Mittwoch, 19. Dezember 2012

"Silbernes"


Bischof Schaffran war bereits im Ruhestand, und Bischof Reinelt war noch nicht ernannt. Ich war der einzige Kandidat aus dem Bistum Dresden-Meißen. Deshalb willigte Weihbischof Weinhold  ein, mir die Diakonenweihe nicht in der Dresdener Kathedrale, sondern in der Pfarrkirche meiner damaligen Heimatgemeinde zu spenden. Herr Walde, der nicht nur chauffierte, sondern auch die Zeremoniarsdienste im Gottesdienst übernahm, brachte unseren Weihbischof sicher über die winterlichen Straßen ins „Magdeburgische“. St. Bonifatius in Artern (Kyffhäuser) gehörte damals zum Bischöflichen Amt Magdeburg. Im Auto saß auch Frau Josefa Schumann, eine Dresdnerin, die mich in der Zeit meines Studiums mit Gebet und materieller Hilfe begleitet hatte. An den Einstieg zur Predigt kann ich mich noch erinnern: Weihbischof Weinhold erzählte von einer Schule in München, in der Diener ausgebildet wurden, was uns DDR-Bürgern ja irgendwie paradox erscheinen musste: Wie kann man in einem reichen, freien Land Diener sein wollen…?
Über viele Jahre hinweg, nannte ich das Datum meiner Diakonenweihe als den einschneidensten und damit wichtigsten Tag in meinem Leben. Der Grund scheint nachvollziehbar: An diesem Tag versprach ich Gehorsam, gab mein noch bevorstehendes Leben aus der Hand. Es war „mein“ Schritt, dessen Gewicht ich spürte, jedoch nicht drückend, sondern befreiend. Die Priesterweihe, sechs Monate später, schien mir deshalb „nicht so (ge-)wichtig“. Erst nachdem ich schon einige Jahre Priester war, gewann der Tag meiner Priesterweihe für mich persönlich mehr und mehr an Bedeutung, jedoch schon nicht mehr als „mein Schritt“, sondern „seine Gabe“, die es von Anfang an war. Ich freue mich, heute auf 25 Jahre gottgeweihten Lebens zurückblicken zu dürfen und danke ihm, wie auch vielen Menschen.