Mittwoch, 23. Januar 2013

Aus dem Leben eines (Russ)-landbischofs

Als ich gestern Abend im Stau stecken geblieben war und niemand in der Kirche mehr auf sein Handy schaute - was ja im Grunde sehr lobenswert ist - kam ich zum zweiten Mal im Leben zu spät zur Messe. Der Pfarrer ging davon aus, dass bei mir etwas dazwischen gekommen sei und begann pünktlich. Fünf Minuten später hörte ich seinen Einführungsworten in den Gottesdienst von der Kirchentür aus zu. Ich gebe zu, dass ich zu Hause etwas zu spät losgefahren war. Grund waren Telefonanrufe, die ich dringend erledigen wollte, weil eine Jugendliche meiner ehemaligen Pfarrgemeinde plötzlich zu erblinden scheint und die Ärzte ratlos sind.
Später am Abend besuchten Pfarrer und ich ein Ehepaar am Stadtrand und segneten deren Wohnung. Iwan und Liudwika helfen uns viel in der Pfarrei. Vor ca. 10 Jahren hatten sie Usbekistan verlassen, weil es dort wirtschaftlich immer schwieriger wurde. "In unserer Straße gibt es kein Gas mehr, hat mir die Nachbarin geschrieben", erzählte Liudwika gestern beim Abendessen, zu dem die beiden unseretwegen weit über ihre Verhältnisse aufgetischt hatten. Wenn man bedenkt, dass in Usbekistan mit Gas geheizt wird, ahnt man erst, wie bedrohlich die Zeilen der ehemaligen Nachbarin klingen.