Sonntag, 14. Oktober 2012

Eine große Familie - Heilig Kreuz, Uljanowsk - verabschiedet sich von P. Ariel

"Meine Herren, das will ich Ihnen noch sagen, ..." So begannen oft die Lebensweisheiten, die uns Professor Sonntag in den Kirchengeschichtsvorlesungen in Erfurt mit auf den Weg gab. Einmal fuhr er in seiner wuchtig liebenvollen Art fort: "... Wenn Sie eines Tages versetzt werden und die Gemeinde nicht Rotz und Wasser heult, dann - glauben Sie mir - haben Sie versagt."
Ein anschauliches Beispiel dieses Falls erlebte ich heute in Uljanowsk. Fast acht Jahre lang war Pater Ariel hier der geistliche Vater, der seine Gemeinde gern hatte und von ihr geliebt wurde. Nun hieß es Abschied nehmen. Das große, zur Kapelle umgestaltete Wohnzimmer im Pfarrhaus war zu eng, obwohl 25 Erwachsene wegen einer Hochzeit in Sibirien nicht gekommen waren und nochmal so viele aus einem Dorf nicht kommen konnten, wahrscheinlich, weil es keine Transportmöglichkeit gab. Es ist wirklich etwas gewachsen in diesen Jahren. Und noch schöner: Es ist etwas zusammengewachsen, nämlich eine Pfarrgemeinde aus katholischen Christen verschiedener Nationalitäten und Riten! "So herzlich!" "Wie eine Familie!" nannten es die drei Jugendlichen aus dem Matulaitishaus in Marx, die ich diesmal auf die Reise mitgenommen hatte. Pater Ariel hat viel Verdienst daran. Übermorgen begibt er sich auf den fast dreitägigen Weg an seine neue Stelle im Südosten Kasachstans. Auch ihm selbst fiel der Abschied nicht leicht.