen, wie man das wieder weg bekommt. Heute nach dem Frühstück brachen wir auf: Vera und ihre 7 Kinder gen Süden, ich zurück nach Saratow.
Nachtrag (Montag, 13.8.12): Gestern Abend um 21.55 Uhr kam die Nachricht aus Astrachan: "Wir sind wieder zu Hause...  Bei Euch waren wir wie im Paradies."