Dienstag, 13. November 2012

Es wäre falsch zu denken,

dass alle unsere Katholiken in Russland bettelarm seien. Es gibt viel Armut. Und gerade die Betroffenen haben nie die Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. Darum erzähle ich oft von ihnen. Es gibt aber auch solche, die eine gute Arbeit haben und ein Gehalt verdienen, besonders in den größeren Städten.
Nicht zum ersten Mal haben wir darum unseren Gläubigen eine Wallfahrt ins Heilige Land angeboten. Ich weiß von einer Großmutter, die mit ihrer kleinen Rente nie an ein solches Unternehmen hätte denken dürfen. Sie aber tat es doch und arbeitet ein ganzes Jahr lang, totz ihrer Rückenschmerzen als Putzfrau in einem Geschäft und ... nahm an der Wallfahrt teil. Für den Rest ihres Lebens ist sie glücklich. Aber auch die anderen, die vor ein paar Tagen ins Bistum zurückkehrten, gaben ihrer Freude durch Briefe und Anrufe Ausdruck. Ich bin Pater Diogenes aus Kazan dankbar, dass er die Organisation und die geistliche Leitung der 40-köpfigen Gruppe übernommen hatte. Für zwei Priester und 12 Ordensschwestern aus meinem Bistum, die noch nie im Heiligen Land waren und wahrscheinlich auch nie da hin gekommen wären, konnte ich die Wallfahrtskosten übernehmen, Dank der Hilfe privater Spender. Die vergangenen Tage werden ihnen in Zukunft helfen, die großen Feste der Kirche ganz anders mitzufeiern, die Psalmen neu zu beten und bei der Predigt und der Katechese an das anzuknüpfen, was sie mit eigen Augen gesehen haben.
Gestern war Pater Diogenes bei mir. Und ich konnte ihm persönlich danken. Grund seines Besuches war das Kirchenrecht. Besonders bei den Anträgen in eherechtlichen Fragen berät er mich und übernimmt einen Teil der Bearbeitung. Heute hingegen, besuchte mich mein Generalvikar. Eigentlich ist sein Platz ja neben dem Bischof. Aber weil wir nur wenige Priester haben und die Entfernungen groß sind, wirkt er 420 km wolgaaufwärts als Pfarrer und Dekan.